Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 6 (4.2.1884)
- Date
- 1884-02-04
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 mus begehen will, dann gewiß auf keinen Fall. Jeder Bolksstamm hat seine ihm in der Weltgeschichte zugewiesene Rolle, einer löst zeitlich darin den andern ab und wenn wir von diesem Gesichtspunkt aus die zwei Rassen, welche am einschneidendsten in die Geschichte eingegriffen, die semitische und indogermanische, betrachten, so wird sich das Bild wesentlich anders und zwar sehr zu Gunsten der erstern gestalten. ihrer hohen religionsgeschichtlichen Mission, worin sie mit keinem andern Bolksstamm zu vergleichen sind." Nach solchen Ausführungen, wie ähnlichen Chwolsons und Asreds v. Kremer, darf wohl das Märchen von der Inferiorität der Semiten als endgültig beseitigt gelten. Unser Verfasser weist übrigens nach (S. 46 ff.), wie würdig und hochgeachtet früher bei den meisten semitischen Völkern Wir muffen hier vor allem Eins bedenken, daß uns nämlich. speziell die Stellung des Weibes war, die erst seit dem Bervon den Semiten schon in einer Zeit Kunst- und Literaturfall der arabischen Civilisation verloren gegangen ist. denkmäler vorliegen, wo wir von indogermanischen Völkern dergleichen noch nichts kennen; daß die Semiten schon Staaten bildeten, daß bei ihnen schon die Anfänge wissenschaftlicher Disziplinen vorhanden und daß sic im Besitz einer industriellen und materiellen Kultur waren, von der in manchem wir Völker des Abendlandes heute noch zehren — und das alles in einer Zeit, die noch in die vorgeschichtliche Periode der indogermanischen Völker fällt; daß ferner in geistiger wie materieller Beziehung die Jndogermancn vielfach, als zeitlich in ihrer Blüthe auf die Semiten folgend, nur Erben der letzteren gewesen sind, und nur, wie ja bei einer fort- Je unparteiischer und gerechter hier Herr Pr. Hommcl verfährt, um so verwunderlicher sind seine Anschauungen über die moderne Judenfrage, über welche er sich, man weiß nicht weshalb? ausführlich ausläßt <^S. VII f. 67 f.). Er stellt da die kühne Behauptung auf, die Juden seien überhaupt keine ächten Semiten mehr, sondern hätten mit dem Aufgeben ihres semitischen Idioms zugleich die Seele und die edelsten Seiten ihres Charakters verloren. Er erkennt deshalb nur diejenigen Juden an, die noch hebräisch sprechen und sich ausschließlich dem Studium ihrer eigenen Litteratur widmen, „welche sich die Thränen des Heimwehs in Leid schreitenden Entwickelung nicht anders zu erwarten, das, was > und Sehnen noch nicht durch den Mammon, diesen modernen sie von ihnen bekamen, weiter ausbildetcn." Auf diese Be-! Judengott, ersticken ließen!'." Als ob es gar keine anderen merkungcn, deren Richtigkeit niemand bestreiten dürste, weiter > modernen Juden gäbe, als Anbeter des Goldes, und als ob bauend, weist dann der Berfaffer auf die geistige Verkommenauch unter den jüdischen Geschäftsleuten nicht zahllose edle heit des Abendlandes im frühern Mittelalter hin, während! und wackere Menschen existirten'. Diese Phrasen Hommels nun abermals Semiten, die Araber, die Civilisationsarbeit! sind zu lächerlich, um einer Widerlegung zu bedürfen. Wenn wieder aufnahmen, ein Kulturreich gründeten, das nur mit der Verfasser hinzufügt: daß ihm bei diesen völkerpsychodem römischen verglichen werden kann, eine Menge von logischen Erörterungen nichts ferner lag, als ein auch nur Wissenschaften gründeten oder weiter entwickelten und allerleisestes persönliches Motiv gegen irgend einen jenes Volkes, orten die vielbcwunderten Lehrmeister der abendländischen unter dessen Orientalisten ich edle Freunde besitze" — so cr- Völker wurden. Hauptsächlich vom semitischen Orient her i kennen wir darin nur eine jener heuchlerischen, aus persöndrangen Erfindungen und Verfeinerungen in das nahezu barbarische Volksleben Europas ein. Der Verfasser macht ferner darauf aufmerksam (S. 41), daß die arabische Grammatik und Lexicographie in einer Weise entwickelt sind, daß weder Griechen noch Germanen jemals so fein ihre eigene oder eine andere Sprache durchforscht haben; ferner daß das Schulwesen fast zu allen Zeiten und zum Theil noch jetzt bei den Semiten eine bei weitem höhere und wichtigere Rolle als bei den Ariern gespielt, wie überhaupt auf die Ausbildung des Geistes der Semite von jeher großes Gewicht gelegt hat. „Sv müssen lichcn Rücksichten hcrvorgcgangenen Versicherungen, wie wir sie bei allen Antisemiten finden. Doch halt, unser Verfasser weiß noch ein Mittel: „Wenn die Palmen des heiligen Landes dereinst noch die abtrünnigen Söhne und vielleicht als vor dem Kreuz sich beugende unter ihrem Schatten versammelt sehen dürften, dann wäre freilich die Frage mit einem Male gelöst." Also Masscnauswanderung nach Palästina mit gleichzeitiger Massenbekehrung zum Christenthumc! Für eine solche „Lösung" müssen wir doch bestens danken. Freilich wären dann nicht nur germanische Bankiers und Kausleute, sondern auch münchener und andere Privatdozentcn von der wir bewundernd anerkennen," ruft er aus, „welche Ausgabe! bedenklichen Konkurrenz „semitischer" Kollegen sofort „erdie Semiten in der Kultur- und Weltgeschichte zu vollbringen! löst" — ein Resultat, das eben so sicher zu erreichen wäre, hatten, und wie sie dieselbe erfüllt: an Geduld, Ausdauer j tocnn alle Juden sich ausschließlich dem Studium des Tal- und Eifer weit über den Jndogermanen stehend, an Origi-muds widmeten und dabei geistig und materiell verkämen, nalität und Vielseitigkeit allerdings von ihnen übertroffen. Sollte diese „Lösung" des Pudels Kern sein?! aber doch voll Begabung, (nur ganz anderer Art als die der j M. Ph. arischen Völker) waren sie ihre Vorgänger und Wegbahner > _ in der geistigen wie materiellen Kultur, ganz abgesehen von!