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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-26 · Heft 9 (26.2.1884) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 9 (26.2.1884)
Date
1884-02-26
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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»**?**■ ■ »v uVi-^tt* 135 wir nicht zu beurtheilen, wenn es auch Jedem einleuchten wird, daß die bereits etwas unfreundlich gewordenen Beziehungen zwischen Nordamerika und Deutschland dadurch nicht gebessert werden. Der nordamerikanische Congreß wird jedenfalls diese Zurücksendung seiner Beileidsadresse als eine über ihn geübte Kritik, als eine schwere llnhöflichkeit ansehen müssen. Andrerseits aber erfährt das Andenken Laskers hierdurch keine Abschwächung. Die Thatsache, daß der Congreß der Vereinigten Staaten sich veranlaßt sah, seine Theilnahme an dem Hinscheiden Laskers dem deutschen Reichstage auszudrücken, bleibt bestehen, und die Beweise der Trauer seitens Deutschlands sind durch Die Feierlichkeiten in Bremerhaven und in Berlin ebenso thatsächlich constatirt. Das Uebrige überlassen wir der Geschichte, die ihr Urtheil unparteiisch abgeben wird, ein Urtheil, dem auch die höchstgestellten Personen unterworfen sind. — Eine Eigenthümlichkeit Berlins, die sich selbst in anderen großen Städten nicht wiederfindet, ist die Häufigkeit der Mischehen zwischen allen Confessionen. Wir haben „die! Bewegung der Bevölkerung Berlins im Jahre 1883" vor uns und entnehmen folgende Notizen aus diesem Bericht:! Eheschließungen fanden in diesem Jahre 12,252 statt. Von den heirathenden Männern waren 10 704 evangelischer, 1106 katholischer, 31 dissidentischer, 410 jüdischer Confession: von den Frauen 10 932 evangelisch, 899 katholisch, 18 dissidentisch, 403 jüdisch. — Ehen von Heirathenden gleicher Confession wurden von 10 031 evangelischen, 272 katholischen, 7 dissidentischen, 353 jüdischen Paaren geschlossen und es heiratheten innerhalb ihrer Confession 93.7 pCt. evangelische Männer, 91,8 pCt. evangelische Frauen, 24.7 pCt. katholische Männer, 30,4 pCt. katholische Frauen, 22,6 pCt. dissidentische Männer, 38,9 pCt. dissidentische Frauen, 85,9 pCt. jüdische Männer, 87,6 pCt. jüdische Frauen. — Mischehen wurden 1588 (1882: 1620) geschlossen und zwar 620 evangelisch-katholische, 9 evangelisch-dissideiltische, 44 evangelisch-jüdische, 827 katholisch-evangelische, 1 katholisch-dissidentische, 5 katholisch-jüdische, 21 dissidentischevangelische, 3 dissidentisch-katholische, 1 dissidentisch-jüdische; 53 jüdisch-evangelische, 3 jüdisch-katholische, 1 jüdisch-dissidentische. In den Provinzen finden Mischehen, namentlich zwischen Juden und Christen auch nicht in annäherndem Maße wie in Berlin statt. Interessanter noch wäre, wenn die statistische Angabe über die religiöse Erziehung der Kinder beschafft werden könnte. Leipzig, im Febr. Das „Leipz. Tagebl." erhält von dem Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: In Rücksicht auf eine Anzahl in der Leipziger Kreishauptmannschaft vorhandener Mischehen hat die Vertretung der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde in ihrer jüngsten Sitzung sich mit der Frage beschäftigt: „ob es zulässig sei, nichtjüdische Leichen auf jüdischem Friedhofe zu bestatten, falls ein dahingehender motivirter Wunsch an den Gemeindevorstand gelangt." Es wurde diese Frage bejahend beantwortet, und zwar auf Grund rabbinischer Gutachten. Hannover, im Febr. (Privatmitth.) Bei den bestehenden oder zu errichtenden jüdischen Seminaren oder „Lehrer- Bildungs - Anstalten" ist stets eine Hauptfrage, in wieweit Mittel vorhanden sind, die Zöglinge derselben zu erhalten oder wenigstens zu unterstützen. Denn da sich der jüdische Elementarlehrer-Stand zumeist aus der unbemittelten Klaffe rekrutirt, so wäre es für die große Mehrzahl der Zöglinge geradezu unmöglich, während ihrer Schulzeit zu existiren. In alter Zeit erhielten sie sich kümmerlich durch den Wandertisch, den ihnen die jüdischen Familien zu gewähren bereit waren. Dies hat aufgehört und, wenn anderweitig für die Zöglinge gesorgt wird, zum großen Bortheile derselben. Aber wir sind auch hier auf die Wohlthätigkeit der Glaubensgenossen angewiesen, da der Staat zwar einigen der bestehenden jüdischen Seminare für ihre Erhaltung einen Zuschuß giebt, aber für deren Schüler nichts übrig hat. Aber auch hier rechnet man nicht umsonst auf die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen. So hat sich auch hier ein „Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer" gebildet und soeben seinen vierten Jahresbericht vom 1. Oktober 1882 bis 30. September 1883 ausgegeben. Der Verein hat es sich angelegen sein lassen, ein Internat für! die Schüler herzustellen, um sie gemeinsam zu versorgen, zu i beköstigen und zu beaufsichtigen. In diesem Internat sind! jetzt 18 Schüler vereinigt und strebt der Verein nach den I Mitteln, dasselbe immerfort zu erweitern. Inzwischen hat! er noch 15 andere Schüler in Pension gegeben und 10 Schüler mit möglichst ausreichenden Beihülfen versehen, so; daß er also gegenwärtig die ansehnliche Zahl von 43 Schüj lern versorgt. Die Einnahmen des Vereins im abgeflossenen j Jahre betrugen 14,693 Mk., von denen 3082 Mk. in Capij talien belegt sind, der Rest für die Erhaltung der Schüler j und andere Kosten verausgabt wurden. Mögen die Männer, | die sich dieser segensreichen Veranstaltung mit so vielem Eifer widmen, ihren Lohn in ihren Erfolgen und in dem blühenden Fortbestand derselben finden! Wir sagen „segensreich" denn der Verein ermöglicht nicht nur so vielen jungen Leuten , ihr Lebensziel zu erreichen, sondern er sorgt hiermit zugleich für die Zukunft der ganzen jüdischen Jugend, der er tüchtige Lehrer ausbilden hilft. Könitz, 14. Febr. Der Vorsitzende der hier am 25. d. Mts. beginnenden Schwurgerichtsperiode, Landgerichtsrath Arndt aus Danzig, hat den Beginn der Verhandlung des Neustettiner Synagogenbrand es auf den 29. Februarfestgesetzt.

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