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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-04 · Heft 6 (4.2.1884) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 6 (4.2.1884)
Date
1884-02-04
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Unterrichtes große Schwierigkeiten entgegenständen. Publikums. Möge sich der Bund bekannt machen, dann Mehrere Vorlagen und viele Vorschläge seien bereits vorj werden sich genug Leute finden, welche uns vor dem behänden, deren kritische und kombinatorische Behandlung in, schämenden Borwurfe bewahren werden, daß wir für deutsch- Angriff genommen werden solle. Speciell über den Religionsjüdische Zwecke kein Geld und keine Opferwilligkeit hätten, unterricht und über den sogenannten Berliner Normalplan j Göitingcn, im Januar. (Privatmitth.) In jetzigen, referirte sodann unter lebhaftem Beifall der Versammlung! durch betrübende Ausgeburten des Antisemitismus häufig sich Herr Professor Steinthal. Nachdem noch einige aus den! kennzeichnenden Zeiten ist es gewiß wohlthuend, einmal ein Reihen des Publikums gestellte Fragen (so über die Stellung des Bundes zur Alliance) vom Borslandstische aus beantwortet worden, nahm Herr Profeffor Lazarus das Wort zu einer Schlußrede, aus der wir wenigstens Einiges aphoristisch hier anführen wollen. Im Alterthum sei die Judenheit erst politisch und dann durch die Hierarchie zusammen gehalten worden. Nach deren Aufhören blieb die Erhaltung schönes gegentheiliges Beispiel berichten zu können: Am jüngsten Sonntage wurde unscrm, im benachbarten wohlhabenden Dorfe Geismar wohnenden, anerkannt rechtschaffenen und steißigen, jedoch in bescheidenen Verhältnissen mit seiner Familie lebenden Synagogeudiencr Herrn Hausmann in Veranlassung feiner silbernen Hochzeit von fast sämmtlichen Bewohnern des ziemlich großen Ortes eine der Religion einzig auf die Idee beschränkt. Doch auch ohne j wirklich seltene Theilnahme bethätigt. Der örtliche Gesangäußere Machtmittel hätten sich die jüdischen Institutionen! verein leitete Abends die Feier durch schönen Gesang unter erhalten, zugleich Frucht zu Kern und neuer Frucht. Von Ucberreichung eines werthvollen Geschenkes ein, welchem noch aller Organisation innerhalb des Judenthums sei nur die viele andere von den Ortsbewohnern und aus hiesiger Ge- Gemeinde übrig geblieben, deren Pflege uns daher in erster Linie obliege. Das Gemeindeleben solle der Gemeindebund stärken, aber er solle noch mehr thun, er solle etwas hinzufügen zur Kraft des Gemeindewesens überhaupt. Zwar sei das Organisationstalent der Juden stets gering gewesen, schon ihr erster biblischer Organisator sei ein Nichtjude gewesen, Jithro. Auch uns ständen solche Jithro's zu Gebote, wir sollten aber, wie einst Moses ihnen folgen. — Historisch sei ferner die Mißachtung der Juden gegenüber kleinen und langsamen Erfolgen; dies aber seien die wahrsten und nachhaltigsten Erfolge'). Ein zündender Aufruf zum Anschluß an den Gemeindebund schloß die vielfach vom Beifall des Publikums unterbrochene Rede. — Nachdem zum Schluß noch die Versammlung dem Herrn Dr. Kristeller für seine unermüdliche Thätigkeit gedankt hatte, bedeckten sich die ausliegenden Beitrittslisten bald mit einer ansehnlichen Zahl von Namen und Beiträgen. Wir können nicht schließen, ohne den Wunsch auszusprechen, daß der Ausschuß solche Versammlungen nicht nur in den verschiedenen Stadttheilen von Berlin, sondern auch in anderen großen Gemeinden veranstalten möge. Wenn der Bund wenig außerordentliche Mitglieder hat, so liegt das nicht an dem bösen Willen, sondern an der Unkenntniß des l) Wenn unser Corresp. die Aeußerungen des geehrten Rednerrichtig wiedergegeben, fo können wir sie nicht ohne Gegenbemerkungen lassen. Der ganzen »mosaischen Gesetzgebung gegenüber den Rath Jithros (2 M. 18) als Beweis für den Mangel an Organisationstalent zuerst bei Moses, dann bei allen Juden auszugeben, kann doch wohl nur als ein scherzhafter Einfall betrachtet werden. Wenn man bedenkt, daß die Juden in ihrer ungeheuren Zersplitterung überall, wohin eine kleine Zahl gekommen, es verstanden haben, sich eine Gemeinde, einen Kultus, eine Armenpflege, eine Unterrichtsanstalt und einen Friedhof zu organisiren, dieselben durch viele Jahrhunderte ohne weltliche Macht zu erhalten und, so oft diese von ihren Haffern vernichtet wurden, sie immer wieder herzustellen: so ist es gemeinde sich anreiheten; — dann vereinigten sich Männer und Frauen — auch der Ortsprediger mit Gattin, so wie der Cantor — in zwei großen Sälen eines Gasthauses zu einem frohen einfachen Mahle und nachherigcn Tanz, der bis in die späte Nacht währte und durch keinen Miston gestört wurde. — Einsender dieses war tief ergriffen von dem herrlichen Geist wahrer Bruderliebe dieser schlichten biedern Leute, die ihre allerdings recht beliebten jüdischen Mitbewohner so hochgeehrt, und schied mit dem aufrichtigen Wunsche, daß solche Gesinnungen immer mehr Wurzel fassen und Früchte tragen möchten. -Heilbronn, 20. Januar. Die „Neckar-Zeitg." schreibt: Unter großer Theilnahme seiner Freunde und Glaubensgenoffen wurde gestern Vormittag der nach längerem Kranksein im Alter von 64 Jahren verstorbene hiesige Oberlehrer Herr Jakob Löwen st ein auf dem israelitischen Friedhof bestattet. Am Grabe sprach außer dem Rabbiner Herrn Eh-. Engelbert und dem Lehrer Herrn M. Dreyfuß, auch einer der ältesten Kollegen des Verstorbenen, der penf. Oberlehrer Liebmann von Stuttgart. Die Volkspartei, welcher Löwenstein als hervorragendes und sehr einflußreiches Mitglied angchörte, ließ durch ihren Vorstand einen Lorbeerkranz auf das Grab niederlcgen. Für die hiesige israelitische Gemeinde ist der Tod ihres Mitbegründers und Bcrathers in allen Vermiß ungerechtfertigt, ihnen Organisationstalent abzusprechen. — In dieselbe Kategorie scheint uns die zweite Behauptung zu gehören, daß die Juden gegen kleine und langsame Erfolge gleichgültig wären. Biele Jahrhunderte hindurch waren die Juden gezwungen, sich im Leben mit kleinen Erfolgen zu begnügen, und nur höchst selten war es einem oder dem anderen gestattet, durch eine kühne Spekulation sich emporzuschwingen. Die ungeheure Mehrzahl der Juden vermochte nur durch einen Ameisenfleiß, der Körnchen auf Körnchen, Hälmchen auf Hälmchen schichte:, sich das Leben zu fristen und zu Besitz zu gelangen. Wir sprechen dies nicht aus Vorurtheil, sondern aus der Beobachtung der Thatsachen aus. Redaktion.

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