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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-26 · Heft 9 (26.2.1884) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 9 (26.2.1884)
Date
1884-02-26
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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140 Haupt eine Gemeinde hier am Orte besteht. Seiner eifrigen Mühewaltung, seiner hingebenden Arbeit für das Gemeinwohl ist es gelungen, binnen vier Monaten einen Senatsbeschluß vom 14. März 1836 zu erwirken, wonach den Schlock'schen Juden Handelsscheine ertheilt werden sollten, so daß sie fortan ungehindert ihrem Gewerbe in Riga nachgehen durften. Das Passahfest., zu welchem der Verblichene selbst diesen Entscheid aus der Residenzstadt heimbrachte, wurde von den Zeitgenossen als Doppelfeier der Befreiung begangen. Nicht länger sollten sie der Willkür preisgegeben, von dem Belieben, der Gunst oder Abgunst der jeweiligen Machthaber abhängig sein. Jener Senatsbeschluß wurde die Grundlage für das Niederlaffungsrecht der Juden in Riga, die nicht mehr unter den ewigen Plackereien leiden und fortwährend mit Ausweisung bedroht werden sollten. Jndeß ruhten die mächtigen Gegner nicht; klirrend fiel die wuchtige Waffe des Neides und des Mißwollens in die Wagschale. Man setzte alle Hebel an, nicht allein um den Juden den errungenen Vortheil streitig zu machen, sondern auch ihre völlige Vertreibung aus dem Weichbilde der Stadt herbeizuführen. Da bewährte sich wieder das alte Wort, das die Geschichte unseres Volkes uns immer wieder von neuem so lebendig vor die Seele führt: „Hattet ihr Schlimmes wider mich im Sinne, Gott hat es zum Guten gewandt." Der edle Mann, den wir hier auf seinem letzten Gange begleiten, blieb nicht auf halbem Wege stehen. Achtlos der persönlichen Gefahr, nahm er den angebotenen Kampf auf und focht ihn ehrenvoll durch mit selbstloser Hingebung. Der Herr war mit ihm, und seine Bemühungen wurden durch den schönsten Erfolg gekrönt. Infolge seiner vor dem Senate niedergelegten Erklärung gelangte die Angelegenheit vor den Reichsrath , und hier fand sie in den damals erflossenen vier Punkten eine so befriedigende Erledigung, daß sie nicht bloß zu Gunsten der alten jüdischen Einwohner, sondern auch der auswärtigen ausfiel. War der Edle auf solche Weise der eigentliche Begründer der hiesigen israelitischen Gemeinde, ihr Wohlthäter hinsichtlich ihrer äußeren Stellung, so trug er auch viel zu ihrem innern Ausbau bei. Mit richtigem Blicke erkannte er, daß der Bestand der Gemeinde erst gesichert erscheinen dürfe, wenn die geistigen Interessen in den Vordergrund gestellt würden. In dieser Richtung galt nun auch seine Bemühung um die Gemeindeschule, deren Mitbegründer er vor 45 Jahren ward. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehörte die allerhöchste Bestätigung derselben, die er durch Vermittelung des Kultusministers Uwarow erwirkte." — Mit Recht konnte der Redner fortfahren: „So hat sich der Verklärte ein unvergängliches Blatt in der Geschichte unserer Gemeinde beschrieben und ein Denkmal errichtet, dauernder denn Erz und Stein!" Turek, 15. Febr. (Privatmitth.) Wir müssen es dankbar anerkennen, daß gegenwärtig die russischen Sicherheitsbehörden aller Orten, wo Excesse gegen die Juden ausbrechen wollen, mit Energie eingreifen, den Pöbel zur Ruhe bringen und die Uebelthäter verhaften und vor das Strafgericht stellen. So jüngst in Weis-Feld (Gouv. Kijow), Woronez (Gouv. Glochow), Lodz u. a. O. An allen diesen Plätzen waren es fremde, namentlich deutsche Hetzer, welche den Pöbel aufreizten und zu Plünderungen und Mißhandlungen der Juden anleiteten. An manchen Orten findet Arbeitslosigkeit statt als die eigentliche Ursache der Excesse, und es ist daher löblich, wenn, wie in Lodz, die jüdischen Fabrikanten Komstadt und Posnanski die Zahl der Arbeiter in ihren Fabriken vermehren und durch Anlegung von Volksküchen für deren Ernährung sorgen. Hoffen wir, daß sich durch diese Maßregeln der Regierung die Unruhen nicht wieder erneuern. M. F. Aus Rußland, 17. Jan. (Privatmitth.) Die jüdischruss. Zeitschrift „Woschod" weiß einige Details über eine diesjährige Generalversammlung mitzutheilen, welche am 26. Dec. a. St. vom „Verein zur Verbreitung von Bildung unter den russ. Juden" abgehalten wurde. Die Versammlung war äußerst wenig besucht und sogar einige Mitglieder des Ausschusses glänzten durch ihre Abwesenheit. Die materielle Lage des Vereins kann kaum als eine glänzende betrachtet werden: alljährlich erweist sich beim Cassenabschluß ein immer größeres Deficit. Uebrigens kann dies nur in Betreff der allgemeinen, so zu sagen der centralen Wirkung gelten, was dagegen die sogen, „speciellen Fonds" anbetrifft, so können dieselben keineswegs als unbedeutend angesehen werden. In einigen großen Städten mit bedeutender jüdischer Bevölkerung haben sich Filiale des Vereines gebildet, welche ein und dasselbe Ziel wie der Verein verfolgend, die von ihnen gesammelten Summen jedoch auf ihre örtlichen speciellen Bedürfnisse, vorzüglich zur Unterstützung der unbemittelten Studirenden verausgaben. In dieser Hinsicht hat der Verein eine ungemein große Bedeutung, und nicht umsonst drückte die Versammlung dem Cassirer des Vereins, Herrn L. Rosenthal, ihre Anerkennung für dessen 20 jährige eifrige Thätigkeit auf diesem Gebiete aus. — Seit Beginn des vor. Jahres existirt auch in Mitte des Vereines ein Fonds, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die gewesenen Lehrer der gegenwärtig geschlossenen Kronschulen möglichst zu unterstützen, was in der That eine höchst wichtige, wahrhaft heilige Sache ist. Denn während die Lehrer in den allgemeinen Lehranstalten, nach Ablauf einer bestimmten Dienstfrist, eine größere oder geringere Pension erhalten, bilden die Juden auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme, da Lehrer jüdischer Confession nach einer 25—30jährigen Dienstthätigkeit gänzlich ihrem Geschicke überlaffen sind, und viele derselben buchstäblich vor Hunger umkommen müssen. Der gen. Verein ergriff in Folge dessen die edle Initiative, diesen Armen und

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