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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-19 · Heft 8 (19.2.1884) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 8 (19.2.1884)
Date
1884-02-19
Page
Seite 124 (sequence 12)
Language
German
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H JL24_ Unbilden fahndet, sondern die Schuld stets der ganzen Kon-j Schulchan Aruch sei in einer deutschen Uebersetzung zu lesen, fession beimißt und das Judenthum mit dem Einzelnen iden- ‘ und er habe nichts darin gefunden, was dem modernen tifizirt. Und diese Auffassung sehen wir heute sich in Kreij Staate zuwider sei. Ob ein Jude die minutiösen Borschrifsen verbreiten, wo ganz andere Schlagworte üblich sind, i ten des Sch. A. beobachte oder nicht, könne dem Staate Schlagworte, die sich baß verwundern, daß sie, die noch nie j völlig gleich sein. Jenes Manifest sei nur für die Wahlen in einer Gesellschaft beisammen waren, sich so eng zusammenberechnet und deshalb einer ernsten Partei unwürdig. Ihm finden und durch deren Konfundirung jede gesunde Partei-j folgt Helfy. Wir bemerken aus seiner Rede folgende Stelle: gestaltung unmöglich wird. [ „Ich erinnere mich — als vor 8 bis 10 Jahren die Wenn die Regierung die fragliche Borlage als Mittel : Radialstraße tracirt war, aber noch von Leere starrte, da gegen den Antisemitismus benützen wollte, so ging sie wie! wandten sich die Blätter an die hauptstädtischen Juden mit ein Arzt vor , der einem Patienten, der über Fußschmerzen; der Aufforderung, sie mögen jetzt beweisen, daß sie Anhängklagt, ganz einfach am Fuße zu Ader läßt, ohne zu bedenken,! lichkeit für die Hauptstadt ihres Vaterlandes besitzen und ob der Schmerz nicht in einem organischen Leiden seine! nicht nur Geld zu erwerben wissen, sie mögen auf der Radial- Quelle habe. Die Mischehe zwischen Juden und Christen sei straße Gründe erwerben und Häuser bauen. Minister und ein Mittel gewesen, mit dem man dieser Krankheit nicht bei- Stadtrepräsentanten redeten einzelnen jüdischen Bürgern der kommen konnte; nun sei das Mittel auch für jene Zwecke Hauptstadt zu, sie mögen bauen. Sie haben denn auch geunbrauchbar geworden, für welche es tauglich gewesen wäre. baut. Und was hören wir jetzt? Man sagt: Gehet auf die Der Minister beantragt, das Haus solle seinen schon gefaßten Beschluß abschwächen. Redner glaubt nicht, daß selbst die gegenwärtige Majorität sich hierzu veranlaßt sehen und er hofft, daß ste den Antrag ablehnen werde. (Lebhafte Zustimmung links.) Am folgenden Tage ergriff zuerst der Abgeord. Mezei (Israelit) das Wort und vertheidigte die Juden, namentlich gegen die Angriffe Otto Hermans mit großer Wärme und vielem Geschick. Radialstraße und ihr werdet euch überzeugen, daß Ungarns Geld in jüdischen Händen sei: sehet, wie viele Paläste den Juden gehören!" Er führt noch mehrere derartige Fälle, das Theater und die Schulen betreffend, auf und fügt hinzu: „Das erinnert wahrlich an den Müller, der mit seinem Sohn und seinem Esel zu Markte zog und es den Leuten in keiner Weise recht machen konnte. Unter solchen Umständen möge man die Juden wenigstens mit dem Borwurfe verschonen, daß sie sich U. A. sagt er, „daß durch diese unsinnigen Anklagen nicht amalgamiren, da man auf Schritt und Tritt, an öfuud durch die Anfachung der wildesten Leidenschaften die fentlichen Orten, hier im Hause der Gesetzgebung sie mit Kulturarbeit der Juden nicht erleichtert wird. Die Juden i Beleidigungen und Insinuationen überhäuft ..." haben sich magyarisirt, bevor sie emanzipirt wurden, und als j Ivan Simonyi: Wo? die Emanzipation kam, gingen sie an die Kulturarbeit und! Ignaz Helfy: „Lesen Sie Ihre eigenen Reden! — Ein an das Werk der nationalen Organisation. Redner will nicht solches Vorgehen kann geeignet sein, die Leidenschaften aufsagen, die Juden hätten schon genug gethan; sie sollen noch zuwühlen, aber im Saale der Gesetzgebung kann es nicht dreimal so viel thun. Aber er fragt, ob in dieser Zeit die gebilligt werden. Ist es gerecht und billig, die wirklich vorgebildeteren Juden vor ihre zurückgebliebenen Brüder hinhandenen Fehler der Juden so hinzustellen, daß die gebildetreten können, um sie zum Fortschritt aufzufordern? Die; ten Juden mit den ungebildeten, der magyarisirte, der Ra- Fortgeschrittenen beneiden ja die Zurückgebliebenen, die eben tion assimilirte Jude mit dem hergelaufenen polnischen Juden ihre Zurückgebliebenheit vor Verfolgung schützt. Für den in einen Topf geworfen werden? gebildeteren Juden, der theilnimmt an den Kämpfen und Ich sehe nur Eines, geehrtes Haus, was in Betreff der Strebungen der Nation, sind ja die Schmähungen und Ver-' Judenfrage in Ungarn geschehen muß. (Hört!) Was die leumdungen, welchen er ausgesetzt ist, ärger als der Tod. Aufgabe der Gesellschaft betrifft, habe ich schon gesagt, daß wir Herman möge doch an die Vorgänge bei der jüngsten Be-; aufhören müssen, die Juden zu insultiren: wir müssen ihnen amten-Restauration im Eisenburger Komitat denken; die jümit Liebe cntgegenkommen und ihnen beweisen, daß wir den dischen Kreisärzte wurden nach der Reihe geworfen. Vor rechtschaffenen, gebildeten Juden geradeso zu ehren und zu 50 Jahren wäre Aehnliches in Ungarn unmöglich gewesen." . wissen, wie den rechtschaffenen, gebildeten Christen. Das höchste Interesse des Hauses nahm aber Moriz Dadurch werden wir eine Anziehungskraft ausüben auf jene Jockai in Anspruch, welcher sich energisch gegen das Manij Zurückgebliebenen, welche, wenn sie sehen werden, daß ihre fest der Unabhängigkeitspartei erklärte und darauf hinwies, gebildeteren Glaubensgenossen, wenngleich sie ihrer Religion daß die Grundlage des Judenthums der aller Welt zugän-, treu bleiben, in der guten Gesellschaft willkommen sind, sich gige Pentateuch mit den Zehn Geboten sei. Aber auch der, des Plunders entledigen werden, welche gewisse Rabbinen

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