Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1884)
- Date
- 1884-03-11
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 Periode der Hexenprozesse, der Inquisition und der Religions-! kriege, diese mit der Zeit des Faustrechtes, der Souveränität der kleinen feudalen Dynasten und Raubritter, diese mit der Epoche der römischen Cäsaren, wo neben einer spitzfindigen Rechtscasuistik die Unterdrückung und Plünderung der Völker, das Denunziantenwesen und die Willkürherrschast wahnwitziger Despoten walteten, und weiter zurück: wir werden den Fortschritt der sittlichen Entwickelung nicht verkennen. Mag das Ringen der Volksseele zwischen den Ideen der Religionsfreiheit und des confessionellen Streites, den Ideen der persönlichen Freiheit und des socialistischen Despotismus, zwischen der Heilighaltung des Lebens und des Eigenthums, der Heilighaltung der Ehe und der Familie mit den rohen Trieben der Sitten- und Zuchtlosigkeit noch immer heftig und Tag zu Tag eingeschränkter und machtloser vor den civilisir» tcn Großmächten. Es sind keine Elemente mehr vorhanden, welche die allgemeine menschliche Cultur zu überwinden, ja nur zu gefährden vermöchten. Es kann deshalb immerhin stattfinden, daß diese oder jene Nation durch ihre staatliche und sittliche Entartung zum Niedergang, ja selbst zum Falle kommen kann. Aber die gesammte Menschheit ist vor einer solchen Gefahr geschützt. Diese Ueberzeugung wird uns die mißliebigsten Erscheinungen des Tages im rechten Lichte ihrer doch nur vorübergehenden Existenz anschauen lassen. Der Staatssocialismus und die mosaische Verfassung. Am 14. Febr. hielt das Mitglied des deutschen Reichsschwankend sein — die allgemeine Meinung, das allgemeine ^ages Dr. Max Hirsch in der „Wiener Juristischen Gesell- Bewußtsein, das sittliche Gefühl steht auf der Seite jener jschaft" über: „Staatssocialismus und corporative Organisa- und kämpst siegreich für dieselben und ihre Verwirklichung, tion" einen Vortrag, der in der Wiener „Gerichtshalle" Ja, dieses Ringen und Kämpfen selbst giebt den sichersten Beweis für die fortschreitende Entwickelung in der Menschheit ab. Selbst der zeitweise Rückgang, die Macht, welche Nr. 14 und 15 abgedruckt ist. Der Bortrag wurde mit vielem Beifall ausgenommen und zahlreiche Zuhörer beglückwünschten am Schluffe den Redner. In der That ist der das früher Bestandene gegen das Neugegründete ausübt, um! Bortrag in seiner Darstellung des modernen Staatssocialises wieder zurückzudrängen, schwankend zu machen oder gar, mus, wie er besonders in der neuesten Richtung der deutschen zu beseitigen, dient doch nur dazu, das Bedürfnis der Neu-!und preußischen Staatslenkung hervortritt, sowie in der Begestaltung recht lebhaft zu machen, und zuletzt dringt dies wie eine künstlich zurückgestaute Waffermaffe durch alle Dämme kämpfung deffelben, im Nachweise seiner Widersprüche mit sich selbst und in seiner Schädlichkeit gegen die ganze gesellhindurch. Wohl aber die sichtbarste Bürgschaft für diese j schastliche und individuelle Entwickelung ganz meisterhaft, klar, Entwickelung ist die wachsende Solidarität aller Menschen-, besonnen, leidenschaftslos und scharfsichtig. Führen wir auch Völker. Nicht blos die beständige Steigerung in der äußer-! an, daß der Redner durchaus nicht Anstand nahm, die antilichen Verbindung aller Erdtheile, sondern die immer innigere > semitische Allüre des Prof. Wagner, des Hauptherolds des Verschmelzung der geistigen und materiellen Jntereffen läßt j neuen Bolksbeglückungssystems, zu geißeln. Ein Hauptkapitel einen Stillstand nicht zu. Der Austausch alles deffen, was! des genannten Gelehrten ist „die Schilderung von der Nothder nimmer rastende Menschengeist erzeugt und erforscht, läßt j läge der Arbeiter im Gegensätze zu der kolossalen Bereicheeine Jsolirung irgend einer großen Nation nur zu deren rung zumal der jüdischen Unternehmer". Diesen oft überempfindlichen Schädigung ausfallen, daß sie sich in ihrer triebcnen Schilderungen gegenüber weiß Wagner „kaum eine Selbftbeschränkung nicht lange zu erhalten vermag. Die Ber- Andeutung, geschweige denn bestimmte Vorschläge zu machen, schränkung und Jneinandergliederung der materiellen Interdaß und wie der große Helfer Staat es ändern soll", wie essen bringt es nicht allein zu Wege, daß ein großer Verdenn auch in den bisherigen wirthschaftlichen Anstalten des lust, eine gefährliche Krise bei dem einen Volke auch die In- Staates, die gegenwärtig bereits einen so großen Umfang getereffen aller anderen benachtheiligt, sondern daß selbst die Wonnen, nicht der geringste Versuch gemacht worden, die Ber- Eifersucht, die Rivalität zwischen den einzelnen Nationen und hältnisse der Arbeiter zu ändern. Der Redner fährt hier Staaten einen immer wirksamen Anreiz zum Fortschritt, zur fort: „Beiläufig bemerkt, ist mir in meiner langen und um- Anstrengung aller vorhandenen Kräfte ausübt. — Ein nicht fassenden und, wie ich versichern kann, unparteiischen Beminder bedeutsames Symptom erscheint uns darin zu liegen, obachtung nicht bekannt geworden, daß die Arbeiter es bei den daß die allgemeine Civilisation eine solche Herrschaft über jüdischen Arbeitgebern schlechter haben, als bei den christlichen; alle Glieder des Menschengeschlechtes erlangt hat, daß eine in Gegenden, wo die größte Ausbeutung herrscht, wie in Umwälzung, wie sie die Völkerwanderung gebracht, den völ- Sachsen und Thüringen, giebt es fast keine jüdischen Fabriligen Sturz der ganzen antiken Cultur vor der Naturgewalt kanten und die Arbeiter selbst, allen Richtungen angehörig der einbrechenden barbarischen Völkerstämme, sich nicht wiederholen könnte. Denn was an solchen rohen Völkerschaften im haben wiederholt in großen Versammlungen erklärt, daß im Durchschnitt die jüdischen Arbeitgeber humaner sind als die Innern Asiens und Afrikas noch vorhanden ist, wird von Christen. Nirgends ist daher der konfessionelle Unterschied ii*