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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-04 · Heft 6 (4.2.1884) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 6 (4.2.1884)
Date
1884-02-04
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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92 und dort zum Christenthum übertreten wolle. Herr Philipp wandte sich um Intervention in dieser Sache an den Kirchenfürsten, den Verweser des griechisch-katholischen Erzbisthumes, Sembratowicz, sowie an den Kommissar des Klosters, Domherrn Bielecki, welche ihm erklärten, daß sie in dieser Sache nichts thun könnten, da das Mädchen im Kloster eine Zuflucht gesucht habe, die ihm nicht verweigert werden könne; nur wenn es selbst den Wunsch aussprechen sollte, aus dem Kloster scheiden zu wollen, könnte es freigegeben werden. Auch auf die Erklärung des Herrn Philipp, daß er dem Den Taufakt vollzog Bischof Semdratowicz persönlich. Als Taufpathen fungirten: der Landtags-Abgeordnete Geheimrath Graf Russocki und Statthalterin Frau Zaleska. Man sieht hieraus, wie in Galizien die katholische Geistlichkeit sich über das Landesgesetz hinwegsetzen darf und die staatlichen Organe sie dabei unterstützen. Nußland. Warschau, 15. Januar. Der Regierungs-Senat kassirte mittelst Entscheidung vom 2. Jänner den im Jahre 1882 Mädchen keine Hindernisse in den Weg legen werde, wenn! gefaßten Beschluß, wonach den Juden in Rußland untersagt sie zum Christenthum übertreten wollte, er wünsche nur, daß! wurde, außerhalb der Städte und Städtchen, in denen sie ihm seine minderjährige Tochter ausgefolgt werde, wurde ^hren ständigen Wohnsitz haben, sich aufzuhalten, sowie lieseinem Verlangen nicht entsprochen. Durch die Ermahnungen, gende Güter zu erwerben. Diese Entscheidung des Senats und Zureden während mehrerer Besuche hatte cs Herr Philipp! erfolgte in Berücksichtigung zahlreicher von russischen Herrnach einigen Tagen dahin gebracht, daß das Mädchen in Gegen-| schaftsbesitzern überreichten Petitionen, in denen nachgewiesen wart der Klostervorsteherin Rosalia Kowelska, und derJndustrialwurde, daß der Werth des Grundbesitzes und der Hypothekarlehrerin erklärte, dem Vater folgen zu wollen. Die Vorsteherin kredit in Folge jener Maßregeln bedeutend gesunken sei. wollte Regina Philipp jedoch nicht ziehen lassen und bemerkte, Warschau, 18. Jan. Die jüngste Nr. des Warschauer daß dieselbe nur auf eine schriftliche Bewilligung seitens des > Amtsblattes bestätigt, daß vom Neujahr (alten Styls) ab den Domherrn Bielecki freilassen könne. Der Vater eilte nunösterreichisch ungarischen Juden die Niederlassung in Rußmehr wieder zum Domherrn, welcher es als Bedingung der land untersagt ist. Die schon Ansässigen haben entweder Freilassung bezeichnet, daß das Mädchen in seiner Gegen-i die russische Staatsbürgerschaft anzunchmen oder Rußland wart den bezüglichen Wunsch äußere, und versprach, sich Nachzu verlassen, wovon die österreichisch ungarische Regierung mittags zu diesem Zwecke im Kloster einfinden zu wollen.! bisjetzt nicht verständigt ist. Der Domherr stellte sich denn auch ein, das Mädchen aber! - - - hatte einstweilen wieder seine Entschließung geändert und erklärte angesichts des Prälaten, im Kloster bleiben;u wollen. Mittlerweile hatte Herr Philipp auch die Intervention des Lemberger Polizei-Directors angerufen, aber ohne Erfolg. Er sprach daher beim Statthalter vor, welcher ihn auf den Rechtsweg wies. Da dieser Weg aber ein sehr langwieriger ist, so suchte Herr Philipp wenigstens einen Aufschub der Taufe seiner Tochter bis zu dem Zeitpunkte zu erzielen, da die Sache endgültig erledigt sein wird. Da der Statthalter Bonn, 27. Jan. (Notizen.) Man schreibt uns aus Riga, 21. Jan. In der Sabbathnacht vor Chanukkah ist hier eine edle, seltene Frau aus dem Leben geschieden, die cs wie je eine ihres Geschlechts verdient, daß ihr Name in diesem dem Judenthume geweihten Blatte zum gesegneten Andenken verzeichnet bleibe. Frau Elka Br a in in hat nur ein Alter von 57 Jahren erreicht; aber die größere Hälfte ihres Lebens hat sie in beispielloser Hingebung der leidenden Menschheit gewidmet. Selbst eine hochgebildete Frau, die indeß nach Wien gereist war, verfügte sich Herr Philipp zu Tochter des bekannten weil. Ch. Sack aus Szagarren, sorgte dem Statthaltereileiter Löbel, welcher ihn an einen Bezirks sie für die gründliche Ausbildung ihrer Kinder in umfassendhauptmann wies, dock auch hier waren die Bemühungen ver-! ster Weise, und ihr ältester Sohn, Herr Di-. S. Brainin, geblich. Das Mädchen bleibt daher nach wie vor im Kloster,! der als angesehener Arzt hier lebt, ist der Verfasser des poin welches einzutreten sie, wie Herr Philipp in Erfahrung pulär-medizinischen Werkes n~N (Wilna, Romm 1882). brachte, von zwei christlichen Mitschülerinnen veranlaßt wor- | Allein was sie den Ihrigen gewesen, tritt zurück in den den sein soll. Herr Philipp, welcher aus Lemberg nach Prag! Schatten vor dem, was sie den Armen war. Seit länger zurückgekehrt ist, beabsichtigt von da aus den Rechtsweg zu betreten. als 30 Jahren war sie die Beratherin und Helferin in jeglicher Noth und jeglichem Elend. Ihr Haus war den Tag Hierzu wird nun vom 21. Januar gemeldet: Das vierzehnjährige Judenmädchcn Chane Rifke Philipp, welches Schulkolleginnen und Ordensschwestern zum Religionswechsel beredet hatten, wurde gestern in der Hauskapelle des Basilianerinen-Konvents trotz des dem Ministerium seitens des Vaters der Neophitin überreichten Aufschubsgesuches getauft. über der Sammelpunkt der Armen, der Wittwen und Waisen. Vorsteherin des Frauenvereins, war sie dessen mächtigste Stütze. Sie scheute keine Mühe, kein Opfer, wo es galt, Mangel und Krankheit zu lindern, bis sie schließlich ein Opfer ihrer rastlosen, aufreibenden Thätigkeit wurde. — Ihr Leichenbe» gängniß am rojn z~y zeigte denn auch, welche Liebe und

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