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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-19 · Heft 8 (19.2.1884) · p. Seite 123

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 8 (19.2.1884)
Date
1884-02-19
Page
Seite 123 (sequence 11)
Language
German
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123 neugewonnener Beweismomente die Wiederaufnahme des Proj Wahlen als Motiv im Vordergrund. Ter einzige Redner, ceffes verlangen werde. Nun, wir können es abwarten. Iber sich einer unparteiischen Würdigung befleißigte, war der Pest, 6. Febr. (Privatmitth.) In Angelegenheit der inOAbg. Pulßky. Er sagte: Außer Herrn Jranyi haben Dievorigen Sommer in Oedenburg vorgefallenen Judenkrawalle fand gestern die Schlußverhandlung vor dem Oedenburger' Gerichtshöfe statt. Bon den 13 Angeklagten wurden verj urtheilt: 1 wegen Verbrechens der Gewaltthätigkeit und Dieb-! stahls zu 8 Monaten und 1 wegen Gewaltthätigkeit zu ü! Monaten Kerker, 3 zu je 4, 4 zu je 3, 2 zu je 2 Mona-! ten Gefängniß; einer kam mit 7 Tagen Arrest davon. Sämmt-! liche Berurtheilten nahmen die Strafe an, auch der Staats-1 anwalt gab sich mit dem Urtheil zufrieden.! Das in Preßburg herausgegebene antisemitische Blatt „Pozsony" hat zu erscheinen aufgehört. Pest, 6. Febr. (Privatmitth.) Am 31. Januar begann das ungarische Abgeordnetenhaus abermals eine Reihe von Sitzungen, in welchen schon wiederum gewaltig viel in Antisemitismus gemacht wurde. Es ist uns nicht mehr möglich, alle diese sich doch nur immer wiederholenden Reden auch nur zu skizziren, und wäre dies auch eine bloße Raumverschwendung, da Neues doch nicht zum Borschein kommt. Das Oberhaus hatte das Mischehegesetz zum zweiten Male, und zwar mit 9 Stimmen Mehrheit verworfen, und so mußte es noch einmal auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses erscheinen. Unterdeß hatte aber das Ministerium beschlossen, die Segel vor dieser Majorität des Oberhauses zu streichen, wahrscheinlich um die Aufregung im Lande nicht! noch zu mehren. Der Ministerpräsident Tißa trug deshalb! darauf an: „Das Haus wolle protokollarisch beschließen, daß! es, von einem weiteren Nuntienwechsel keinen Erfolg erwar-! tend, den vom Oberhause wiederholt abgelehnten Gesetzent-! Wurf an daffelbe zurückzu senden und es zur Annahme des Gesetzentwurfes auszufordern nicht wünsche; da es aber überzeugt ist, daß die Lösung der demzufolge in Schwebe gebliebenen Fragen nothwendig sei, erwartet es von der Re-! gierung, daß diese in einer hierzu geeigneten Zeit einen diesem Zwecke entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt werde." Bei der Abstimmung erhielt der ministerielle Antrag eine Majorität von 171 Stimmen, gegen 131. Der Gesetzentwurf ist also beseitigt. Bei der Debatte am ersten Tage nahmen die Antisemiten, der Geistliche Herits, Jstoczy und Otto Her man die Gelegenheit wahr, ihre Galle wieder über die Juden auszuschütten; Otto Herman im Sinne des Manifestes der Unabhängigkeitspartei, wenn auch mit noch viel gehässigeren Phrasen verbrämt als dieses Manifest vorträgt. Es ist merkwürdig, wie ein Abgeordneter mit größter Kaltblütigkeit seine völlige Unkenntniß des Gegenstandes zur Schau trägt, und sich doch zum Richter aufwirft, ja in keiner Weise sich belehren läßt, um nur seinem verkappten Antisemitismus zu genügen. Natürlich stehen dabei die nahen jenigen, die motiviren wollten, warum sie den ministeriellen Antrag nicht annehmen, das aus zwei Gesichtspunkten gethan. Sie haben uachgewiesen, daß sie mit dem Oberhause übereinstimmen und begründeten hierbei ihr Votum von einem Gesichtspunkte, der mit der vorliegenden Frage gar nicht zusammenhängt. Denn ob ich nun jene Lehren des offenen Antisemitismus in Betracht ziehe, welche Herr Fstoczy da verkündet hat, oder die Lehren des verkappten Antisemitismus, die Herr Herman (Lebhafte Zustimmung rechts, Unruhe auf der äußersten Linken), ich wiederhole, die Lehren I des verkappten Antisemitismus, die Herr Herman (So ist's! j rechts, Bewegung) verkündet und die aus die gleichzeitige I Kaptation der antisemitischen und jüdischen Stimmen berech- I net waren, ich kann mich diesen Motiven nicht anschließen. I Redner begründet nun, warum er den ministeriellen Anj trag nicht annehmeu könne. Diejenigen, die die Vorlage im j Abgeordnetenhause annahmen, thaten dies in dem guten Glauben, daß dieselbe der erste Schritt zur Regelung des i Eherechts sein werde, während die Regierung im Oberhause! erklärte, daß die Vorlage ein Palliativmittel sei, berufen, um weiteren Schritten nach dieser Richtung vorzubeugen. Seitens des Ministerpräsidenten allein haben wir zweierlei Kommentare gehört und zweierlei Vorgehen beobachtet. Ministerpräsident Koloman Tißa: Niemals! August Pulßky: Hier erklärte der Herr Ministerpräsident, die Vorlage sei bloß der erste Schritt zur Einführung der Civilehe und im Oberhause sagte er, wenn mau die Vorlage einsarge, werde aus dem Sarge die obligatorische Civilehe emporsteigen. Redner motivirt nun eingehend, warum er bloß den ersten Theil des ministeriellen Antrages annehmeu könne und macht dann der Regierung den Vorwurf, das Anwachsen des! Antisemitismus mitverschuldet zu haben. Jahre lang duldete die Regierung, daß der Antisemitismus hier gepredigt -werde (So ist's! links); sie duldete dies in ihrem Kreise, bis Isich das Kontaginm allmählich in weitere Kreise verbreitete.! Warum siel es dem Herrn Ministerpräsidenten nicht ein, Herrn Jstoczy und Anderen gegenüber, die dessen Standpunkt theilen, auseinanderzusetzen, daß eine Judenfrage in . dem Sinne, in dem man sie auswirft, überhaupt nicht existirt, daß jede wie immer geartete Aufwerfung der Juden i frage nichts Anderes ist, als die Fortsetzung jener Vorurtheile und als die Erneuerung jenes Standpunktes, der immer ganze Körperschaften und geschlossene Kreise vor sich sah, der für jedes Nebel, das von einem Einzelnen ausging, |bie Masse und eine ganze Klaffe verantwortlich machte, der j nicht nach den von einzelnen Juden oder Christen verübten

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