Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227509--41491-3309965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
104 im Interesse der unglücklichen Angeklagten sehr Vieles nicht an das Uriheil und an den Patriotismus des Herrn Abg. gethan hat, was zu thun ihm das Gesetz direkt vorgeschrie- Badnay; in welchem Zustande sich das Land befinden werde, ben haben würde. Es ist heute noch nicht an der Zeit jene wenn es ihm und seinen Parteigenossen gelänge, das Land Justizpolitik, welche in dieser Frage befolgt wurde, zu er- * 1 glauben zu machen, es gäbe im Abgeordnetenhause keine örtern. Zu einer Zeit, da es geschehen kann, daß ein ansehn- * anderen ehrlichen Leute mehr, als nur die Antisemiten? Wolicher Theil des Publikums Ungarns, einer der Faktoren der hin würde das führen, wohin müßte da Ungarn in der That ungarischen Meinung Ungarns, einen Fürsten Schwarzenberg ■ kommen? (Bewegung.) hochleben läßt (Beifall. Bewegung), dessen Oheim einem Haynau seine Instruktionen ertheilt hat (So ist's! Bewegung),! zu einer Zeit, da man in Ungarn einem Fürsten Windischgrätz Eljen zuruft . . . (Beifall. Andererseits Unruhe und j Rufe: Das ist keine persönliche Frage!) | Präsident: Ich bitte den Herrn Abgeordneten, bei der persönlichen Frage bleiben zu wollen. Karl Eötvös: Ich bin sogleich zu Ende. (Hört!) Ich wollte nur noch sagen, daß zu einer solchen Zeit, was immer auch von der Justizverwaltung begangen worden sein mag, eine unbefangene Erörterung ihres Borgehens nicht zu erwarten ist. Dies und nichts weiter, geehrtes Haus, habe ich sagen wollen. Und nun noch Eines. Derlei Verdächtigungen und Anklagen, wie sie gestern gegen mich gebraucht wurden, find leider in den letzteren Jahren unseres öffentlichen Lebens nicht ohne Beispiel und nicht selten. Allein ich wende mich an den Herrn Abgeordneten Vadnai, der sehr wohl weiß, daß gerade einige oder mindestens einer der Herren Antisemiten in seinem Blatte mit Bestimmtheit ausgesprochen hat, es gebe in diesem Hause kaum 50 Mitglieder, die nicht in den Händen und Taschen der Juden wären; — ich appellire Geehrtes Haus! Die gegen mich geschleuderten Verdächtigungen weise ich hier, vor dem geehrten Hause zurück. Ich erkläre, daß ich in dem Kampfe gegen den Antisemitismus dort war, wohin meine Pflicht mich rief und wohin mein persönlicher Einfluß mich wies, um dort zu wirken. Ich habe denselben bekämpft, so wie meine Kräfte es erlaubten. In jener einzigen großen Schlacht, die ich in Szabolcs ihm lieferte, bin nicht ich besiegt worden, sondern er. Er hat dann den Kampfplatz nach dem Somogyer und Zalaer Komitat verlegt. Dorthin bin ich ihm nicht gefolgt; dort konnte ich mich ihm nicht entgegenstellen; dort bedarf es der Bajonnete, des Statariums und des Galgens. Doch auch in Zukunft werde ich in dem Kampfe gegen den Antisemitismus in dem überaus geringen Kreise, der meinem Einflüsse noch eigen, der aber in Folge der nimmer rastenden Agitation sich immer mehr verengt, allezeit meine Pflicht erfüllen. Wohl werde ich wahrscheinlich verwundet werden, wie dieses auch in der Vergangenheit geschehen. Ich leugne es nicht: jene Wunden schmerzen mich; doch ergeht es mir mit diesen Wunden wie dem Soldaten mit der Blessur, die er sich auf dem Schlachtfelde geholt: jene Wunden, sie schmerzen mich, doch bin ich stolz auf sie." (Zustimmung und Eljenrufe.) gyn clc Deutschland. Berlin, 28. Januar. In den weitesten Kreisen der Stadt ist die würdige Haltung der Bevölkerung, die zu vielen tausend Köpfen herbeigeströmt war, um den Leichenzug Laskers zu sehen, mit Genugthuung ausgenommen worden. Die liberale Bereinigung (Secessionisten) hat beschlossen, dem Congreß der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Washington telegraphisch ihren Dank für die Ehrenbezeigung auszusprechen, welche der Congreß dem Heimgegangenen deutschen Staatsvertreter hatte angedeihen lassen. Uebrigens ist hier auch die Errichtung eines würdigen Grabdenkmals angeregt worden. — Wenn bei der Nachricht vom plötzlichen Tode Lasker's selbst die gegnerischen Blätter ihre Theilnahme ausdrückten, so hat sich dies seit der imposanten Beerdigung geändert. Selbst die „Nordd. A. Z." kann ihren Aerger darüber nicht verbergen. — Wie man hört, wird Justizrath Makower die Vertheidigung der Angeklagten bei der abermaligen Schwurge-! richtsverhandlung über den Neustettiner Synagogenbrand!führen. Berlin, 28. Januar. (Privatmitth.) Es ist in dieser Zeitung bereits bemerkt worden, daß dem Prof. A. Wagner! die Bersalität in Ansichten und Bestrebungen nachgewiesen worden, wogegen er sich mit Hand und Fuß sträubt. Um so mehr fühlt man sich verpflichtet, weitere Beweise gegen i ihn, der sich stets aus seine „wissenschaftliche Forschung und Ueberzeugung" beruft, zu führen, uud das hat er nicht schwer i gemacht, da man nur einige wenige Jahre auf Auslassungen; von ihm zurückzugehen braucht, die er damals mit demselben! Nachdruck und derselben Selbstüberschätzung, wie heute, that.! Die Berliner „Volks-Zeitung" vom 24. Januar bringt neue i Belege dafür heran. Sie sagt:! „In Nr. 286 der „Volks-Zeitung" wiesen Sie schon