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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-11 · Heft 11 (11.3.1884) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 11 (11.3.1884)
Date
1884-03-11
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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173 verdient hat. Rabbi Hazan ist auch Verfasser eines Werkes j Doktrinen des Judenthums und den gegenwärtigen Zustand yiiDT, das in Form eines Dialogs die theologischen der Geister in der Synagoge behandelt. Aeurr Arbeit un- Arbeiter im Allerthum. Uebcr dieses Thema hielt Herr Landrabbiner Dr. Glück am l». d. M. im „Oldenburger Beamtenverein" einen Bortrag, der seinen Gegenstand so übersichtlich und klar zusammcnfaßt, daß wir ihn hier nach der „OldenburgerZeitung" (vom 18. Jan.) skizziren wollen. Ter Vortragende beschränkte seine Darlegung auf die Griechen und Römer, die beiden klassischen Völker des Alterthums, und auf die Israeliten, auf welche heute noch eine Reihe bestehender socialer und sittlicher Einrichtungen zurückzuführen sind. Was Griechenland und Rom betrifft, so gilt nach allem, was man weiß, die Arbeit in ersterem als unehrenhaft, soweit sie nicht eine politische und rein geistige war, und in Rom hieß sie lador, was Schmerz bedeutet, Arbeiter in unserem Sinne gab cs bei diesen Völkern nicht, nur Heloten, Sklaven. Für den Sklaven gab cs kein Recht und Gesetz, kein Eigenthum, keinen Schutz und keine Sicherheit des Lebens. In Lacedämonien wurden einst in einer Zeit des Friedens und der Ruhe zweihundert Sklaven, Stammesgenoffen der Griechen, aus keinem anderen Grunde hingeschlachtet, als weil sie entbehrlich waren, weil man so vieler Heloten nicht bedurfte. Bei den Römern war Sklavenjagd ein Lieblingssport; man lud die Arbeit auf die Sklaven, welche für die freien Bürger arbeiten mußten. Aristoteles hielt die Arbeit unwürdig eines freien Mannes; er erklärt sich daher mit Plato darin einverstanden, daß eine gute Republik dem Handwerker kein städtisches! Bürgerrecht verleihen dürfe. Mit nur sehr geringen Ausnahmen ließen die alten Römer ihre Besitzungen und Güter ausschließlich durch Sklaven bewirthschaften, und diese Mißachtung der Arbeit dauerte noch während des ganzen Mittclalters fort, in welchem die Anschauung herrschte, daß die körperliche Arbeit den Stand eines Edelmannes oder Ritters! entehre, während es seinem adeligen Namen keinen Eintrag that, wenn er den Kaufmann auf der Landstraße ausplünderte. Bis in unsere Tage hinein hielt man noch hier und dort am Sklaventhum fest, in Rußland hörte die Leibeigenschaft erst vor wenigen Jahrzehnten auf, und in Südamerika erklärte man noch zur Zeit des Unionskrieges das Sklaventhum für ein gottgefälliges Werk. In wesentlich anderem Lichte erscheint das hebräische Alterthum. Hier ging man von der Grundanschauung aus, daß die Menschen aller Stämme und Rassen, so verschieden sie in Sprache, Kultur, Sitte und Religionsformen sind, von einem Menschenpaare abstammen, gleichberechtigte Erben der ieio n. Erde sind und ein vollgültiges Anrecht auf Freiheit haben. Darum ward hier der Sklaverei jeder Schein von Recht genommen, mit dem die Selbstsucht der Menschen sie umgab. Griechenland und Rom hatten Sklaven, Palästina hatte freie Arbeiter. Nach dem hebräischen Staatsgrundgesetze war cs dem Palästinenser höchstens gestattet, sich auf 6 Jahre in den Dienst eines Anderen zu verdingen, das heißt, aus freiwilligem Antriebes, und wurden ausländische Sklaven, die in Palästina gehalten wurden, von dem Herrn körperlich mißhandelt, so erlangten sie hierdurch ihre Freiheit. Die Tödtung eines ausländischen Sklaven durch seinen Herrn oder einen anderen wurde mit dem Tode geahndet. Flüchtete sich ein ausländischer Sklave nach Palästina, so durfte er nicht ausgeliefert werden, sondern war frei. Der Vortragende erklärt diese Erscheinung der Sklavenlosigkeit bei den eingeborenen Palästinensern und der herrschenden Milde gegen ausländische Sklaven aus der geschichtlichen Entwickelung des israelitischen Volkes, und legt des weiteren dar, daß während die Arbeit in Griechenland und Rom zur Sklaverei erniedrigt wurde, sie in Palästina als ein Vorzug und eine Auszeichnung des Menschen angesehen wurde. Dreifaches Heil ruft daher der Psalmendichter in dem 128. Psalm > demjenigen zu, der von seiner Hände Mühen und seinem 'regsamen Schaffen Weib und Kind ernährt, denn hier galt! die Arbeit als das, wofür sie heute von allen Kulturvölkern angesehen wird, als die Erzieherin des Menschen, die Mutter der Kultur und die Freundin jedes Fortschritts. Als Gott, so erzählt eine althebräische Parabel, dem gefallenen Adam das Urtheil sprach: Dornen und Disteln soll Dir die Erde tragen, rannen ihm Thränen aus den Augen und er rief: Herr des Weltalls, ich und der Esel sollen aus einer Krippe essen? Als aber Gott fortfuhr: Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Tein Brod essen, gab Adam sich zufrieden. Denn, so lehrt die Parabel, so unparadiesisch auch das Leben des Menschen fortan sein sollte, so blieb sein Vorrang vor dem Thiere doch dadurch gewahrt, daß seine Nahrung, so sauer sie ihm auch oft werden mag, die Frucht eigener, freiwilliger Arbeit ist. Der lasttragende Esel ist der willenlose! Knecht des Menschen, der Mensch aber macht sich kraft seines! freien Willens zum Diener des Bodens und der Arbeit. So lautet denn auch der Ausspruch eines alten hebräischen Weisen: „Wer seinen Sohn kein Handwerk oder Gewerbe l) Ties ist nicht ausreichend; der Israelit konnte auch von Seiten des Gerichts aus 6 Jahre vermiethet werden, wenn er gestohlen hatte und . das Gestohlene nicht ersetzen konnte. (2 Mos. 22, 2.) Redaktion.

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