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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-11 · Heft 7 (11.2.1884) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 7 (11.2.1884)
Date
1884-02-11
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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hängen ließ und ihn während des Verhöres des Lebens be-! Heits-Kommissäre, von welchen dort die Rede war, damals raubte; vielleicht wissen Ew. Excellenz auch, daß in einem! und auch seither wiederholt durch den kön. Gerichtshof in andern Komitat ein Sicherheits-Kommissär eine arme alte Nyiregyhaza wegen solcher im Laufe der Untersuchung be- Frau mit nackten Füßen auf glühende Kohlen stellen ließ! und sie in solcher Weise fast zu Tode torturirte. Ich setzte ferner hinzu: ob eine derartige Tortur gegen Moriz Scharf! in Anwendung kam, denn es war davon die Rede, könne ich nicht behaupten, denn ich habe keine sichere Kenntniß davon; wohl aber behauptete ich, daß man diesen damals 13' 2 Jahre alten Knaben des Abends von seinen Eltern und dem väterlichen Hause fortriß, zur Nachtzeit nach dem Hause des Sicherheits-Kommisiärs führte und ihn dort die ganze Nacht hindurch inquirirte, so daß der Untersuchungsrichter erst gegen Morgen ein Protokoll mit ihm aufnahm. Dies ist der Inhalt jener Eingabe, welche, ich wiederhole, nicht beiläufig vor einem Jahre, sondern im August 16*2 überreicht wurde und in welcher von der Tortur des Wassertrinkens, wenn ich mich recht erinnere, mit keinem Worte die Rede war. Wohl aber ist alles Dasjenige darin enthalten, was ich hier soeben gesagt habe. Dessen aber kann ich den Herrn Abgeordneten versichern: wenn mir ein anderer ähnlicher Fall zur Kenntniß kommen sollte, so würde ich ihn hundertmal und tausendmal immer wieder veröffentlichen insolange, bis nicht in Ungarn jener Barbarismus bei den Untersuchungen aufhört, welcher in alten Zeiten von manchen Sicherheits-Kommissären geübt wurde. Dies habe ich stets für meine Pflicht gehalten; dies werde ich auch künftig üben. Als ich Fiskal eines Komitats war, da war ich bestrebt, so manchen Stuhlrichter, so manches Organ der Untersuchung auf Grund solcher nachgewiesener Anklagen von seiner Stelle zu amoviren. Was ich damals als öffentlicher Beamter für meine Pflicht hielt, das halte ich jetzt als Gesetzgeber hundertfach für meine Pflicht; ich fühle sie als Advokat, ich fühle sie in jeder Eigenschaft meines persönlichen Wirkens. (Beifall.) Der Herr Abgeordnete möge dies zur Kenntniß nehmen. Der Herr Abgeordnete sagt ferner: „Ten Herrn Abgeordneten Karl Eötvös, dessen Abwesenheit ich aufrichtig bedauere, fordere ich mit so viel Achtung als er verdient, auf, mit jenen Daten hervorzutreten, auf welche er seine den guten Ruf unserer Gerichte beschmutzenden Behauptungen basirt. “ Bezüglich dessen, was ich in jener Eingabe sagte, kann der Herr Abgeordnete die amtlichen Daten sich verschaffen: sei es bei dem Gerichtshöfe im Borsoder Komitat oder im Komitatsgefängniß, wo — wie mir scheint — der Angeklagte sitzt; sei es im Gefängniß des Komitats Bacs-Bodrog, wo — wie mich dünkt — der andere angeklagte Sicherheitskommiffär sitzt; doch kann er sich dieselben auch im Szabolcser Komitat verschaffen, wo gerade einer jener Sichergangener Mißbräuche verurtheilt wurde. Andor Badnay: Sie haben die Waffertortur erwähnt'. Karl Eötvös: Ich wiederhole: ich habe dies dort nicht behauptet, sondern in einer an den Gerichtshof gerichteten Eingabe habe ich mich auf die in den Blättern publizirten Berichte berufen, wonach in Tißa-Lök oder sonst irgendwo die Jnquisiten mit Waffertrinken torquirt und vor den Pferden einher gehetzt wurden; ohne diese Anklagen zu den meinigen zu machen, habe ich den Gerichtshof einfach auf dieselben aufmerksam gemacht, indem ich ihm die betreffenden Zeitungen zusandte. Dieses ist geschehen, dieses lag in meiner Pflicht und ich glaube, der Herr Abgeordnete, der jetzt den antisemitischen Standpunkt vertritt — was er damals vertreten hat, ist mir unbekannt (Heiterkeit) —, hätte, von jenen Sachen in! Kenntniß gesetzt, ebenso gehandelt, vorausgesetzt, daß er auf dem antisemitischen Standpunkt hiezu sittlichen Muth gefunden hätte. Im Uebrigen erkläre ich jenem Herrn Abgeordneten, deffen Recht, mich hier zur Verantwortung zu ziehen, ich nicht anerkenne, wohl aber seine Berichtigung, den Justizminister verantwortlich zu machen, — ich erkläre ihm also, daß ich dafür sorgen werde, daß die amtlichen Urkunden und Daten jenes merkwürdigen und selbst an den Ufern des At-! lantischen Oceans mit reger Aufmerksamkeit verfolgten Pro-! zesfes in möglichst kurzer Zeit vor der Oeffentlichkeit erscheinen werden, und ich versichere den Herrn Abgeordneten und , nicht minder den Herrn Justizminister, daß er sich dort un-! zweifelhaft aus amtlichen Daten von weit betrübenderen j Dingen überzeugen wird, als jene sind, welche ich vor dem j Nyiregyhazaer königl. Gerichtshöfe anzuführen für nöthig erachtete, von weit ttaurigeren Mißbräuchen, deren einige noch! vor Gericht zur Verhandlung kommen werden, die ich aber anzuführen im Jntereffe meiner Klienten nicht für nöthig erachte. Ich habe von diesen Mißbräuchen geschwiegen, um nicht durch derartige Erörterungen den gegen unsere Gerichte immer mit so großer Vorliebe vorgebrachten Anschuldigungen noch weitere Nahrung zu geben. Aber der Herr Justizminister wird sich auch davon überzeugen, oder wenn er nicht, so doch das große Publikum, : daß der Herr Minister wohl vor Gott und der Welt seiner! Auffassung nach mit Selbstgefühl sagen mag, daß er in dieser ganzen Angelegenheit unpatteiifch gewesen, allein die Welt! wird sich, ich wiederhole das, wenn dereinst der Qualm des Antisemitismus, der jetzt die Atmosphäre erfüllt, gänzlich verflüchtigt sein wird, — davon überzeugen, daß der Herr Justizminister auf dem Gebiete der Justizverwaltung gerade

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