Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1884)
- Date
- 1884-02-26
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227511--41527-3310003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 die Bemerkung machte, daß diese Verschmelzung in der Weise, wenn wir den einen Theil, der sich eben mit uns amalgamisiren soll, verfolgen, nicht zu erzielen sein werde, — der Herr Abgeordnete Helfy sagte gleichwohl: Er fordere und er halte die Regierung auch ohne besonderes Gesetz für berechtigt, durchzusetzen, daß die Unterrichtssprache in jeder israelitischen Schule nur die ungarische sein könne. Und womit motivirte er diese seine Forderung? Damit: daß die Judenschaft keine Nationalität, sondern nur eine Confession sei. Es ist wahr: die Judenschaft ist keine Nationalität, sondern nur eine Confession; aber eben deshalb weil sie eine Confession sind, giebt es ungarische Juden, deutsche Juden, vom 9. Febr. bitter über das „Manifest" jener sogenannten „äußersten Linken" aus. Sie sagt unter Anderem: „Wir ersehen aus demselben zweierlei. Einmal daß die angeblich radikale Partei vor den Fortschritten des Antisemitismus sich fürchtet und mit ihm zu unterhandeln ansängt. Dann aber, daß die „unabhängige" Opposition auch bei dieser Gelegenheit im Trüben fischen möchte." „Die Beschuldigungen, welche die „Unabhängigen" gegen Juden erheben und die Forderungen, die sie an dieselben stellen, lasten darüber keinen Zweifel aufkommen, daß die äußerste Linke vom Antisemitismus angekränkelt ist, und zwar von dem Antisemitismus niedrigster und widrigster Gattung. französische Juden. Vom Nationalitäten-Gesichtspunkte unter- Denn das Verlangen, daß die Juden ihre Glaubensartikel stehen sie also den nämlichen Normen wie die in diesem I veröffentlichen und ihre mit dem Zeitalter und der gegen- Vaterlande lebenden deutschen Christen oder einer anderen j wattigen Gesellschaft nicht mehr verträglichen Gepflogenheiten Nationalität angehörenden Christen. (Zustimmung rechts.)! abstellen sollen, geht von der Voraussetzung aus, daß gewiste Wenn wir ihnen gegenüber gleichmäßig Vorgehen wollen, j jüdische Glaubensartikel existiren, die geheim zu halten die dürfen wir auch in diesem Betracht keine Ausnahme machen, j Juden Ursache haben. Auf dieser Voraussetzung eben basirt (Zustimmung rechts.) Das bedeutet keineswegs, daß man! aber auch der Glaube an den „rituellen Mord": und diesem nicht dahin wirken müsse, daß die hier in Rede stehenden > gehässigen und folgenschweren Irrwahn kommt das Manifest, Bürger des Landes sich magyarisiren. Dies ist nothwendig j das an anderer Stelle sich in pharisäischer Weise gegen den und soweit die Regierung in dieser Hinsicht aufmunternd; offenen Antisemitismus verwahrt, entgegen. Alle die schönen wirken kann, thut sie es auch; doch wird auch der Herr Abj Sieben, welche von Seiten der äußersten Linken zu Gunsten geordnete Helfy nicht in Zweifel ziehen, daß hierzu unter > der Juden in den letzten Tagen gehalten wurden, fallen nicht allen im Lande wohnhaften nichtungarischen Bolksstämmen > in's Gewicht gegen die Thatsache, daß die Partei in ihrem bei den Juden sich die meiste Neigung zeigt; sie zeigen in! officiellen Programme dem schändlichsten Aberglauben Bordieser Hinsicht die meisten Fortschritte, sowohl in den größeren schub leistet. Das heißt in frevler Weise mit dem Feuer Städten als in jenen Gegenden, wo die Bevölkerung im Allspielen und wenn es künftig in Ungarn wieder zu Judengemeinen ungarisch ist. (Wahr ist's!)" — krawallen kommen sollte, wird man die Herren von der äußer- Im Angesicht solcher Eingeständnisse wird die Geschichte sten Linken mit dafür verantwortlich machen müssen." mit den gegenwärtigen Führern der Magyaren scharf in's^ „Damit, schließt der Artikel, daß sie die „Judenfrage" Gericht gehen! Wir haben in unserem „Offenen Sendschreiben1 plötzlich aufwirft und dem rohesten Antisemitismus weitan die ungarische Unabhängigkeitspartei" die möglichste ob-!gehende Zugeständnisse macht, hat sie dem Lande und sich jektive Ruhe zu bewahren gesucht, um die Gemüther nicht! selbst einen schlechten Dienst erwiesen. Dem Lande, indem noch mehr zu erhitzen, sondern vernünftiger Einsicht zugängj sie den Brand, den gewissenlose Hetzer entfacht, schüren hilft, lich zu machen. Anderwärts wird natürlich weniger Reserve > sich selbst, indem sie dadurch beweist, daß ihr Liberalismus beobachtet. So läßt sich ein Leitartikel der „Franks. Zeitz." I auf gebrechlichen Füßen steht." %qa)C\aa^<^v\<xc Deutschland. Berlin, 14. Febr. Die „Köln. Z." meldet: „Zu Anfang voriger Woche hatte der hiesige amerikanische Gesandte, Herr Sargent, unserm Auswärtigen Amt die Beschlüsse zugestellt, welche das Repräsentantenhaus der Bereinigten Staaten in Washington zu Ehren des verstorbenen Abgeordneten Lasker angenommen hatte. Der Herr Reichskanzler hat jedoch, statt, wie jedenfalls erwartet worden, diese Beschlüsse dem deutschen Reichstage zu übermitteln, sie an den Gesandten v. Eisendecher mit dem Aufträge zurückgehen lassen, sie dem Washingtoner Auswärtigen Amt zur Rückgabe au das dortige Repräsentantenhaus auszuhändigen. Der Abg. Lasker, so soll die Begründung lauten, habe hier durchaus nicht eine so i hohe Stellung eingenommen, daß ein derartiges ihn aus-! zeichnendes Dazwischentreten des Reichskanzlers angezeigt er-! scheine." — Welche Bedeutung und Wirkung dieser Akt vom j diplomatischen und internationalen Standpunkt hat, vermögen