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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-11 · Heft 7 (11.2.1884) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 7 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
Seite 110 (sequence 18)
Language
German
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110 digern Thomas und Lisco. Der amerikanische Gesandte,! Mr. Serjcant, hatte nicht verabsäumt, denn Manen des in j den Vereinigten Staaten so hoch verehrten Mannes, wo er j seine letzten Tage verbracht, seine Hochachtung zu bezeugen, j Der Präsident des Landgerichts I., dem der Rechtsanwalt i Laster amtlich niemals näher getreten war, Herr Bardeleben, übte die Pietät, der Trauerfeier beizuwvhnen. Auch einzelne Beamte der Ministerien und des Reichsjustizamtes, wie die Geh. Räthe Dr. Wehrenpfennig, Keibel, Dr. Meyer und An-! dere, ehrten den Zusammenhang mit dem Dahingeschiedenen, dem ehemaligen Mitkämpfer, durch ihre Anwesenheit bei seiner Gedächtnißfeier. Bald nach 11 Uhr leitete ein ernster Orgelsatz, dem sich ein Chorgesang der Kapelle des Tempels anschloß, den Redeakt ein, und der Rabbiner Dr. Frankl bestieg die Kanzel zu Häupten des Sarges. Ernst und würdig und doch voll bewegten Inhalts klangen die Worte des geistlichen Redners, die um so feierlicher wirkten, jemehr sie alles herkömmlichen Ueberschwanges in Ton und Wort entkleidet waren, die so oft im grellen Gegensatz zum Sinne des Gefeierten stehen. Wir würden dem gedankenreichen Inhalte der Rede Abbruch thun, wenn wir aus derselben einzelne Bestandtheile heraushöben; sie wird ein ehrendes Denkmal für den gefeierten Tobten bleiben und verdient als solches im vollen Zusammenhänge weitesten Kreisen zugänglich zu werden." — — Auf dem Friedhof hatten sich vor Ankunft des Zuges eine kleine Schaar persönlicher Leidtragender, sowie einige Mitglieder des Parlaments und der städtischen Verwaltung eingesunden. Tie Wege vom Eingänge zum Grabe waren mit Tannenzweigen bedeckt, die Halle zeigte einen überaus reichen Schmuck. Rechts und links vom Katafalk breitete sich eine üppige Dekoration von Pflanzen aus; hohe Caudelaber warfen ihren matten Schein auf die Trauerstätte; die Säulen und die äußere Fa.,adc waren schwarz drapirt. An der Eingangspforte zum Friedhof waren zwei schwarze Fahnen aufgezogen. Unmittelbar an dem mit Tannengrün umkleideten Grabe wurden die zahllosen Kränze aufgethürmt, die von nah und fern gespendet, aber nicht im Zuge getragen wurden. Besonders bemerkenswert!) war der von der Stadtgcmcinde Rew-Vork gewidmete Kranz, der die goldgestickte Widmung trug „Wer den Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten". Von auswärtigen Kranzspenden seien erwähnt der von in New-Z)ork lebenden Bürgern Jarotschins, der Geburtsstadt Lasker s, gewidmete Kranz, ferner die Kränze der „Liberalen Bremischen Presse", der israelitischen Gemeinde in Bremen, der Synagogengemeinde in Magdeburg, der liberalen Wahlvereine von Leipzig, Bitterfeld-Delitzsch, des Wahlkreises Hirschberg-Gleiwitz mit der Widmung „Dem hochverehrten Kämpfer für die gute Sache, dem mannhaften Vertreter des Rechts und der Freiheit", ferner die Kränze des Vereins von Mühlhausen, des liberalen Vereins zu Görlitz, niedergelegt vom Abgeordneten Lüders, des Rheinisch- Westfälischen Vereins, des Kaufmännischen Vereins zu Frankfurt a. M., der juristischen Fakultät zu Leipzig, deren Ehrendoktor der Verstorbene gewesen, des Berliner Pfandbriefamtes, verschiedener Berliner Zeitungen und mehrerer hiesiger und auswärtiger namhafter Privatpersonen. Seitens des „Wahlvereins" der Stadt Frankfurt a. M., welche Lasker sechs Jahre lang im Abgeordnetenhause vertretreten hatte, war eine Deputation entsandt worden, bestehend aus den Herren Direktor Dr. Bärwaldt, Ad. Baer-Goldschmidt und Di-. Th. von Fritzsche. Um >/„2Uhr wurden die ersten Klänge der im Trauerzuge gehenden Musikeorps hörbar, und bald darauf betraten die Ersten des Zuges den Friedhof, auf dem sich die nach Tausenden zählenden Theilnehmer in vorgeschriebener Weise vertheilten. Vor der Halle nahmen die Anverwandten, die Abgeordneten, die städtischen Vertreter und die Vorstände der Vereine Aufstellung. Oberbürgermeister von Forckenbeck und die Abgeordneten Rickert, Bamberger, Baumbach u. A. waren die dem Sarge zunächst Stehenden. Rabbiner Dr. Maybaum, der vom Rabbiner Dr. Frankl und dem Schwager Lasker'S, dem Landesrabbiner von Mecklenburg - Schwerin, Dr. Veilchenfeld , assistirt wurde, sprach hier am Sarge nochmals herzliche Trostesworte. „In unsere Herzen" — so führte der Redner aus — „klingen die Worte nach, die uns soeben Eduard lasker in seinem Leben und Wirken als den edlen Mann und treuen Patrioten geschildert haben. An ihm haben die altjüdischen Worte ihre Bestätigung gefunden: drei Kronen glänzen im Leben; die der Wissenschaft, des Priesterthums und des Königthums. Aber die Krone des guten Namens, die erst die Nachwelt zu vergeben hat, überstrahlt die anderen Alle. Wer, wie Lasker, sich die höchsten Ideale des Menschenthums zum Ziele gesetzt, der hat im besten Sinne religiös gelebt und gewirkt, und darum hat ihm die Gemeinde seiner Glaubensgenossen auch einen Platz unter ihren Frommen eingeräumt und nimmt ihn hier an der Stätte des Friedens in die Ehrenreihe auf. Dem Grundsatz treu, daß des Vaterlandes Heil in der Gesammtheit liegt, hat er mitgearbeitet an dem innern Ausbau der Gesetzgebung mit beispielloser Hingebung. Wir aber, seine Glaubensgenossen, sehen in ihm den Träger und Mehrer unserer Ehre gegen jedwede Verkennung. Seiner reinen Seele wird der Lohn werden, den der Herr aller Geister aufbewahrt seinen Fronnnen; sein Grab wird zu einer Stätte pietätvoller Verehrung werden für alle Menschen." Mit einem in hebräischer und dann in deutscher Sprache gesprochenen Gebet schloß der Geistliche. Dann folgte unter den Klängen des Mendelssohn'schen Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rath" die Einsenkung des Sarges. Lange Zeit währte es, ehe die Theilnehmer am Zuge am Grabe vorbeidefilirt waren. Die Fahnen senkten sich über

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