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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-03-04 · Heft 10 (4.3.1884) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 10 (4.3.1884)
Date
1884-03-04
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 48. Congreß, 1. Session. Congreß der Vereinigten Staaten. Im Hause der Repräsentanten. 9. Januar 1884. Herr Ochiltree stellte folgenden Antrag, der zur Anmöchten wohl denjenigen sehen, der in der Aufforderung des Manifestes und deren Consequenz nicht gerade das erblicken mußte, was Herr Herman abweist. Und was bezweckte denn nähme gelangte: Beschlossen, daß dies Haus mit tiefem Bej das Manifest? Herr Herman giebt uns darüber einen ganz dauern den Tod des ausgezeichneten deutschen Staatsmannes! neuen Aufschluß, von dem man im Manifeste gar nichts er- Eduard Lasker vernommen hat; daß sein Verlust nicht allein von dem Volke seines Heimathlandes zu beklagen ist, wo seine feste und beständige Entwickelung freier und liberaler Ideen die sociale, politische und wirthschaftliche Lage jenes Volkes wesentlich gefördert hat, sondern auch von allen denen in der Welt, welche die Freiheit lieben; daß eine Abfahren hatte. Die Partei wolle nur die Judenheit in Ungarn zu einer „recipirten Confession" machen, was sie noch nicht sei, und dazu bedürfe es einer conformen Confession, einer Codifikation der Glaubensartikel, und hierzu sei ja das, was ich über diesen Gegenstand in meinem Sendschreiben gesagt, durchaus geeignet. Zwar bringe eine derartige Codificirung schrift dieser Beschlüsse sowohl der Familie des Verstorbenen, immer eine bedeutende Beschränkung der Freiheit mit sich. übermittelt werde, äls auch dem Gesandten der Vereinigten Staaten in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, damit Letzerer davon auf dem ordnungsmäßigen Wege dem Vorsitzenden des gesetzgebenden Körpers, dem der Verstorbene aber sie sei doch unter Umständen nützlich. Im Grunde meint der Verf. der Antwort damit nichts weiter, als daß die ungarische Judenheit durch Vertreter eine Manifestation über den Glaubensinhalt des Judenthums machen sollte, woangehörte, Kenntniß gebe. Beglaubigt: (gez.) B. Clark, Secr. von er sich auch auf die antisemitische Bewegung einen guten Dies die Aktenstücke, die nun der allgemeinen Beur- Erfolg verspricht. Dies wäre allerdings eine Sache, welche theilung unterbreitet sind. j die ungarischen Juden allein zu erwägen hätten. Aber ist Jndeß scheint diese Angelegenheit hiermit noch nicht zu in dem Manifeste von der zu erringenden Reception auch Ende zu sein; denn von Washington wird unter dem 19^ nur mit einem Worte die Rede gewesen? Eine Codifikation Februar Folgendes telegraphirt. „In der Repräsentantender Glaubenswahrheiten des Judenthums ist bereits in vielen kammer wurde eine Resolution eingebracht, welche die An-! Hunderten von Lehrbüchern und Katechismen, die in sehr zahlfrage an den Staatssecretair Freelinghuysen enthält, ob be-! reichen Auflagen verbreitet und allgemein anerkannt sind, gegeben, trefis der Beileidsadresie der Kammer anläßlich des Todes! Aber eine Wirkung auf die Antisemiten ist von solchen Kund - Laskers ein Schreiben vom deutschen Auswärtigen Amte I gedungen nicht zu erwarten. Sie werden ihre alte Fabel von eingegangen sei." Wir haben nun das Weitere abzuwarten. Eine Antwort auf unser „Sendschreiben". Der „Pester Lloyd" vom 14. Febr. bringt eine „Offene Antwort" an uns, verfaßt vom Reichstags-Abgeordneten Otto Herman. Dieselbe ist in sehr würdigem, durchaus angemessenem Tone geschrieben, wie wir ihn jeder Polemik wünschen. Jndeß können wir nicht anders als bemerken, daß sie keine einzige Widerlegung unseres Sendschreibens enthält, sondern nur Entschuldigungen. Sie beginnt mit einer solchen, wenn nicht die Partei, sondern nur er als einzelnes Mitglied antworte, weil eine Partei nur auf „eingereichte Anträge oder Aufforderungen" antworten könne, er aber jenen Theil des Manifestes, welcher die „Judenfrage" behandelt, abgefaßt habe. Wir bezweifeln dies nicht, denn dieser Theil stimmt völlig mit den Reden überein, die Herr Herman im Abgeordnetenhause über diesen Gegenstand gehalten und worin er sich eben eingebannt hat. Er entschuldigt ferner die Partei, daß ihr „nichts ferner stand, als Dogmen, Glaubenssätze, Riten auch nur einer Kritik unterwerfen zu wollen, vielweniger deren Reform oder Aufgcben zu fordern." Wir! „geheimen Glaubensartikeln " der Juden nur mit desto größerer l Heftigkeit erneuern, und in der blöden Menge, zu welcher auch! zahlreiche Individuen aus der sog. gebildeten Klasse gehören, Glauben finden — obschon die Existenz solcher Geheimnisse von allen Juden, namentlich auch von so vielen wissenschaftlichen Männern, denen die Erforschung und Bekräftigung der Wahrheit Lebenselement ist, geleugnet wird. Herr Herman muß es uns verzeihen, wenn wir alles dies nur für eine Entschuldigung, nicht aber für eine Rechtfertigung erachten können. — Er meint ferner, daß ich in dem Jrrthum befangen sei, mit der Emancipation sei Alles gelöst. In Ungarn seien aber hinsichtlich der Juden „Confession. Reception, Kirchengemeinde und Schule noch ungelöst." Wir erwidern: Mit der Gleichstellung sind die betr. Staatsangehörigen gleich den übrigen den allgemeinen Gesetzen des Staates unterworfen. Besieht nun in Ungarn kein Schulgesetz? so machet ein solches und nicht ein specielles für die Juden. Bedürfen die Juden eines Gemeindegesetzes? so machet ein solches, wie es in allen civilisirten Staaten vorhanden ist. Warum stellt die Unabhängigkeitspariei keine formulirten Anträge darauf? Eine „Judenfrage" ist dies alles nicht, sondern nur die Frage um ein Gemeinde- und Schulgesetz. Das Manifest verdient aber den herben Tadel, den es gefunden, wenn es immer wieder von einer „Judenfrage" spricht, wo nach den Er-

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