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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-11 · Heft 11 (11.3.1884) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 11 (11.3.1884)
Date
1884-03-11
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 aus Aegypten eine Verbindung des Mittelländischen Meeres! Kette von Seen in der Halbinsel Sinai vorhanden sind. Die mit dem Rothen Meere bestand. Ferner hat er entdeckt, daß große Linie der Depression des Wady Arabay und des Jorder todte See sich früher 150 Fuß über dem Niveau des! danthales hat Professor Hüll in einer Distanz von über hun- Mittelländischen Meeres befand und daß Spuren von einer i dert Meilen tracirt. %c\X l/H l CJ'>VK Deutschland.! Berlin, 26. Febr. Glücklicherweise sind mit den Ur- > fachen auch die Wirkungen, wir meinen die Prozeffe gegen! die Antisemiten seltener geworden. Einer spielte sich gestern! ab. Der Redacteur der (antisemitischen) „Wahrheit" W. Käse! und der Verleger Buchhändler Luckhardt standen vor dem! hiesigen Schöffengericht, wegen Beleidigung der Referendare! Levysohn und Ullmann. Die beiden Letzteren waren vor ca. j 9 Monaten mit dem Amtsgerichtsrath Bechmann in Diffe-' renzen gerathen, in deren Verfolg Levysohn den Richter durch seinen College» in bedingter Form fordern ließ. In der vor der Strafkammer zu Landsberg a. W. verhandelten Anklage wegen Herausforderns resp. Kartelltragens wurden die beiden Referendare freigesprochen, und dieselben sind in Folge dieses Ausgangs wieder in den Justizdienst übernommen, aus welchem sie wegen des vorgedachten Conflicts mit dem Richter entlasten worden waren. Das angeklagte Blatt brachte in seiner Nr. 39 unter der Ueberschrift „Fiat jnstitia, pereant judaei oder traurige Folgen der Unverschämtheit" ein Gedicht voller Beleidigungen der Privatkläger, die Israeliten sind. Rechtsanwalt Dr. Günsberg, als Vertreter der Privatkläger, beantragte gegen Käse eine Freiheitsstrafe. Gegen Luckhardt wurde, da er nicht betheiligt ist, aus Freisprechung erkannt, während Käse zu 300 Mark ev. 30 Tage Gefängniß verurtheilt worden ist. Es wurde nur deshalb aus eine Geldstrafe erkannt, weil die Beleidigung durch ein Witzblatt erfolgt ist und darum eine mildere Beurtheilung erheischt. — Der Amtsrichter Lion ist bekanntlich, weil er Jude, den Angriffen und Bexationen der Antisemiten stark ausgesetzt. Am 29. Febr. wurde der Redacteur des „Deutschen Tageblatts", Lieutenant a. D. Paul v. Szczepanski wegen Beleidigung des Amtsrichters Lion zu 300 M. und wegen Preßübertretung zu 50 M. verurtheilt. — In der „Liber. Corr.", dem officiellen Organ der secessionistischen Partei, lesen wir: „In parlamentarischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß es die Pflicht der liberalen Partei des Reichstags sei, ein Dankesvotum für die Beileidsresolutton des amerikanischen Repräsentantenhauses beim Tode Ed. Lasker's in Anttag zu bringen." — Wie aus Washington gemeldet wird, hat Mr. Carlisle, der Präsident des Repräsentantenhauses, von mehreren hervorragenden liberalen Mitgliedern des deutschen Reichstages ein persönliches Schreiben empfangen, worin dieselben ihrer hohen Würdigung des Vorgehens der Kammer in Bezug auf den Lasker-Zwischenfall Ausdruck geben. — Das amerikan. Repräsentantenhaus hat ein Dankschreiben vom deutschen liberalen Centtalverein (? s. oben) erhalten und daffelbe dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten überwiesen. Bonn, 27. Februar. (Privattnitth.) Daß wir mit unserem „Sendschreiben" (N. 8.) das Richtige gettoffen haben, ersieht man daraus, wie die Antisemiten sich gegen daffelbe wehren und winden. Die antisemitischen Blätter bringen bald hier, bald dort eine „Antwort", ohne daß wir uns berufen fühlen, darauf zu repliciren. Denn von einer wirklichen Widerlegung unserer Argumente, die wir also nachttäglich noch einmal zu begründen hätten, ist nicht die Rede, sondern es werden immer wieder nur die bekannten Phrasen, Anschuldigungen und Verdächtigungen wiederholt, die Freund und Feind längst bekannt und nach und nach langweilig geworden. Da wird uns ein antisemitisches Blättchen zugesandt, das in Dortmund erscheint, und unter dem wohlklingenden Namen „Westfälische Reform, Wochenblatt zur Pflege des Deutschthums und des ehrlichen Geschäftsbettiebes" nichts weiter von Anfang bis zu Ende als anttsemitisches Geschwätz enthält, wahrlich ein großes Compliment für Deutschthum und Ehrlichkeit! *) Dieses Wochenblatt bringt in seiner Nummer vom 24. Febr. eine Antwort auf unser „Sendschreiben", unterzeichnet von einem Dr. Carl Max Nendtrich, emerit. Professor in Budapest. Wir tteten natürlich nicht dafür ein, daß dieser Nendttich wirklich und zwar in Budapest existirt und sein Produkt nach Dortmund gc- 1) Das Blatt — wir haben Nr. 8 in Händen — enthält außer einigen Artikelchen ein: Sammlung von Geschichten, in welchen Betrügereien von Juden gesammelt und erzählt werden. Wie viel davon erfunden ift, wissen wir nicht. Zum großen Theile sind sie harmloser Natur. Da wird auf halben Spalten berichtet, wie ein jüdischer Commis auf zudringliche Weise, aber erfolglos die Waarcn seines Prinzipals angepriesen, oder daß ein jüdischer Metzger einem Bauer 17 Pfund Fleisch für 5 Mark verkauft habe, ohne daß der Erzähler behauptet, das Fleisch sei schlecht gewesen u. dergl. mehr. Wenn ein jüdisches Blatt darauf ausginge, alle Mordthaten, Diebstähle, Cassendefraudationen, Fälschungen u. s. w. zu sammeln, die Tag für Tag in den Zeitungen berichtet werden, und an denen kein Jude Theil hat, was würde man dazu sagen, und welchen Raum würde das füllen?! . . Das Blättchen hat übrigens Redakteur, Verleger und Drucker in einer und derselben Person. 8apienti sat.

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