Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 „Die Districts-Präsidenten wiesen, indem sie auf die Geschichte unserer Confession in den letzten 15 Jahren einen Rückblick werfen, die Entstehungsweise der Congreß-, der Orthodoxen- und Status guo-Gemeinden nach; sie bewiesen die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände und unterbreiteten Vorschläge hinsichtlich der Regelung der Gemeinden auf festerer Grundlage und in Sachen der gesetzlichen Garantirung der jüdischen Autonomie. Doch thaten sie dies, ohne die Licht- oder Schattenseiten irgend einer Partei hervorzuheben; sie thaten dies, ohne die eine Partei anzuklagen oder die andere zu verherrlichen". Der Schluß lautet: „Das Memorandum der Districts-Präsidenten ging vom^ärmoe beige: Bei Gelegenheit der Straßenunruhen zu Charvollkommenen objektiven Standpunkte aus und sprach nicht!kosf während der Weihnachtstage und bei den Rufen: „Stiemt Interesse einer Partei, sondern in dem der jüdischen Cul-! der mit den Juden," richtete der Gouverneur der Provinz tusgemcinden des Landes. Und man verstößt gegen die! eine Ansprache an die Fabrikanten von Charkoff, in welcher Wahrheit, wenn man in dieser Denkschrift auch nur die er an beklagenSwerthen Folgen der Unruhen erinnerte, die Mischehegesetz von der Tagesordnung abzusetzen, und die sog. Unabhängigkeitspartei ein Manifest erlassen, in welchem die „Judenfrage" eine Rolle spielt. Näheres in nächster Nr. Großbritannien. London, 1. Febr. Sir Moses Montefiore ist an einer Luftröhrenentzündung schwer erkrankt. In Folge seines hohen Alters flößt sein Zustand die ernstesten Besorgnisse ein. Diese Nachricht erweckt allgemeine Theilnahme. Rußland. Petersburg, 24. Januar. Man schreibt der Inäepenleiseste Spur des Partei-Interesses oder der Leidenschaft erblickt. Die Eingabe der Distrikts-Präsidenten wird vom Geiste des Friedens durchweht. Uns leitete bloß das aufrichtige Streben, daß die Freiheit des Austritts aus dem jüdischen Gemeindeverbande und die Gründung besonderer Gemeinden nach Belieben beschränkt, und daß ferner unsere Confession durch die Legislative jene Autonomie erhalte, welche die recipirten Confessionen des Landes besitzen. In dem Elaborat der „orthodoxen Durchführungs-Commission" sehen wir nun Umgang genommen von jeglicher Würdigung oder auch nur Erwähnung jener konstatirten Thatsachen und positiven Vorschläge, denen die Districts- Präsidenten in ihrer an Ew. Excellenz gerichteten Denkschrift motivirten Ausdruck gegeben haben. An Stelle dessen betritt aber die „orthodoxe Durchführungs-Commission" abermals das Gebiet der Zwietracht und sie schickt sich an, jenen: in den letzten Jahren in mehreren Städten des Südens eingetreten, und welche nicht allein auf den Israeliten, sondern aus der ganzen Fabrikation schwer lasten. Nachdem er alsdann die Fabrikanten ausgefordcrt, ihm behülslich zu sein, Unruhen solcher Art vorzubeugen, indem sie ihre Arbeiter versammeln und ihnen die Gefahr schildern, welche ihnen durch die Straßenunruhen droht, und sie durch alle Mittel, die ihnen zu Gebote stehen, zu beeinflussen, fügt der Gouverneur hinzu, daß im Falle von Unruhen die Fabrikanten verpflichtet wären, die Liste der zu dieser Zeit von der Fabrik anwesenden Arbeiter aufzustellen und sie der Polizei zu übergeben. Diejenigen, welche dies nicht thun würden, sollten besonders notirt werden, denn die Fabrikanten, welche ihre Arbeiter nicht zu verhindern wissen, an den Unruhen Theil zu nehmen, machen sich gewissermaßen selbst mit schuldig. Der Unterrichtsminister benachrichtigt auf die an ihn traurigen Bruderzwist herauf zu beschwören, dem bereits die ergangenen Anfragen die Curatoren der Schulbezirke, daß sie Einheit unserer Cultusgemeinden zum Opfer gefallen sind, i die israelitischen Kinder, welche ihre Studien in den ministe- Auf dieses Gebiet werden wir der „orthodoxen Durch-! riellen Gymnasien macken, von den Arbeiten am Samstag führungs-Commission" nicht folgen und wir enthalten uns * befreien, jedoch unter der Bedingung, daß diese Schüler vcrdaher jeder Aeußerung hinsichtlich des Meritums der uns pflichtet sind, das zu wissen, was an diesem Tage in der zugehenden Repräsentation derselben. Wir ziehen aus ihrem Klasse gelehrt wird. Besonders sollen von ihnen keine schrist- Auftreten bloß die eine Lehre, daß nämlich unsere in Folge lichen Arbeiten am Samstag gefordert werden, von administrativen Verfügungen in Unordnung gerathenen| — Einen charakteristischen Beleg für das in Lithauen Gemeinde-Angelegenheiten bloß auf dem Wege des Gesetzes seitens Rußlands befolgte Regierungssystem bildet die im geregelt werden können. Petersburger Regierungsanzeiger „Prawitelstwiemyj Wiestnik" Wir wiederholen daher vor Ew. Exzellenz die in der Denkschrift der Distrikts-Präsidenten enthaltene Bitte: Geruhen Ew. Excellenz unsere Vorschläge zur Wiederherstellung der Einheit unserer Cultusgemeinden und zur gesetzlichen Garantirung der Autonomie unserer Confession Ihrer gnädigen Aufmerksamkeit zu würdigen". Pest, 1. Februar. Das Unterhaus hat genehmigt, das unlängst gedruckte Verlautbarung über die Bedingungen, unter . welchen die in drei lithauischen Gouvernements im öffentlichen Licitationswege zu veräußernden Landgüter käuflich erworben werden können. Die Erwerbung der Landgüter in der nordwestlichen Provinz — heißt es in dieser Verlautbarung — steht allen Personen nichtpolnischer und nichtjüdischer Abkunft frei. Die den Käufern gewährten Begünstigungen