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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-11 · Heft 11 (11.3.1884) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 11 (11.3.1884)
Date
1884-03-11
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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— unb ebenso gewisse Uebertreibungen abschwächen; wie i z. B. Herr Levi die Reformation des 16. Jahrhunderts von; der größeren Kenntniß der Bibel ableitet, die durch die Emi-! gration der spanischen und portugiesischen Juden bewirkt worden sei! Allein dies sind doch nur Detailfehler, die der Trefflichkeit des Buches nur geringen Eintrag thun und leicht verbessert werden können. Im ganzen ist es eine der erfreulichsten und dankenswerthesten Erscheinungen in der gesammten von der sog. „Judenfrage" angeregten Literatur. M. P. Bonn, 11. Febr. Im Jahre 1876 erschien der Roman „Daniel Deronda" von George Eliot, der in England großes Aufsehen erregte, sofort in deutscher, allerdings äußerst mangelhafter Uebersetzung erschien und den wir in Nr. 51, Jahrg. 1876 ausführlich besprachen. Es ist dies ein Tendcnzroman eminentester Art, mit der Aufgabe, zu zeigen, daß das Judenthum und die Juden noch ein eigenes und kräftiges Leben haben, eine bedeutsame Zukunft haben können, jedenfalls in der Gegenwart noch eine tüchtige Energie eigenthümlicher .Kräfte besitzen. Die Berfafferin vermeidet jeden Conflict und jede Streitfrage zwischen Judenthum und Christenthum und theilt mit seltener Gerechtigkeit Licht und Schatten zwischen Juden und Christen aus. Gerade hierdurch erlangt der Roman, der sich besonders durch feine psychologische Beobachtung auszeichnet, trotz mancher ästhetischer Mängel und Einseitigkeit der Auffaffung, einen außergewöhnlichen, einen culturhistorischen Werth, und die Jahre, die nach seinem Erscheinen gekommen sind, haben diesen Werth noch erhöht. Damals wurde auch eine französische Ueberfetzuug angekündigt, die jedoch erst vor einem Jahre erschienen ist. Jetzt haben wir die Befriedigung, auch eine italienische Uebertragung vorliegen zu haben: Oiorgio Eliot. Daniel Deronda. Versione Dall’Inglese fatto col consenso dellAutriee. Con Prefazione e Xote dell’Avocato Cesaro Olivetti. (Koma, Perelli 1883. 3 Vol.) Die Uebersetzung ist, soweit uns ein Nrtheil zusieht, sehr gelungen, mit vielem Geiste und richtiger Auffaffung des Originals. Der Ueberfetzer hat eine höchst lescnswerthe Borrede gegeben, in welcher er zuerst eine Biographie der merkwürdigen Berfafferin und eine Skizzirung ihrer Werke darbietet und sich dann über die Geschichte und die Stellung des jüdischen Stammes ausspricht. Auch über den Antisemitismus spricht er sich verurteilend aus und bemerkt (p. XVII), daß in Italien ebenso wie in Frankreich, Holland und England die bürgerliche und religiöse Gleichheit nicht blos Gesetz, sondern eine sociale Gewohnheit geworden und meint, daß jener nur in einer nordischen Nebclatmosphäre gedeihen konnte. Schon diese erst nach fast einem Jahrzehent erschienenen französische und italienische Uebersetzungen beweisen den nachhaltigen Werth, den das Werk der verstorbenen Dichterin sich bewahrt. — In diesen Tagen wurde die 14. Lieferung (Oktober bis Dezember 1883) der Ouartalschrift: Revue des Etudes juives (Paris, Durlacher) ausgcgeben. Dieselbe enthält einen interessanten Artikel Von Salomon Rainach über eine in Smyrna aufgefundene griechische Inschrift, durch welche eine Jüdin Rusina den Besitz ihrer Familiengruft für sich, ihre Freigelaffenen und Sklaven sichert. Sie beweist die Existenz zahlreicher Juden in der Hauptstadt Joniens in den ersten drei Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung, während die gegenwärtige Gemeinde von Smyrna erst aus dem 17. Jahrhundert datirt. Es folgt der erste Theil eines „Versuches über die Geschichte der Juden von Medina" von Hartwig Hirschfeld. Die Juden von Medina haben dadurch eine große Wichtigkeit erlangt, als aus ihrem Vorhandensein, ihrer Geltung und Bildung vor und zur Zeit Mohameds der unmittelbare Einfluß derselben auf den Ursprung des Islam geschichtlich hervorgeht. Mohamed zog die Grundzüge seiner Lehre und des von ihm aufgestellten Gesetzes, sowie seine Kenntniß der biblischen Geschichten, da er selbst weder lesen noch schreiben konnte, unmittelbar aus dem Munde der Juden, und dies erweist sich auch dadurch, daß er die biblischen Geschichten mit Legenden verbrämt, von denen viele sich im Midrasch wiederfinden. Aus diesem Gesichtspunkte erachten wir es für angemeffen, die Resultate der Untersuchung des Herrn Hirschfeld in unserem Feuilleton zu skizziren. „Das Rabbinat von Metz während der französischen Periode (1567 bis 1871)" von A. Cahen wird bis zur Zeit des Sabbathai- Zewi - Schwindels (1666) fortgesetzt. Dann folgt der erste Artikel einer Abhandlung „die Juden in den französischen Staaten des Papstes während des Mittelalters" von de Maulde und die Fortsetzung der „Noten und Dokumente über die Juden Belgiens unter dem alten Regime" von E. Ouverleaux. Notizen und Bibliographie beschließen das Heft. Die Gesellschaft, welche diese Revue edirt, schreitet also rüstig auf dem eingeschlagenen Wege fort und liefert intereffante und wichtige Monographien für die Geschichte und Literatur der Juden. — Zur Spezialgeschichte der Berliner jüdischen Gemeinde hat jüngst L. Landshuth den ersten Theil eines Werkes erscheinen laffen, das sich mit der Lebensgeschichte berühmter jüdischer Männer in.Berlin beschäftigen soll. Da uns das Buch noch nicht zugekommen, geben wir Einiges aus einem Referat der „Boff. Ztg." Der vorliegende erste Theil giebt die Lebensbeschreibungen der Oberrabbiner von 1671 bis 1800, während der noch ausstehende andere Theil andere Männer von Namen bringen und mit dem Jahre 1871 abschließen soll. Der erste Theil ist vermuthlich wegen der vielen hebräischen Aktenstücke hebräisch geschrieben und verdiente wohl eine Uebersetzung, die der Berfaffer selbst am besten veranstalten kann, denn es wäre in der That zu bedauern, wenn die Arbeit, auf welche viele Jahre verwandt worden sind, nur einem kleinen Kreise zugänglich bliebe.

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