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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-19 · Heft 8 (19.2.1884) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 8 (19.2.1884)
Date
1884-02-19
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Sebstverständlich kann und wird sich im Laufe der Zeit die Stellung des neuen Predigers ändern, respektive verbessern, l falls er sich seines Amtes und Berufes würdig zeigt, sich! seiner Stellung als Hilfsprediger bewußt ist und sich Wien, 5. Februar. (Privatmittheil.) Ein neuer Prediger! keiner Uebergriffe schuldig macht. Es wäre tief zu beklagen. renen gehören abermals zum größten Theile dem Stande der Gutsbesitzer an. O esterreich-Ungarn. in Wien. Das hier erscheinende Journal „Das Fremdenblatt" > ist als treuer Dolmetsch der Ansichten des hiesigen Ministeriums des Acußcrn bekannt. Es wird auch als Autorität in Theaterangelcgenheitcn betrachtet. Dieser Tage jedoch überraschte es das jüdische Publikum. Das genannte Journal veröffentlichte nämlich eine Notiz des Inhaltes, daß ein neuer jüdischer Prediger angestellt werden soll. Da jedoch bis dahin nichts über die Sache verlautet hatte, da überdies bekannt ist, daß die beiden Prediger Di-. Jellinek und Güdemann ihres amtlichen wenn es anders käme. Die hiesige Gemeinde besitzt einen großen Schatz, den Frieden. Dieser aber könnte durch unberechtigte Aspirationen eines neuen Predigers nach allen Seiten hin arg gefährdet werden. Und dieses Moment ist es, das mir die Feder in die Hand drückt, denn sonst könnte j es mir höchst gleichgiltig sein, welcher Mann das neue Amt übernehmen wird. Ich glaube übrigens den Herren selbst, 1 welche sich um diese Stelle bewerben werden, einen Dienst!zu erweisen, indem ich ihnen reinen Wein einschenke und Berufes walten und da schließlich über Nacht kein neues j wenn ich auch obige Mittheilungen nicht als authentisch hin- Gotteshaus entstand und auch nicht die Absicht vorhanden j stellen kann und will, so glaube ich doch ziemlich gut inforist, ein solches zu erbauen, in welchem der neue Prediger zu! mirt zu sein. fungiren hätte, so glaubt man, „Das Fremdenblatt" sei my- Es sei mir gestattet, auch das materielle Gebiet zu streifen, stistcirt worden. Indessen war es auch hier, wie sonst, gut - Ich verrathe kein Geheimniß, wenn ich darauf Hinweise, daß unterrichtet. (Seitdem hat das Concurenzausschreiben auch die Prediger hier, wie fast überall, nebst ihrem Gehalte auf schon unter den Inseraten dieser Zeitung Nr. 6 gestanden. Red.)j Sporteln angewiesen sind. Da jedoch Niemand die Absicht Wie bekannt wurde im Jahre 1S'>7, als das neue hat, das Einkommen der jetzigen Funktionäre nach dieser Rich» Gotteshaus in der Leopoldstadt erbaut wurde, ein Prediger, i tung hin zu schmälern, so wird der neue Prediger so ziem- Hcrr 1),-. Jellinek, berufen und ein Cantor sammt Chorper-; lich ausschließlich auf den Gehalt von 2400 fl. angewiesen sonal bestellt. Im Lause der Zeit stellte sich die Nothwen-! sein. Dieser reicht jedoch, wie die Berhältniffe hier sind, digkeit heraus, neben den fungirenden Cantoren einen Refür eine Familie nur dann hin, wenn sie sehr bescheidene servecantor für unvorhergesehene Verhinderungen zu eugaj Ansprüche macht. giren. Bezüglich der Prediger hatte sich zunächst eine der-! Wir haben es versucht, ein Bild der Zustände zu geben, artige Nothwendigkeit nicht ergeben. Im Laufe der Zeit wuchs; Es liegt uns jedoch fern , irgend Jemanden von der Conjcdoch, wie man weiß, die Seelenzahl der hiesigen Gemeinde j currenz abzuhalten oder gar abzuschrecken. Ist der neue in sehr bedeutendem Grade. Dazu kam, daß Herr Prediger Prediger, wie wir hoffen und wünschen, ein tüchtiger Di\ Jellinek im vorigen Jahre längere Zeit leidend war,! Mann, so wird sich ihm hier, in einer so großen Gemeinde, und es ruhte die ganze Last der „Seelsorge" auf den Schulein Wirkungskreis eröffnen und darf er auf Entgegenkommen tern des Herrn Di-. Güdemann. Er hat diese Last getragen und Würdigung aller Jener, denen das Wohl der Gemeinde und ertragen, und wie hinzugefügt werden muß, hat er das 1 am Herzen liegt, und das ist fast tont Vienne, rechnen; — Doppelamt in vorzüglicher Weise versehen. Er bewies überj aber es ist immer gut, klar zu sehen und sich keiner Selbstdies, daß er das Amt nicht als melkende Kuh betrachte, was! täuschung hinzugeben. Bon Wichtigkeit wird es sein,'den übrigens jene, die ihn kannten, im Borhinein wußten. Der, Wirkungskreis des neuen Predigers genau zu umschreiben. Vorstand würdigte in vollem Maße das Vorgehen des Herrn; Clara pacta, boni amici. Dr. Güdemann: aber er beschäftigte sich mit der Frage, wie j Aus Ungarn, im Februar. Die Judenhaffer thun alles einer derartigen Eventualität, einer möglichen Ueberbürdung; Mögliche, um den Wiedereintritt der Ruhe zu verhindern, des genannten Herrn Predigers vorzubeugen sei und insbesondere So auch im Tißa-Eßlarer Proceß. Der Kaposvarer Advodie Kräfte des Herrn Dr. Jellinek zu schonen und sie für; kat Karl Szalay hat als Vertreter der Wittwe Johann Solygroße Aufgaben, speciell für die Predigt zu reserviren seien.' mosi letzter Tage dem Nyiregyhazaer Gerichtshöfe die Appella- Er beschloß, einen Hilfsprediger anzustellen. Dieser soll jene tion gegen das Urtheil der königl. Tafel in dem Tißa-Eßlarer Funktionen bei Trauungen und Leichenbegängnissen :c. überneh- Proceffe übersendet. Die Akten werden jetzt an die königl. men, welche ihm die Herren Prediger Jellinek und Güdemann Kurie gelangen. — Am Schluffe der sehr umfangreichen, übertragen werden. Ferner soll er predigen, wenn der Eine j nur Bekanntes enthaltenden Appellschrift stellt der Vertreter oder der Andere der genannten Herren durch Unwohlsein! der Privatklage in Aussicht, daß, wie immer auch das Ur- oder Abwesenheit daran behindert ist. theil der obersten Instanz ausfallen möge, er auf Grund

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