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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-11 · Heft 7 (11.2.1884) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 7 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
Seite 109 (sequence 17)
Language
German
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109 Jeuil Lasker's Leichenfeier.! Die Leichenfeier Lasters, wie sie jenseits und diesseits des Oceans, in New-Iork, Bremen und Berlin, in Synagogen, in der Lloydhalle zu Bremerhaven und in der Berliner Singakademie begangen worden, ist für die Bekenner des Judenthums ein nicht genug zu schätzendes Ereigniß. Sie wäre dies zu aller Zeit gewesen; aber ganz besonders ist sie | es nach den vergangenen Jahren einer schmählichen Bewegung, die in jedem Momente dieser Trauerfeier in zwei Welttheilen ihre nachdrücklichste Berurtheilung findet. Wir haben deshalb eine genaue Schilderung dieser Leichenfeier, um sie auch in den Spalten dieser Zeitung zu bewahren und doch den Raum desselben nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, in besonderen Beilagen gebracht. Wir benutzen indessen unser Feuilleton, noch einzelne Züge zu rcproduziren. Gewissen Leuten gegenüber, um dem Verdachte der Parteilichkeit von vornherein entgegenzutreten, haben wir auch hierbei den von uns bei ähnlichen Gelegenheiten, nämlich wo es die Persönlichkeit und den Charakter eines Glaubensgenossen betrifft, stets gewahrten Grundsatz beobachtet, die bez. Urtheile und Angaben unabhängigen Blättern zu entlehnen, solchen, deren Berichte nicht aus jüdischer Feder stammen. Die „Voss. Ztg." berichtet über die Feier in der Berliner Synagoge: „Kein klarer, wolkenloser Himmel leuchtete dem Beginne der Beerdigungsfeier Eduard Lasker s. In leichten Flocken schwebte der Schnee hernieder und hüllte im Zerfließen Alles in feuchte Schleier. Aber die Tausende und Abertausende, die alle Straßen nach dem jüdischen Tempel in der Oranienburger Straße und vollends die Straße selbst besetzt hielten, achteten dieses Umstandes nicht und harten in gemeffener Haltung, schweigend und geduldig des Beginnes der ernsten Feier. Bor dem Portal des Gotteshauses, in seinem eigenartigen, maurischen Stil, staut sich die von verschiedenen Seiten zusammenmündende Wagenreihe; aber es regt sich nichts von jener Ungeberdigkeit und Hast, die sonst die Begleiterin aller öffentlichen Feierlichkeiten zu sein pflegt, welche eine große Menge anziehen. Ein zahlreiches Personal von Ordnern sorgt dafür, daß Jedermann sofort beim Eintritt zurecht ge wiesen wird. Die Spitzen der beiden Behörden der Gemeinde, der Vorsitzende des Vorstandes und der des Repräsentanten-Collegiums, versehen in eigener Person den Ehrendienst zwischen Borhos und Tempel; in den Gängen des Mittelschiffs wie der Seitenschiffe sind zahlreiche Marschälle postirt, welche die Eintretenden sofort und geräuschlos zurechtweisen. Lange vor dem auf 11 Uhr Vormittags festgesetzten Beginne der Feier ist der weite Raum mit seinen teton. Emporen nahezu gefüllt. Durch die bunten, mit Glasmalerei gezierten Scheiben dringt das Tageslicht in gedämpften! Schein und verbindet sich mit dem von der Wölbung und aus dem innern Raum hervorleuchtenden Lichte der Gasflammen zu einem eigenthümlichen, stimmungsvollen Effekt. Es ist, als träte man in die gewohnten Räume, die sonst das rege pulsirende Leben bargen und nun den Besucher nur noch zum Abschiede von dem empfangen, was ihm theuer gewesen. Vor dem Allerhciligsten, das die heiligen Bücher der Thora birgt, inmitten der mit Trauerflor umwundenen Candelaber, erhebt sich der Sarg des Verblichenen. Aber wie schwer ist es, ihn zu erkennen, denn liebevolle Hände haben ihn in schöner Pietät mit so reichem Schmuck an Blumen, Kränzen, Palmen und blühenden Zweigen bedeckt, daß die stille Behausung des Todes, die selbst dem Grabe geweiht ist, wie begraben erscheint und unter all' den Liebeszeichen der dankbaren Treue und Verehrung. Und dicht vor diesem Todtenschrein hält das blühende Leben Wache in Gestalt zweier Chargirtcn der Studentenschaft, die in ihrer bunten Tracht symbolisch den Gegensatz versinnlichen, in dem sich das Leben allstündlich bewegt. In der vordersten Reihe haben eine Anzahl von Ministern Platz genommen. Angesichts des Todes dürfen wir mit der Wahrheit nicht zurückhalten; cs war keiner der aetiven Würdenträger zugegen, die das Staatsministerium bilden; wohl aber hatten sich die früheren Minister Delbrück, Camphausen, v. Bernuth und Hobrecht eingefunden. Ter Justizminister hatte sich wegen dienstlicher Behinderung entschuldigt. Der Rektor der Universität hatte in einem Stil, der an Lakonismus nichts zu wünschen übrig ließ, die Einladungskarte nlit dem Bemerken zurückgesandt, er bedaure, von derselben keinen Gebrauch machen zu können; etwas weniger knapp, aber deutlich genug lautete die Antwort des Dekans der philosophischen Fakultät, er sei nicht in der Lage, in dieser seiner Eigenschaft von der Einladung Gebrauch zu machen. Und doch war der Abgeschiedene um seiner unleugbaren Verdienste willen von zweien vaterländiscben Hochschulen , der zu Leipzig und Freiburg, Ehren halber zum Toetor der Rechte und der Philosophie ernannt worden und ganz Deutschland hatte dieser Huldigung seinen einhelligen Beifall gezollt. Der Präsident des Reichstages, Herr von Levctzow, war zur Stelle, ebenso Mitglieder aller Fractionen, auch der Conservativen und des Ccntrums. Die städtischen Behörden waren nicht nur durch ihre Spitzen in Amtstracht, sondern auch durch zahlreiche Mitglieder derselben vertreten; ebenso das Aeltesten-Collegium der Kaufmannschaft, viele an-; dere Körperschaften und Vereine, Künstler, Gelehrte, Politiker, -Schriftsteller; auch die Geistlichkeit der evangelischen Kirche! erschien in zweien ihrer würdigen Repräsentanten, den Pre-

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