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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-19 · Heft 8 (19.2.1884) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 8 (19.2.1884)
Date
1884-02-19
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 I i % die einmal geläufig geworden, den späteren Lehrern die Unbe-! d. h. bei Gelegenheit, da ein Gottesgelehrter, von irgend fangenheit raubt, einen talmudischen Ausspruch mit freiem j Jemand beleidigt, gesagt, er wolle sich an ihm nicht rächen, Auge zu betrachten. könne aber die Beleidigung nicht vergessen. Die, welche Nach seiner Anficht behaupten nämlich die angeführten j diesen Bericht mit angehört und das i vor neu nicht als Worte des Talmud gerade das Gegentheil von dem, was!Zeichen des Gegensatzes, im Sinne von „doch- oder „aber", man aus ihnen herauszulesen sich gewöhnt hat. Wir be»! sondern als Verbindungs-Waw im Sinne von „und" gegnen, fügt er erklärend bei, im Leben gar häufig Menschen, lauffaßten, warfen erstaunt die Frage auf mon xh npn ab irrem die in Bezug auf ihren Beleidiger sprechen: «Vergeben Willis steht ja aber in der Schrift: Du sollst nicht Rache üben ich ihm wohl, doch vergeffen kann ich es nicht." Eine solche und nicht Groll hüten? — Hierauf wurde von Anderen, Aeußerung ist allerdings menschlich, doch gegen das göttliche Gebot; sie darf indessen weniger befremden, wenn wir sie aus dem Munde eines Ungebildeten oder Unfrommen vernehmen. Wird sie von einem Gottesgelehrten gethan, der mehr als der Laie sein Fühlen und Denken dem Gottesgebote unterordnen und Anderen als Vorbild dienen soll, so ist er kein Gottesgelehrter d. h. so verdient er den Namen eines solchen durchaus nicht. Trennt man neu von Dpi: d. h. faßt man das - vor nee nicht als Verbindungszeichen, als und, sondern, wie dies an unzähligen Stellen in der Bibel vorkommt, als Zeichen des Gegensatzes, als doch, auf, dann drückt dieser die ebenfalls gegenwärtig waren, eine Lösung des Widerspruchs angestrebt, die allerdings als eine verfehlte oder gekünstelte betrachtet werden muß. Hätte sich R. Jochanan oder R. Jehozadak, welche beide damals schon nicht mehr lebten, unter den Anwesenden befunden, würden sie sicherlich die irrige Auffassung berichtigt haben. So aber verbreitete und vererbte sich zum Nachtheile des Talmud statt der natürlichen, grammatisch richtigeren, eine falsche Auffassung, die dem hochwichtigen biblischen Verbote, das die menschlichen Gefühle läutern, die Sittlichkeit fördern, dem Gemüthe die wahre Heiligkeit verleihen will, diametral entgegengesetzt ist. Die angeführte talmudische Sentenz in allen ihren Theilen Ausspruch gerade den soeben klargelegten Gedanken aus: «zu beleuchten, müssen wir hier noch darthun, mit welchem Jeder Gottesgelehrte, der nicht Rache übt, doch wie eine Rechte der Talmud der Schlange die Eigenschaft beilegt, Schlange den Groll hütet, oder bewahrt, ist kein wahrhafterlGroll zu hüten, Zorn zu bewahren. Nach der obigen Gottesgelehrter, oder mit anderen Worten, verdient nichtErklärung kann sich nämlich trrm wie eine Schlange selbst- Gottesgelehrter genannt zu werden, weil er sich dem göttlichen Gebote nicht fügt. Dieser Sinn ist meines dafürhaltens nicht nur dem verständlich nur auf neu nicht aber zugleich auf ope beziehen, weil dies Zettwort einen besonderen Satz bildet. Die Schlange rachsüchtig zu schildern, könnte vielleicht Inhalte, sondern auch dem Wortlaute nach der einzig Genesis 3, 15 rechtfertigen: „Er verwunde dir den Kopf und richtige. Denn da es im Pentateuch heißt: „nen ab'> cpn rü! du verwunde ihm (aus Rache) die Ferse"; aber dafür, daß Du sollst nicht Rache üben und nicht Groll hüten," ersie dauernd Groll bewahre, finde ich nirgens einen Anhaltsscheinen die beiden Zeitwörter als zwei von einander ver-> Punkt. schiedene Sätze und Begriffsbezeichnungen. Demnach müßte In der Erzählung vom ersten Sündenfalle wird sie als auch der rabbinische Ausspruch, wenn er in der That den das listigste Thier geschildert, im neuen Testament, Matth. 10,16., ihm gewöhnlich beigelegen Gedanken enthalten sollte, die : tritt sie uns als Bild der Klugheit entgegen, und als Symbol Verneinungspartikel vor dem zweiten Worte wiederholen, i der Heilkraft in Aegypten, Griechenland (Aesculap) und er müßte lauten: ,/ir> nee uw Dpi: usr r"n bz. Jeder wahrscheinlich auch in der kupfernen Schlange, welche Moses Gottesgelehrte, der nicht Rache übt und nicht Groll hütet" rc. für die von Schlangen gebissenen Israeliten in der Wüste Der einzige Einwand, der gegen die Erklärung meines anfertigen ließ. Als Gottesbotin, die Sünder zu tödten, seligen Schwiegervaters erhoben werden könnte, ist der, daß wird sie jetzt noch in Indien und im inneren Afrika verehrt, aus der in der Gemara an die Sentenz geknüpften Diseussion und auch der Talmud bezeichnet sie als solche Sabbcth 110a, klar hervorgehe, wie sie die Gemaristen in dem allgemein gestützt auf Kohelet 10, 6: „Wer einen Zaun einreißt, den angenommenen, zuerst angeführten Sinne verstanden haben, beißt eine Schlange", und Berachot 33a bei der Erzählung Sind denn aber die Gemaristen unfehlbar, können sie sich von R. Chanina ben Dosa mit den Worten: „rroo mny;\s. nicht in der Auffassung des Sinnes geirrt haben? —! rroo Nenn n^n nicht die Schlange tödtet, sondern die Sünde Sehen wir uns die Stelle, Joma 22b und 23a, getödtet." Außerdem wird die Schlange noch bei verschiedenen nauer an. Hier wird berichtet, R. Jochanan hätte die Sentenz' Völkern als Sinnbild der Fruchtbarkeit, der Ewigkeit, (weil ausgesprochen: 'ui n"n bz, eine Sentenz, die er von seinem sie sich ringförmig gestalten kann) und der Wachsamkeit Lehrer R. Simon b. Jehozadak vernommen habe. Dieser verwerthet. So wurden Schlangenbilder auf römischen Em- Rabbi hatte sie vielleicht bei einem concrelen Falle geäußert,' blemen als die hausbewachenden Laren, und in Griechenland % i

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