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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-04 · Heft 6 (4.2.1884) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 6 (4.2.1884)
Date
1884-02-04
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 orthodoxen Judcnschaft Ungarns nach jener beurtheilen. Die! Maßregeln namentlich in Bezug auf die Tolmudfchulen er- Orthodoxen protestiren dagegen, daß man das Odium bcr | ticfec, einige von ihren Anhängern zu sich berufen und mit bei der Führung der Matriken hie und da vielleicht vorj ihnen die Sache besprechen werde. Damit der feindselige Geist kommenden Mängel auf die Orthodoxen wälze. Die Matriken i gegen das Judenthum schwinde, sei es auch nothwendig, daß sich der letzteren sind im Allgemeinen tadellos. Für ein etwa das Judenthum in allen gesellschaftlichen Beschäftigungen der vorgekommenes Versäumnis; könne man nicht eine ganze j christlichen Bevölkerung nähere. Er gebe ihnen daher den Konfession verantwortlich machen. Gegen die Schuldtragenden; guten Rath, daß sie ihre Kinder auch zu Handwerkern und möge gesetzlich vorgegangcn werden, und wenn man die Ab-! Ackerbauern erziehen mögen. Der ungarische Staat werde sicht hegt, die strengsten Maßregeln einzuführen, so haben ohne Zweifel die Sicherheit ihrer Person und ihres Berdie Orthodoxen nicht die geringste Einwendung, wenn die Hnögens schützen; wenn sie sich aber bilden und entwickeln, Maßregeln nicht den Charakter der Spezialmaßnahmen bc j wie vorhin gesagt, dann werden auch die Vorurtheile schwinsitzen. Die Kongressisten — heißt es zum Schlüsse — haben! den und es werde keine specielle Vertheidigung nothwendig durch ihr Memorandum und unter dem Titel der Gemeinde > sein. Die Mitglieder der Deputation dankten für den freundlichen Regelung die langsam wiedergekehrte Ruhe gestört; doch Empfang und entfernten sich unter Eljenrufen aus den Minister, mögen sie zur Kenntniß nehmen, daß eine Macht, welche die! Lemberg, 21. Januar. Ein neuer Mortarasall! Orthodoxen bewegen könnte, ihren religiösen Standpunkt zu! Die „Bohemia" stellt diesen Vorgang folgendermaßen dar: verlassen, nicht existirt! Sic vertrauen aus ihre vom Könige Herr Philipp, Modewaareuhändler iu Prag, war in erster gesicherten Rechte und finden in der vierzigjährigen ruhmreichen Ehe niit einer Tochter des Wolf Kreps in Lemberg vermählt, Thätigkeit des Ministers zu Gunsten der Gewissensfreiheit und als seine Gattin vor etwa zehn Jahren starb, kam ihr Garantien dafür, daß man ihre heiligsten religiösen Interessen! damals fünf Jahr altes Mädchen Regina recte Chaje Rive nicht verletzen werde. Sic bitten, daß man ihren der Billigkeit,! Philipp zu den Großeltern nach Lemberg. Philipp, welcher dem Rechte und der Gerechtigkeit entsprechenden Standpunkt I sich seither wieder vermählt hatte, glaubte sein Kind bei seinen berücksichtigen möge. . tvohlhabeuden Schwiegereltern gut versorgt und so kam es, Diese Denkschrift wurde dem Minister durch eine Tepudaß er dasselbe in Lemberg beließ, mit demselben aber in tation überreicht.! regem schriftlichen Verkehre stand. Im verflogenen Jahre Eine Deputation der orthodoxen Juden erschien heute! wandte er sich an seine Schwiegereltern mit dem Ersuche, beim Kultus- und Unterrichts-Minister; sie überreichte ihm das Mädchen mit einem Besuche nach Prag zu senden, ein eine Denkschrift und bat um Würdigung ihrer darin ent Ansuchen, welches damals unerfüllt blieb. Im verflossenen haltenen Wünsche.! Dezember erhielt Herr Philipp eines Tages ein Telegramm Minister Trefort machte sie aufmerksam, daß ihre Ge-, ans Lemberg, worin ihm mitgetheilt wurde, daß seine Tochter meindc Angelegenheiten sich in höchster Verwirrung befänden; verschwunden sei und gleichzeitig angesragt wurde, ob das diese müßten daher definitiv durch ein Gesetz geordnet werden, | Mädchen nicht vielleicht bei ihm in Prag weile. Herr Philipp Allein bis dies möglich, sei es nothwendig, in dieser Richverneinte dies in einem Telegramme, iu welchem er gleichtung administrative Maßregeln zu treffen. Mit dcn^Rechtcn zeitig um nähere Aufklärung bat. Da diese nicht sofort eiustehen auch Pflichten in Verbindung und sie hätten Haupttraf, suchte der besorgte Vater die Hilfe der Prager Polizeisächlich die folgenden Pflichten zu erfüllen: 3. Müssen Direktion an und in entgegenkommendster Weise traf Herr sie ihre Matrikeln ordentlich führen; der gegenwärtige Zu- Hofrath Polizcidirektor Rittter v. Stejskal die nöthigen Verstand, bei welchem es geschieht, daß in einer Gemeinde von anflaltungen, als Herr Philipp die telegraphische Kunde aus 1500 Seelen im Juni noch kein einziger Fall immatrikulirt Lemberg erhielt, daß das Mädchen ermittelt worden sei und ist, sei unhaltbar. 2. Wo sie keine ordentliche Schule haben, - sich in dem Basilianer Ordens Nonnenkloster in der Stryjermüffen sie ihre Kinder in die Simultanschule schicken. 3. Ihre gaffe zu Lemberg befinde. Am 23. Dezember reiste hierauf Rabbinen müssen qualisicirte Männer sein; cs genügt nicht, i der Vater nach der galizischeu Hauptstadt, wo ihm nach seiner wenn sie in den hebräischen Dingen bewandert sind, sondern > Ankunft von seinen Verwandten bestätigt wurde, daß seine sie muffen wie die Geistlichen aller Confcssioncn Schulung > Tochter im Kloster weile, und daß es bisher keinem derselben und Bildung besitzen. Die Talmud-Thora-Schulcn müssen so! gelungen sei, in das Kloster Zutritt zu erlangen und mit dem geregelt werden, daß man in dieselben nicht kleine Kinder > Mädchen zu sprechen. Run verfügte sich der Vater selbst ins aufnimmt, die dann unter dem Borwand, daß sie die Talmud- Kloster; der Eintritt wurde ihm gestattet, das Mädchen wurde Thora besuchen, jedem Unterricht entzogen werden. Uebrigens wiederhole er der Deputation, was er den Anhängern der Kongreßpartei gesagt, daß er, bevor er einzelne von zwei Ordensschwestern vvrgeführt, wollte aber vom Vater nichts wissen und erklärte aus alles gütliche Zureden desselben, daß sie ihm nicht folgen, sondern im Kloster bleiben 6*

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