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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-04 · Heft 6 (4.2.1884) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 6 (4.2.1884)
Date
1884-02-04
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 wie bei anderen Confessioncn und die Juden begründen meist erst dann einen eigenen Haushalt, wenn das Einkommen genügt, eine Familie anständig ernähren zu können. Seit der Einführung des CivilstandehegcsetzeS am 1. Januar 1876 sind Misch-Ehen zwischen Christen und Juden nicht selten. Äm hiesigen Platze wurden seit dieser Zeit vier Ehen zwischen Juden und Christen vor dem StandcSamte geschlossen und in Preußen heirathcten 1881 in 185 Fällen christliche Männer jüdische Frauen, in 115 Fällen jüdische Männer christliche Frauen, wobei zu bemerken ist, daß in den altpreußischen Provinzen obiges Gesetz für die Juden schon vor 1*76 durch das Gesetz vom 23. Juli 1817 geregelt wurde. Dr. Schwabe spricht: „Wir finden, daß die Juden in Berlin beinahe alle im naturgemäßen Alter heirathen, wo Zeit vorzügliche Werk nun völlig veraltet und eine neue übersichtliche und doch gelehrte Zusammenfassung, wenn auch sehr schwierig, doch zugleich sehr wünschenswerth ist. Ob der Verfasser wissenschaftlich einer solchen Ausgabe gewachsen ist, wagt Referent nicht zu entscheiden. Herrn H.'s Gelehrsamkeit und ausgebreitetes Wiffen ist unbestrcitbar; auf der anderen Seite aber leidet er an unbegrenzter Sucht nach Hypothesen, die oft mit apodiktischer Sicherheit, selbst ohne Spur eines Beweises ausgesprochen werden. Die Darstellung ist trotz großen Wortreichthums verwirrt, unklar, oft geradezu unleserlich: warum ist hier der Verfasser nicht einigermaßen dem Vorbilde Renan's gefolgt? Es kann hier um so weniger unsere Sache sein, auf den sachlichen Inhalt des ersten Buches näher einzugehen, als der Mann nicht über 40, die Frau nicht über 30 Jahre alt derselbe die vorsemitischen Kulturen betrifft. Rur eine ist. Solche Ehen werden bei den Inden 85 Proz., bei den Bemerkung müssen wir uns hier gestatten: nämlich daß der Nichtjuden 72 Proz. geschlossen." I)r. Schwabe schließt seine Verfasser absichtlich die Nennung jüdischer Gelehrten und statistische Schrift: „Betrachtungen über die Volksseele in /Theologen unterläßt. Um nur ein schreiendes Beispiel an- Berlin" mit den Worten: „Meine Nachweise in ihrer Ge^ zuführen, erwähnen wir, daß er S. 505 den Beweis der sammthcit eröffnen eine weite Perspektive: sie gleichen einer Existenz eines Deutcro-Jesaja (Kap. 40—66) als zuerst neuer- Ouelle, die von einem fruchtbaren Hinterlande gespeist wird, dings von F. E. König („Der Osfenbarungsbegriff des Alten Aus diesem Lande werden auf das Eifrigste materieller Be- Testaments) erbracht nennt!! Was soll man zu einem solchen sitz, Durchdringung des Lebens mit humanen Ideen, kurz offenbar absichtlichen Jgnoriren früherer und zumal jüdischer eine Reihe ächt menschlicher Eigenschaften gepflegt; deshalb exegetischer Forschung sagen? — Das erste Buch bringt eine finden wir sie gleichsam typisch in Persönlichkeiten verkörpert, Geschichte der Berührungen der Aegypter mit den Semiten theils in Lebenden, wie Moses Mendelssohn, thcils in Schöp-. und Küschiten, eine Schilderung der Kultur der Hethiter; fungen großer Dichter, wie in Nathan von Lessiug, David > die älteste Kultur Babyloniens, d. h. die Archäologie und Sichel u. s.w. Weil diese Eigenschaften von den Juden kul- Linguistik der Sumero-Akkadier, wobei freilich der Bersaffer tivirt werden, treten die Wirkungen statistisch in sehr erkennbarer seiner kühnen Kombinationsgabe viel zu freien Zügel läßt. Weise hervor und reichen damit ganz von selbst der Be- Was übrigens die Aegypter und im allgemeinen die Chamiten völkerung, die sie hegt und pflegt, die Krone des Lebens." angeht, so legt unser Versaffcr mit Recht die Verwandtschaft : ihrer Sprachen mit den semitischen dar und schließt daraus auf einen gemeinsamen Ursprung. Die Chamiten und zumal ^ilerarischkr Wochtnderichj. bie Aegypter lösten sich von ihren altsemitischen Verwandten Brüssel, im Januar. Ein neues Werk, das sich von los und wandcrten von Asien nach Afrika ein. vornherein als ein hochwichtiges und bedeutsames ankündigt. Lebhafter intcreffirt die Leser d. Zeitg. die Einleitung, die liegt vor uns: „Tie Semitischen Völker und Sprachen als von der Bedeutung der Semiten für die allgemeine Civilisation erster Versuch einer Encyklopädie der Semitischen Sprachder Menschheit handelt. Herr Dr. Hommel ist durchaus ein und Alterthumswiffenschaft. Von Fritz Hommel. Erster gläubiger Christ, wie er denn S. 25 meint, im Christenthum Band: Allgemeine Einleitung (Die Bedeutung der Semiten hätten Jndogermanenthum und Scmitismus nicht allein sich für die Kulturgeschichte). — Erstes Buch: Tie vor-semitischen vermählt, sondern auch erst ihre beiderseitigen Glanzseitcn Kulturen in Aegypten und Babylonien." (Leipzig, Otto entfaltet. Um so erfreulicher ist es, daß der Verfasser der Schulze, 1883). Die Vorrede benachrichtigt uns, daß diese früher von Renan angeregten und trotz dessen jetziger Sinnes, große Encyklopädie der semitischen Sprache und Geschichte änderung noch vielfach verbreiteten Unterschätzung semitischer mindestens fünf Bände zu umfassen habe. Daß für eine Begabung und civilisatorischer Thätigkeit mit Geschick und solche Arbeit die Zeit reif sei, ist wohl nicht zu bezweifeln. Nachdruck entgegentritt. Tie Fabel, daß die Semiten, nach Sind es doch über zwanzig Jahre her, daß Ernst Renan Renans früherem Ausdruck, eine ruce inferieure seien, widerseine Histoire gdnerale des langues s.'*niiti<jues veröffentlicht legt er kräftigst. Er sagt hier sehr gut (S. 31): „Dürfen hat: und seitdem hat die orientalische Linguistik, zumal die denn die Semiten so unbedingt mit den Jndogcrmanen ver- Affyriologie derartige Fortschritte gemacht, daß jenes zu seiner glichen werden? Wenn man nicht einen großen Anachronis- 1

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