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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-11 · Heft 7 (11.2.1884) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 7 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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,.Eduard Laster ist ein nationaler Charakter, den ganz Deutschland für sich in Anspruch nimmt, und ein Mann von internationaler Bedeutung, welchen die gebildete Welt als einen der freiesten und befreiendsten Geister verehrt." „Wenn ich hier die Bemerkung eines römischen Autors über einen der berühmten Männer des Alterthums gebrauchen darf, so scheint die Natur an Laster versucht zu haben, was sie aus einem einzigen Manne zu wachen und zu gestalten vermag. Er war auf dem Felde seines parlamentarischen Wirkens auf allen Gebieten heimisch und keine wichtige Frage wurde ohne fern Hinzuthun entschieden; allein er leistete vielmehr als diese gesetzgeberischen Arbeiten. Den glänzenden Eigenschaften seines Geistes entsprach eine ebenso selbstlose und lautere Natur; die Gewissenhaftigkeit seines Wesens und die Unbeugsamkeit seiner Überzeugungen wurden bei ihm durch eine liebenswürdige und versöhnliche Grundstimmung gemildert. Seine Uneigennützigkeit und seine Gemeinnützigkeit gingen bis zur Aufopferung seiner eigenen Angelegenheiten, und feine rastlose Thätigkeit führte ihn dem frühen Grabe zu." „Laster hat nie jemandem geschmeichelt und nie etwas für sich gewollt. Das Wenige, was er brauchte, erwarb er sich leicht, mehr als j des gewöhnlichen Lebensunterhalts bedurfte er nicht." „Andererseits aber scheute sich unserer Freund nie, die Dinge beim rechten Namen zu nennen und den Finger auf die offenen Wunden des Gemeinwesens zu legen. Stets hatte er den Muth, der Tagesströmung entgegen zu treten, statt ihr blindlings zu folgen, oder gar dem Vorurcheil Complimente zu machen. Mancher seiner Gegner hat ihn deshalb einen unpraktischen Politiker genannt, oder ihn als Ideologen verspottet, der in der Praxis des täglichen Lebens kaum mitzählt. Ich kann dagegen nur einwenden, daß die Hochgestelltesten und bedeutendsten Gegner nicht allem Laskers Person, sondern auch seine Ansichten mit Hochachtung behandelten und daß manche tief eingreifende Gesetze ohne seine entscheidende Stimme nie zustande gekommen wären. Ich erinnere mich noch recht gut der Zeit,, wo Fürst Bismarck den einflußreichen Parlamentarier ganz besonders auszeichnete und seine Zustimmung zu geplanten Maßregeln für äußerst werthvoll, wenn nicht unentbehrlich hielt." Um 9 Uhr sang der Chor die beiden letzten Verse des oben erwähnten Liedes, welches auch den Schluß der eben gehörten Rede bildete. Unter den Klängen des Nachspiels der Orgel traten zwölf Mitglieder des Hanvwerkervereins hervor, hoben den Sarg herunter und trugen ihn auf den offenen Leichenwagen, den sie dann zu beiden Seiten, Palmzweige tragend, geleiteten. Draußen hatte sich der imposante Leichenzug geordnet und nach dem vorher festgesetzten Programm in folgender Weise, die Reihen aus je fünf Personen, gestaltet: Musikcorps, Handwerkerverein, Arbeiterverein, erster Reichtags- 'Wahlkreis, Musikcorps, zweiter Reichstagswahlkreis, Leichenwagen, Prediger, Verwandte, Eingeladene und Deputationen,Musikcorps, dritter Reichstagswahlkreis, vierter Reichstagswahlkreis, Musikcorps,fünsterReichstagswahlkreis, sechsierReichstagswahlkreis. Die Bezirksvereine reihten sich in ihre Reichstagswahlkreise ein. Auch der Verein Berliner Presse bildete eine besondere Gruppe des Zuges. Derselbe bewegte sich durch die Oranienburger- und Friedrichstraße, durch die Straßen, welche das ehemalige Oranienburger mit dem Schönhauser Thor verbir in ara>^ Linie zur Schönhauser Allee nach dem dortiger. jüdischen Gemeinde. Die Musikcorps bliesen abwe ri: j Z\:. : .-r-- Märsche von Beethoven, Chopin, Mendelssohn, W : .• ...... Dicht hinter dem Leichenwagen schritten die stud i. ft' *• . v Sitten, ihnen folgte eine Anzahl von Reichstags Lorberkränze auf Marschallstäben trugen, unk - erschienen die Abgesandten des Meininger W Lasler vertrat, mit dem erwähnten silbernen Lorl.*.7? Zug schlössen junge Herren, welche die Kränze, ..'-'di'' ' aus Amerika trugen. Sämmtliche. Theilnehrr.: c ln .7.4: (ihre Zahl wird mit 6000 kaum zu hoch geschcvv ■;. <. Schleifen in den Landesfarben. Die zahl,'rft ., Banner, Kränze u. s. w. gaben dem Zuge, v< ' r Stunde zu seiner Entfaltung brauchte, ein malerisches Ansehen. Das Wetter hatte sich zudem allmählich aufgeklärt und während des Begräbnisses war sogar die Helle Sonne aus dem bis dahin bleigrauen Gewölk herausgetreten. Gegen 2 Uhr langte der Zug auf dem Friedhof an. In der Leichenhalle, dicht vor der „Ehrenreihe", wo auch dem verewigten Laster von der Gemeinde ein Platz zur letzten Ruhestätte zuertheilt ist, hielt der Rabbiner Dr. Maybaum eine kurze Ansprache, in welcher er hervorhob, daß die Gemeinde mit der Grabstätte in der Reihe der frommen Rabbiner dem Verstorbenen habe eine Ehre erweisen wollen, denn auch er sei ein Frommer in der schönsten Bedeutung des Wortes gewesen. Dann vollzog der Ober-Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin Dr. Feilchenfeld, ein Schwager des Verstorbenen, die rituelle Trauercermonie, und nun wurde der Sarg zur nahen Gruft getragen und dem Schoße der Erde übergeben. Die Vereine und Deputationen zogen an dem Grabe vorüber, um dort ihre Kränze und Blumenspenden niederzulegen, unter deren Fülle bald das Grab verschwand. Ein Hügel von Palmen, Lorbern, Jmortellen- und blühenden Kränzen erhob sich über den sterblichen Ueberresten Eduard Laskers. Unter den Klängen des von dem Musikcorps ausgeführten Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath", löste sich die Trauerversammlung auf. Die Feier war mit großem Geschick und großer Umsicht geordnet und verlief in ungestörter Ordnung. Das Publicum, welches auf dem ganzen Wege Kopf an Kopf gedrängt stand, bewahrte eine überaus würdige Haltung. So hat Eduard Laster in heimischer Erde, in der Stadt, in welcher er seine politische Thätigkejt entwickelte, die letzte Ruhestätte gefunden. Die Theilnahme aller, welche ihm heute dahin das Geleit gaben, ist die beste Gewahr dafür, daß sein Andenken im Segen bleibt und sein Name jenen der besten Söhne des deutschen Vaterlandes eingereiht sein wird. 2. In der Singakademie. Am Abend desselben 28. Januar fand die Gedächtnißfeier in der Singakademie statt. Die Kopf an Kopf gedrängte Zuhörerschaft, nur Herren, setzte sich zusammen aus zahlreichen Mitgliedern der liberalen Fractionen unserer parlamentarischen Körperschaften, namhaften Männern der wissenschaftlichen und künstlerischen Welt Berlins und Vertretern derjenigen Körperschaften, welche sich am Morgen bei der Leichenfeier betheiligt hatten. Ein von einer Gruppe hochstämmiger Lorbeerbäume verdeckter Chor eröffnete die Feier mit dem Vorträge der Motette von Felix Mendelssohn „Herr Gott du bist unsere Zuflucht für und für". Darauf bestieg Du. Ludwig Bamöerger die Rednertribüne und entwickelte nun in fast zweistündiger Rede ein hochinteressantes Charakterbild des Heimgegangenen Freundes in jener meisterhaften Formvollendung und Gedankenfülle, welche diesen Redner auszeichnen. Der Redner sagte: „Schon am Morgen hat eine imposante Kundgebung die Erscheinung des Heimgegangenen uns -zurückgerufen,, eine Kundgebung ohne' Gepränge, ohne officiellen Pomp, den der Verstorbene von je her so wenig geliebt hatte. Dieser bürgerlich gesinnte Mann war zugleich ein Stück deutscher vaterländischer Geschichte, und zwar der besten Geschichte.. Der Name Lasker glänzte in den letzten zwanzig Jahren bei jeder Betätigung großen Geistes, bei jeder Ernte großer Thaten, welche die Spuren dieses großen politischen Künstlers trug. Einzelne seiner Freunde mögen chn an Formvollendung der Beredsamkeit, an staatsmannischer Haltung übertroffen haben; aber in der Gesammtheit der Eigenschaften, die er in sich vereinigte, war er allen überlegen. Von seiner Beerdigung hat die offtcielle Welt sich ferngehalten, aber keine Enthaltsamkeit von oben wird das deutsche Volk des Bewußtseins berauben, daß Evuard Lasker in seinem Geschick den schönsten Platz einnimmt. (Bravo!) Der amerikanische Congreß hat uns ein Vorbild gegeben, wie die Nachwelt über Lasker urtheilen wird. (Bravo!) Niemand hatte weniger von einem Demagogen an sich als Lasker; er hatte kein Prestige, keine imponirende Erscheinung; was ihm die Herzen gewonnen, war dies, daß er aus dem Innern heraus sprach; nicht er, die

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