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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-11 · Heft 11 (11.3.1884) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 11 (11.3.1884)
Date
1884-03-11
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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170 stützt. Die Einnahmen betrugen M. 7050 wovon M. 1700 von den Spendern dem Fond zugewiesen waren. Könitz, 24. Febr. Heute begann hier die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode, in welcher vom 29. d. Mts. ab der vom Reichsgericht zu Leipzig hierher überwiesene Prozeß über den Neustettiner Synagogenbrand verhandelt werden wird. Daß alles Mögliche aufgeboten wird, um vollständige Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, dafür giebt der Umstand Zeugniß, daß der Criminalcommisiarius Hoest, ein geborener Konitzer, im Aufträge des Justizministers vor Kurzem hier anwesend war und sich dann von hier nach Neustettin begeben hat, um an Ort und Stelle Nachforschungen anzustellen. Auch der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsrath Arndt aus Danzig, begab sich vor einigen Tagen zur Information nach Neustettin. (Wir werden über diesen Prozeß wie früher im Zusammenhang berichten. Red.) München, 27. Febr. Auf die Klage der Ultramontanen hin, daß auch in Bayern mehr protestantische als katholische Professoren angestellt würden, ist der Nachweis geführt worden, daß im Ganzen 167 Professoren an den drei bayerischen Landes-Universitäten angestellt sind; davon sind 76 katholisch, 87 protestantisch, 2 jüdisch und 2 confessionslos. Die beiden jüdischen sind an der Universität Erlangen angestellt. Fürth, im Februar. (Privatmitth.) Die „Gabriel Riesser'sche Stipendienstiftung" hat ihren Jahresbericht vom 22. April 1882 bis 20. April 1883 veröffentlicht. In diesem Jahre standen ihr M. 1950 zur Bertheilung, und erhielten ein Rabbinatskandidat M. 120, 3 Juristen 420, 4 Mediciner 440, 1 Philologe 200, 3 Studirende der technischen Hochschule 580, 4 Seminaristen 240 und eine Seininaristin 50 M. In den 17 Jahren ihres Bestandes hat die Stiftung über M. 15,000 Stipendien vertheilt und zugleich einen Fond von M. 12,000 gesammelt. Bemerkenswerth ist, daß neben dem einen diesjährigen Rabbinatskandidaten 51 Juristen, 32 Mediciner, 6 aus anderen Fächern, 17 Studirende der technischen Hochschule, 37 Seminaristen und eine Seminaristin unterstützt worden sind. Man sieht hieraus, welchen Disciplinen sich die jüdischen Studirenden am meisten zuwenden, und wovor sie allmälig gewarnt werden müßten. Die Stiftung wird bis jetzt allein in Fürth, Nürnberg, Augsburg und Regensburg sustentirt, obgleich die Wohlthaten derselben sich auf Kinder aller bayerischen Gemeinden erstrecken und es wäre deshalb wohl an der Zeit, daß auch die anderen Gemeinden dem wiederholten Aufrufe der Verwaltung Folge leisteten und die Drittel der Stiftung vermehrten. Oesterreich-Ungarn. X. Wien, 25. Febr. (Privatmitth.) Die vorige Nr. brachte einen kurzen Bericht über den Vorgang im österreichischen Reichsrathe vom 12. Febr. Da nunmehr der stenographische Bericht vorliegt, so komme ich auf denselben zurück. Prof. Rohling hat gegen den Rabbiner von Flohrisdorf Dr. S. Bloch, Mitglied des Reichsrathes, sowie gegen vier Wiener Redakteure Anklage wegen Beleidigung erhoben, und das competente Gericht fand die Klage insofern begründet, als der desfallsige Prozeß erhoben werden sollte. Dazu bedarf es der Erlaubniß des Abgeordnetenhauses betreffs seines Mitgliedes des Dr. Bloch. Es giebt nun Viele, welche der Meinung sind, da Dr. Bloch selbst dem Ausschußantrage, die Anklage zu gestatten, zustimmte, damit es nicht den Anschein habe, als ob er sich hinter seine Immunität flüchten wolle, er auch besser gethan hätte, seine Expectorattonen über den Gegenstand der Klage zu unterlassen, da sie den unerquicklichen Gegenstand abermals vor das Publikum brachten, und dem Antisemiten Schönerer Gelegenheit gaben, seinem Judenhasse einmal wieder Luft zu schaffen. Wir können dem nicht beistimmen. Die Antisemiten betreiben ihr Handwerk Tag für Tag, und das unerschrockene Entgegentreten geschieht nur selten. Ein schweigsames Verhalten selbst bei offenbaren Veranlassungen macht es ihnen nur leicht, das urtheilslose Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Der vom Berichterstatter des Ausschusses gestellte Anttag schien den Dr. Bloch in seiner Formulirung eine Art Urtheil über die Sache selbst zu enthalten, was späterhin vom Berichterstatter zurückgewiesen wurde, indem nur Worte des gerichtlichen Antrages wiederholt worden, durch welche nicht die Sache, sondern nur die Berechtigung zur Anstellung der Klage ausgesprochen wurde. Dr. Bloch nahm nun Gelegenheit, die Gerechtigkeit seiner Anschuldigungen gegen Rohling zu erweisen, und bediente sich hierbei der schärfsten Ausdrücke über diesen, Ausdrücke jedoch, die von den namhaftesten christlichen Gelehrten und dann einstimmig von dem Orientalisten - Congreß zu Leyden gebraucht worden. Gegen alle diese christlichen Gelehrten hat nun Rohling die Klage nicht erhoben, sondern nur gegen den Rabbiner Bloch, weil er augenscheinlich hofft, daß dieser nur als Parteimann angesehen werde. Der Präsident Saolka unterbrach den Redner, weil er nicht über den Sachverhalt, sondern nur über den vorliegenden Anttag zu sprechen habe. Wir halten dies nicht für gerechtfertigt, denn erst durch den Sachverhalt erscheint der Anttag begründet oder unbegründet und hierum handelte es sich ja. Bloch ließ sich deshalb wenig stören, fuhr in der Sache fort, wenn er wohl seinen Schluß beeilte. Hierauf erhob sich nun Schönerer, suchte über Bloch zu ironisiren, berief sich auf Dühring, daß der Antisemitismus keine confessionelle, sondern eine Racenfrage sei und schwang sich zu dem Ausrufe auf, daß, so lange nicht die Leiche der Esther Solomoffy herbeigeschafft und agnoscirt worden sei, die Anklage aus den Juden lasten bleibe. Bemerkenswerth ist es hierbei nun, daß von vielen Seiten des Hauses Zischen und Pfui!-Rufen erfolgte; nur die äußerste

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