Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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_93 Verehrung sie bei den niedersten Schichten der jüdischen Be- — Man schreibt aus Frechen (beiKöln) vom 23.Jan.: völkerung genoß. Der Leichenzug zählte nach Tausenden; Heute feierten Hierselbst die Eheleute Samuel Kaufmann und die Waisen und Wittwen, die Elenden und Dürftigen hatten Gudula Kaufmann, geb. Mayer das Fest ihrer goldenen an ihr im wahren Sinne des Wortes eine Mutter verloren. Hochzeit. Die Jubelbraut zählt 79 und der Jubilar 2ln ihrem Grabe sprachen Herr Dr. A. Ehrlich und ein 30 Jahre. Beide sind noch rüstig und erfreuen sich der Rabbinatsverwescr. Mit Recht konnte Ersterer sagen: „Das besten Gesundheit; sie haben 5 Kinder und 6 Enkel. Der Weihe- und Lichterfest, das uns ciugeht, wird den Zahllosen, Kaiser verlieh dem Jubelpaar die Ehejubiläumsmedaille. An denen sie eine Stütze gewesen, eine trübe Zeit der Trauer, dem Feste betheiligten sich fast alle Einwohner unsres Ortes Tage der Finsterniß. Die Makkabäerin, die mit Darangabc ohne Unterschied des Standes und Glaubensbekenntnisses, ihrer eigenen Gesundheit, ihres eigenen Lebens so manches ein Beweis des schönen Einvernehmens, in welchem die Be- Opfer dem Schattenreiche abgerungen, ist mitten aus ihrer kenncr der verschiedenen Confessionen zu einander stehen. Wirksamkeit auf der Walstatt abgerufen worden." — Sanft ruhe ihre Asche! Ieuilleton. Ritt nach dem Todten Meer. Bon Ferdinand Gregorovius Gregorovius theilt in der Zeitschrift „Ilnsere Zeit", 9fr. 1 aus seinem Tagebuche die Schilderung eines Rittes von Jerusalem zu dem Todten Meere und zurück, ausgeführt am 26. März 1332, mit. Tie lebhafte und warme Art, der scharfe und doch anziehende Ausdruck, welche die Darstellungen Gregorovius', sowohl die historischen, wie die landschaftlichen auszeichnen, sind längst anerkannt. Wir heben deshalb aus diesen Mittheilungcn das uns Jnteressirende heraus. Wir übergehen dabei den schon oft geschilderten Weg zum Todten Meere. Er bemerkt hier: „Zum letzten Mal betrachten wir, uns umwendend, das erhabene Stadtgemälde Jerusalems; dann versinkt cs hinter fahlen Bergen, an deren Flanken wir immer tiefer niedersteigen. Ta der Tempelberg 760 Meter über dem Mittclmcere steht, und das Todte Meer, der tiefste Abgrund der Erde, 394 Meter unter dessen Niveau gelegen ist, so haben wir bis zu ihm 1154 Dieter hinabzureitcn. In der trostlosen Bergwildniß sind weder Dörfer noch Zeltlager sichtbar, nur hier und da Kamele und schwarze Ziegeuheerden, welche Beduinenkinder hüten. Am Wege kriechen große Eidechsen und lange schwarze Würmer ekelhaften Ansehens. Nicht alles Leben ist hier abgestorben. Aber wovon nähren sich in diesen Steinwüsten Schakale und Hyänen? Sie hungern; denn sonst würden sie nicht Leichen aus den Grüften scharren. Tie öden Gesilde um Rom sind Paradiese in Vergleich zu den steinigen Wildnisicn, welche Jerusalem umgeben. Keine Spur von Menschcnwerken ist hier, außer in Nekropolen und Felsengräbern; kein Denkmal erinnert an die Könige und großen Männer Israels. Wenn man nur eine Stunde weit von der heiligen Stadt sich entfernt, befindet man sich in Urwildnisien, die nie eine Geschichte gehabt zu haben scheinen." — „Wir befinden uns auf dem Höhenzuge, welcher das Vorgebirge Ras-el-Feschkah absenkt, doch nehmen wir eine nordöstliche Richtung. An Krcidehügeln vorüber, die so geformt sind wie die Thonhügelreihen bei Siena, gelangen wir auf die letzte Stufe des Gebirges Juda, und vor uns liegt die große Jordanebene, das Ghör, und der Abgrund des Todten Meeres. Sein dunkelblauer Spiegel ruht in einem Rahmen bronzefarbiger Gebirge. Weißer Dunst verschleiert sein Südende. Nordwärts das Gh6r mit Bergzügen und auftauchenden Kuppen. Den Lauf des Jordans verhüllen grüne Streifen, und diese sind von gelben Wüsten eingefaßt. Ich sah glanzvollere Landschaftsgemälde, doch keines von so fremdartig feierlicher Schönheit. Sie ergreift wie der dunkelglühende, tief schwärmende Geist des Alten Testaments. Es > ist in Wahrheit ein hohes Lied der Natur. Staunen muß! hier jeden fühlenden Menschen erfassen, und ehrfürchtige Scheu,! als ob vor seinen Blicken plötzlich ein göttliches Geheimniß entschleiert ist. Tie Linien und Formen der Gestade, maje-? statisch und voll düsterer Pracht, die finstre Bergwand Moabs, : die Purpurfluth des Meeres, die bleichen Wüsten und dieser i flammende Himmel würden das Schauspiel zauberisch machen,; auch ohne die Vorstellung von den Mythen der Urzeit, die; den See von Sodom umschweben. Todesstille ruht auf ihm, wde Verlassenheit von Jahrtausenden. Hinter jenen Gebirgen liegt das räthselhafte Land Arabien.! Unsere Vorstellungen vom Todten Meere sind ganz irrig, j Wenn Gott in seinem Zorn die blühenden Thälcr, durch j welche einst der Jordan zwischen Palmcnhainen herabströmte, j vernichtet hat, so war noch fein Fluch schöpferisch, da er an ' ihre Stelle eines der wunderbarsten Gemälde der Erde gej hat. Der furchtbare Salzsee strahlt in Jrisfarben, wie! nur ein Golf Siziliens, oder der Meerbusen von Korinth, i Aber sein Schein ist dunkler, wie von geschmolzenem Metall, I seltsam und geisterhaft. Ich würde es natürlich finden, wenn