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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-11 · Heft 7 (11.2.1884) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 7 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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und mit Recht darauf hin, daß Prof. vr. A. Wagner, der Bremen, 27. Jan. Die Seelenfeier für vr. Laster in gegenwärtige Judenhasfer, noch vor Kurzem die Ansichten der hiesigen Synagoge am 26. d. war äußerst zahlreich beseines Kollegen Stöcker in der Judenfrage nicht getheilt hat. sucht. Schon lange vor Beginn der Feier, welche auf 4 Uhr Hier soll nun ferner nachgewiesen werden, daß Herr Nachmittags festgesetzt war, hatte sich die Synagoge in allen Wagner noch vor wenigen Jahren der reactionäre Parteii mann, den er jetzt bei jeder Gelegenheit herausstellt, nicht war, daß er sich vielmehr auf seine Parteilosigkeit viel zu Gute thal. Auch vertheidigte sich noch vor wenigen Jahren Herr, vr. Wagner gegen den Verdacht „christlich-socialer" Gesinnung > und endlich neigte er sich der Socialdemokratie in seinen Anschauungen ziemlich bedeutend entgegen, während er jetzt ein über das anderemal versichert, niemals mit socialdemokra-! tischen Tendenzen etwas zu thun gehabt zu haben." j Und nun wird eine Reihe von Sätzen aus früheren Schriftstücken des Herrn Wagner, die höchstens bis ins Jahr! 1870 reichen, wörtlich angeführt, die auch nicht den geringsten Zweifel oder Widerspruch zulafsen. Wagner that sich etwas darauf zu Gute, sich weder mit Politik noch Confession, namentlich dem „Specisisch-Christlichen", zu befassen, sondern allein mit der wissenschaftlichen Nationalökonomie, und seine Lehren waren so entschieden socialistisch, daß die Socialdemokratie ihn als einen der ihren begrüßte. Zum Schlüsse heißt es: „Wir haben den Lesern den früheren Wagner vorgesührt. Derselbe neigte sich zur Socialdemokratie, er war kein Fudcnhetzer und kein Christlich-Socialer, er war human und unparteiisch — er diente lediglich der Wissenschaft, ganz abgesehen davon, ob seine Lehren falsch oder richtig waren. Da machte ihn plötzlich das Tabaksmonopol zum „Staatsmann" und Politiker — aus dem Professor entwickelte sich ein politischer Streber, und dieser letztere machte den Herrn Wagner zu einem Judenhasser und zu einem Freunde Stöckers, zu einem Christlich-Socialen und unduldsamen Streiter der Reaction!" Magdeburg, im Febr. (Privatmitth.) Wie aus kleinem Anfänge durch eifrige Fürsorge segensreiche Veranstaltungen zur Blüthe kommen, erweist der in hiesiger Gemeinde 1872 gegründete „Israelitischer Wittwen- und Waisen-Unterstützungs- Verein", der soeben seinen dritten Bericht über die Jahre 1874 — 1884 veröffentlicht hat. Er hat bereits 26 Waisen und 20 Wittwen unterstützt und dafür 15,310 Mk. verausgabt. Er war dabei in der glücklichen Lage, „allen an den Verein herantretenden billigen Ansprüchen im weitesten Umfange zu genügen," und kein Gesuch wegen mangelnder Mittel abweisen zu müssen. Am meisten Berdienste haben sich um den Verein Rabbiner vr. Rahmer und Oberstabsarzt a. D. vr. Rosenthal erworben. Trotz der reichen Unterstützungen die der Verein gewährte, hat sich das Vereinsvermögen zu 43,664 Mk. erhoben. ihren Räumen gefüllt. Herr Prediger Lewinger eröffnete die Feier mit Verlesung des 90. Psalms, woraus Herr Landesrabbiner vr. Feilchenseld aus Schwerin, ein Schwager des verstorbenen Lasker, die Kanzel bestieg und in längerer, tiefdurchdachter Rede nachwies, wie das Volk Israel zu allen Zeiten Männer aus seiner Mitte hervorgebracht hat, die ihm auf seinem schweren Gange durch die Zeiten Leiter und Führer gewesen sind, es ermuthigt und gehoben haben. Ohne auch nur den Namen Lasters zu erwähnen, hat Redner in dem Lebensgange Moses, von welchem die Thoravorlesung des gestrigen Sabbaths handelt, auf das Wesen und Wirken Lasters hingewiesen und dem aufmerksamen Zuhörer damit augedeutet, wie das, was ihn als Politiker und Menschen ganz besonders ausgezeichnet hat, in seiner jüdisch-religiösen; Erziehung wurzelt. Am Schlüsse seines schlichten und einfachen , aber aus dem Herzen quillenden Vortrags ermahnte Redner die Gemeinde, nach dem Vorbilde der edlen Männer Israels, durch Reinheit des Wandels und Lauterkeit der Ge- , sinnung die Lehren der mosaischen Religion vor aller Welt zu bethätigen und zu verherrlichen. Hierauf ergriff Herr vr. Stein aus Berlin, ebenfalls «ein Verwandter Lasker's, das Wort und sprach in längerer,! feuriger Rede das Lob desselben aus, indem er einzelne interessante Episoden hervorhob und seine, mitunter angezweifelte Anhänglichkeit an das Judenthum, die noch eine kurz vor seinem Tode in einem jüdischen Waisenhause zu New- Pork gehaltene Rede beweist, darthat. Mit dem von Herrn Prediger Lewinger ertheilten Segen schloß die Feier. I Breslau, im Febr. (Privatmitth.) Das jüdisch-theologische Seminar hat seinen Jahresbericht ausgegeben, welchem!eine interessante Abhandlung des Prof. vr. Gr ätz: „Die i jüdischen Prvselyten im Römerreiche unter den Kaisern Domi-!tian, Nerva, Trajan und Hadrian" vorangeht. Ami. April I erfolgte die feierliche Einführung des Seminar-Rabbiners vr. ^Israel Lewy, der bis dahin an der Lehranstalt für die i Wissenschaft des Judenthums in Berlin als Dozent des Tal-!muds fungirt hatte, statt. Das Seminar zählt gegenwärtig ,31 Jnscribirte. Unter den im verflossenen Jahre cingetrete-!nen 9 neuen Schülern sind nur 2 Ausländer, je einer aus! Ungarn und Rußland, was sehr erfreulich ist, da früher die Zahl deutscher, speciell preußischer Jünglinge äußerst gering! gewesen. Posen, 24. Jan. Tie Thatsache, daß der Vorstand der j katholischen Schule zu Jatroschin der dortigen jüdischen Ge i meinde gegen Zahlung von 75 Mark für Mitbenutzung der! Subsellien und von 250 Mark jährlich für die drei ange-

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