Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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106 stellten katholischen Lehrer das Recht, die jüdischen Kinder in diese Schule schicken zu dürfen, eingeräumt hat, erregt dem „Dzienn. pozn." lebhafte Besorgnisse. Er hebt hervor, daß aus der, wenn auch aus edlen Motiven hervorgehenden Maßregel, katholische Schulen durch andersgläubige Kinder besuchen zu lassen, schon wiederholt üble Folgen entstanden seien und fragt, ob der Schulvorstand bei Abschließung des Vertrages den unwandelbar katholischen Charakter der Schule gewahrt und sich das Recht Vorbehalten habe, sofort von dem Kontrakte zurückzutreten, wenn die Juden später Rechte auf das Schulvermögen oder Mitvertretung im Schulvorstande, oder Anstellung eines jüdischen Lehrers beanspruchen sollten. — Wir führen dies an, um den Grad von Furcht zu bezeichnen, den man in gewissen Kreisen vor jeder Berührung 1881, die mit heurigem Jahresschluss unter unserer Obhut verblieben, abgesehen von den unserem Vereine von der löbl. israelitischen Allianz überwiesenen Knaben. Das sind wohl Ziffern, die cs einerseits erklärlich machen, daß wir trotz unentwegter Sparsamkeit mit den uns zu Gebote stehenden Einnahmen nicht ausreichen konnten, sollten wir nicht unseren Schützlingen an dem Nothwendigsten Abbruch thun, die uns aber andererseits und gebieterisch die Frage aufdrängen, wie solchem Wachsthume gerecht werden, zumal wir schon seit zwei Jahren, so schmerzlich wir cs auch empfinden, das herbe Mittel der Sistirung der Zöglings- Aufnahme während zweier Monate in Anwendung zu bringen gezwungen sind". Die Einnahmen betrugen 1881 fl. 10,766, die Ausmit Andersgläubigen, namentlich mit Juden, hat. Uebrigens I gaben fl. 11,113, so daß fl. 747 aus dem Reservefond geverhält sich die Sache so: Die jüdische nicht bemittelte Ge-! nommen werden mußten. Die Gewerke, denen die Zöglinge meinde hatte ihren bisherigen Lehrer pensionirt und, um nicht § angehören, sind von der mannichfaltigsten Art. Um dieneben dieser Pension auch noch ein besonderes Lehrergehalt jenigen, welche am meisten gewählt werden, zu bezeichnen, zahlen zu müssen, unter angeblicher Zustimmung der königl.! führen wir folgende Daten an: 50 Drechsler, 31 Lederarbei- Regierung beschlossen, in Zukunft die Stelle des Lehrers mit! ter, 36 Posamentierer, 111 Schlosser, wogegen nur 3 Schmiede, der des Schächters zu vereinigen. Der jetzige Schächter! 85 Schuhmacher, 63 Spengler, 56 Tapezierer, 61 Tischler, muß wohl dieser Aufforderung nicht genügen können oder i 45 Uhrmacher. Den Ländern nach waren 209 aus Ungarn, wollen, ist aber noch auf 1',., Jahre engagirt, so daß die! 109 aus Mähren, 69 aus Wien, 50 aus Galizien, 40 aus Neuordnung erst nach Ablauf dieser Frist ins Leben treten Böhmen, 22 aus Nieder-Oesterreich, 9 aus Schlesien, 1 aus kann. Für diesen Zeitraum sind also die jüdischen Kinder § Steyermark. Nach dem Bevölkerungsverhältniß lieferten also nur einstweilen zugelassen worden, und der Widerruf dieser! Mähren und Nieder-Oesterreich die meisten jüdischen Hand- Erlaubniß steht dem katholischen Schulvorstande jederzeit zu, j werter. Unter den Ausgaben sehen wir mit Befriedigung sobald eine Ueberfüllung der Schule oder sonstige Unzukömm-, auch beträchtliche Summen für „Verköstigung der Zöglinge lichkeiten für die katholischen Lehrer oder Kinder sich heraus-! am Seder-Abende und am Abend des Bersöhnungstagcs", stellen sollten.! für Abhaltung des Sonntags-Gottesdienstes, für Lesebücher Würzburg, 1. Febr. (Privatmitth.) Die längst beab-iund Zeichen-Requisiten u. s. w. Der Vermögensstand des sichtigtc Trennung der hiesigen Gemeinde von dem Distriks-; Vereins beläuft sich auf fl. 98,720. Rabbinate wurde mit großer Majorität, mit 108 gegen 57! Wien, 1. Febr. Das antisemitische Journal „Die Tri- Stimmen beschlossen und wird die Genehmigung der königl. büne" hat mit dem 26. Januar zu erscheinen aufgehvrt. — Regierung anstandslos erfolgen.! Die Aufführung des antisemitischen Tendenz-Stückes „Das •T*, ft v- -jj | goldene Kalb" von Stanislaus Debrzenski, welche in Straes erreichngarn. | konitz, Gitschin und in anderen czechischeu Städten beabsich- Wien, im Februar. (Privatmitth.) Der „Verein zur!tigt war, wurde von der Bezirkshauptmannschaft verboten, Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", i und hat die Statthalterei das Verbot auf ganz Böhmen ausder soeben seinen 41. Jahresbericht veröffentlicht hat, entfal-! gedehnt. lei eine musterhafte Thätigkeit. Die Zahl seiner Zöglingei Pest, 28. Januar. (Privatmitth.) Der Cultusminister ist in beständigem Wachsen, leider aber nicht seine Mittel. > Tresort sandte die in vor. Nr. besprochene Eingabe der sog. Der Bericht sagt hierüber: „Erhöhte Zöglingszahl, erhöhte Ausgaben, und als natürliche und unabweisliche Folge erhöhtes Deficit, das sind die Schlagworte des verflossenen Jahres 1883. Galt es doch für 696 Zöglinge — gegen 624 im Vorjahre — zu sorgen, wurden ja 250 — gegen 227 — neu orthodoxen Durchführungscommission an die israelitische Landeskanzlei mit der Aufforderung, diesbezüglich den Standpunkt der isr. Landeskanzlei, d. h. der Vertretung der Congreßgemeinden zu kennzeichnen. In dem Antwortschreiben wird zuerst darauf hingewiesen, daß in dem Elaborat der orthodoxen Durchführungscommission der eigentliche Inhalt ausgenommen, 84 — gegen 72 — zu Gesellen freigesprochen, des Memorandums der isr. Landeskanzlei gar nicht berührt, und waren es ja 509 gegen 446 Ende 1882 und 392 Ende also auch nicht widerlegt worden sei. Es heißt ferner: