Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1884)
- Date
- 1884-03-11
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227513--41566-3310050- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
171 Linke, zu welcher Schönerer gehört, rief Bravo — also auch hier sind die Radikalen mit den Antisemiten verbunden, weil es eben Streit, Hader, Unruhe u. s. w. zu erregen gilt. Bloch nahm noch einmal das Wort, fragte, ob, wenn Christen in Oesterreich verschwinden, von den Juden verlangt werden könne, sie herbeizuschaffen? und machte besonders die geistlichen Mitglieder darauf aufmerksam, daß Dühring die Zersetzung des Christenthums zum Ziele habe, und deshalb in erster Linie das Judenthum vernichten wolle, als die aner- — Der hiesige Kaufmann Philipp, dessen Tochter, wie auch in d. Bll. gemeldet, vor einigen Wochen in Lemberg getauft wurde, wandte sich um Abhülfe an den Minister des Innern, Grafen Taaffe, jedoch ohne Erfolg. Alle Hoffnung des gekränkten Vaters knüpft sich an eine vom Kaiser ihm gewährte Audienz, in welcher der Kaiser sich mit Wohlwollen nach dem Sachverhalt erkundigte und die eingehendsten Erhebungen zu pflegen zugesagt hat. In der That wird es sich kaum gesetzlich begründen lassen, daß ein selbst freiwillig und kannte Grundlage des Christenthums. Ein Gegenantrag war! im Sinne des Gesetzes von 1868 vollzogener Glaubenswechsel gegar nicht gestellt und so wurde der Antrag auf Aushebung eignet sein sollte, die väterliche Gewalt aufzuheben, den Familiender Immunität des Abg. vr. Bloch in dieser Prozeßsache ge- Vater seiner Anrechte auf seine Angehörigen zu entkleiden. Man nehmigt. Der Prozeß wird also auch während der Session ( sieht mit Spannung dem Ausgange der Sache entgegen, des Reichsrathes seinen Fortgang nehmen, und ist auch durch l Pest, 24. Febr. Einige deutsche Blätter beeilten sich, diesen parlamentarischen Zwischenfall die Aufmerksamkeit auf von antisemitischen Demonstrationen in Pest zu berichten, ihn noch erhöht worden. Geben wir darüber das Thatsächliche. Die Begnadigungs- Prag, 24. Febr. (Privatmitth.) Die Repräsentanz der gesuche der drei scheußlichen Mörder Mailath's waren abgeböhmischen Landesjudenschaft hat an das österreichische Mi-!wiesen worden, und die Verbrecher sollten hingerichtet wernisterium für Kultus- und Unterricht eine Eingabe gerichtet,! den. Als der Vollstreckungstermin bekannt wurde, bemächtigte worin auf die dringende Nothwendigkeit eines Gesetzes zur!stch der untern Volksschichten eine große Aufregung, die durch Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen das Vorgehen der Behörden noch gesteigert wurde, denn an- Kultusgemeinden gewiesen wird; es wird in dieser Ein-!statt die Ueberführung der Delinquenten vom Strafgerichtsgabe bemerkt, daß die Regierung bekanntlich schon seit mehreren j gebäude in Ofen nach dem Strafhause auf der Kerepeserstraße Jahren ein solches Gesetz ausgearbeitet hat, und wurde daran tn Pest ohne Aufsehen zu bewerkstelligen, geschah dieselbe in die Bitte geknüpft, diese Gesetzvorlage so bald als möglich einer geradezu Sensation erregenden Weise. Auf der Kereim Reichsrath einzubringen, denn die jüdischen Gemeinden peserstraße war im Laufe des Nachmittags eine solche Menseien jetzt ohne jeden rechtlichen Schutz; sie können ihre Mit-; schenmasse angesammelt, daß Polizeipatrouillen diese und die glieder nicht zur Leistung der Kultusbeiträge verhalten; die angrenzenden Straßen durchstreifen mußten, um die Passage Gerichtsbehörden anerkennen nicht Klagslegitimation der der-! lrei zu halten. Gegen Uhr Abends sammelte sich eine zeit gewählten Gemeindevorsteher, während die politischen' große Menge vor dem Swafhause an. Dieselbe ries: „Eljen Behörden zögern, die Konstituirung der Gemeinden zu ge- ■ Sponga", und da sie einige Gaslaternen einzuschlagen bestatten, da sie auf das neue Gesetz warten. Bekanntlich hat gannen, mußte berittene Polizei einschreiten, während die der polnische Abgeordnete Merunowicz eine ähnliche Eingabe Kaufleute ihre Läden schloffen. Es gelang auch, den Platz vor Kurzem an den Kaiser gerichtet. frei zu machen, doch sammelte sich die Menge wieder in der - Unter dem Vorsitz des VertheidigerS in Strnfsnchen, i ^°k°n°ig°si° wo sie wieder einige Fensterscheiben und Gas. vr. Salomo» Zalud, konstituirte sich hente der Verein 1'°^» -«^"S-dnbm .El,°n Jstoczyrn,°nd. K°»st°bler .0r Tomic^ (Ewiges Licht). Dieser Ve,°in bezweckt die »">« ■*>“ 5en9e 6erm,e,t n- .. \ .. . c,. ., rooflte. Nun wurde von den Polizisten ein Schuß in die Errichtung eines israelitischen Tempels in Prag mit czechischer j Liturgie. Die Borstinde zweier israelitischer Kultnsgemeinde»! -°s°u-rt. der nicht tras, jedoch di-S-rstr-nnng der Menge bewirkte. Colporteure antisemitischer Druckschriften, sowie mehrere Private beglückwünschten das Vorbercitungs- Komitv theils brieflich, theils telegraphisch zu diesem neuen nationalen Unternehmen.') 1) Können es Juden jemals irgend Wem recht thun? Nein, niemals. Einen Beweis liefern deutsche Blätter, die bei der obigen Mittheilung bemerken: „Es ist bereits wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Juden in Böhmen, welche sich bisher mit den Deutschen identisicirten und dadurch viel dazu beigetrogen haben, den Haß des tschechischen Volkes gegen die Deutschen zu verschärfen, neuerdings, seit die Tschechen in Böhmen Oberwasser bekommen haben, den Mantel nach dem Winde hängen und sich tschechisiren." Ist der Jude deutsch gesinnt, er wird von den Deutschen selbst verbrannt; er wird tschechisch — er wird nun erst recht verbrannt. welche die Mordafsaire in antisemitischer Weise ausbeuteten, wurden verhaftet. Die Polizeipatrouillen wurden verstärkt. Gegen 11 Uhr Nachts war die Ruhe wieder hergestellt. Das ist der Pöbel, der von den Antisemiten zu benutzen gesucht wird, der für die verrätherischen Verbrecher, Mörder aus Geldgier eintritt! Pest, 27. Februar. Koloman Tis za hat wiederum einen Versuch zur Bekämpfung des Antisemitismus gemacht; er hat als Minister des Innern an sämmtliche Municipien des Landes folgende Circular-Berordnung gerichtet: n*