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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-02-04 · Heft 6 (4.2.1884) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 6 (4.2.1884)
Date
1884-02-04
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 auf prol. Mütter 176 oder 76*/2, auf katholische 53 oder 23 Proz., auf israel. 1 oder >/-2 Proz. Nach dem Prozentsatz sind betheiligt die Protestanten mit 1',2 Proz. mehr, die Katholiken mit 8 Proz. mehr, die Israeliten mit nur '/2 Proz. obwohl letztere nur 10 Proz. der Bevölkerung bilden. Die Todtgebornen betrugen 4 Proz. aller Geburten, die der Juden nur 1 Proz. Nach der Stat. Coresp. von 1880 ist die Zahl der todtgeborenen, unehelichen und unter 15 Jahren gestorbenen Kinder von Juden in Preußen am kleinsten. Daß jüdische Wittwen außerehlich gebären, gehört zu den seltensten Erscheinungen; in hiesiger Stadt ist ein solcher Fall unseres Wisiens nie eingetreten. Die meisten Geburten (132) geschahen im März, die wenigsten im Dezember (82). Wir gelangen nun zu dem im psychologischer Hinsicht charakteristischen Kapitel der 2. Todesfälle. Es starben hier 1883 956 Personen und zwar 737 Protestanten oder 77 Proz., 152 Katholiken oder 16 Proz., 60 Israeliten oder 7 Proz. Während also bei den Protestanten 2 Proz., bei den Katholiken 1 Proz. mehr starben, weisen die Israeliten ein Minus von 3 Proz. auf. Trotz der Minderzahl der Geburten bei den Juden ergibt sich eine, wenn auch kleine Mehrung der jüdischen Einwohnerzahl, wiewohl der Wegzug beträchtlicher ist, als der Zugang. Ende 1875 wohnten hier 3317 jüdische Seelen, Ende 1883 3328 Juden. Diese Zunahme liegt in der geringen Sterblichkeit unter den Juden und wir erweisen dieses Factum durch mehrfache Belege. Das ärzliche Jntelligenzblatt in München enthält in Nr. 9 von 1883 einen Vortrag von dem Kreis medicinalrath Dr. Bogt über die sanitären Verhältnisse von Unterfranken und Aschaffenburg von 1881, in welchem er sagt: „lieber die Sterblichkeit der Israeliten berichtet Bezirksarzt Dr. Dreßler für das Bezirksamt Würzburg, daß von 819 Israeliten 13 oder 1,58 Proz. starben, während die Sterblichkeit der Gesammtbevölkerung 2,79 Proz. beträgt. Sonach ist die Sterblichkeit unter den Juden fast um die Hälfte geringer, von den verstorbenen Israel, ist fast die Hälfte über 70 Jahre alt geworden. Patriarchalisches Familienleben, Mäßigkeit, Fleiß, Sparsamkeit, Vermeidung gesundheitsschädlicher Beschäftigung sind ererbte Sitten des jüdischen Stammes. Im Jahre 1882 betrug die Anzahl der Sterbefälle in Berlin unter den Juden 817 oder 2,6 Proz. bei 4,8 Proz. der jüdischen Bevölkerung. Die Stat. Corrcspondenz für 1880 in Preußen enthält die Thatsache, daß auf 100,000 Einwohner 1335 Juden treffen, auf IM,000 Geborene nur 1056 jüdische Kinder, aus 100,000 Gestorbene nur 909 jüdische. Der katholischen Bevölkerung wurden nach der Stat. Corresp. von 1880 mehr Menschen durch Geburt zugesührt und mehr durch den Tod entriffen, als ihr Verhältnis voraussetzen läßt. Es treffen ans 100,000 Menschen 33,772 Katholiken, auf 100,000 Geborene 34,989 Katholiken, auf 100,000 Todte 35,161 Katholiken. Das gleiche Ergebniß ist auch bei den Katholiken von hiesiger Stadt zu registriren. Dr. Richardson äußert sich: „Man zählt in Preußen 1 Todtgeborenen auf 97,75 eheliche Geburten bei Israel. 1 47,29 „ „ „ Kathol. 1 42,47 „ ., „ Protest. Die unehelichen Kinder bei Israeliten bleiben größtentheils leben, während im Allgemeinen die Sterblichkeit der natürlichen Kinder groß ist." Dr. Mayer sagt: „Die Sterblichkeit der jüdischen Kinder unter 5 Jahren beträgt 10 Proz., die der christlichen Kinder 14 Proz." Prof. Dr. von Hecker sagt: „In München beläuft sich die Sterblichkeit der Kinder im ersten Lebensjahr auf 40 Proz. und zwar bei den Katholiken 41 Proz., bei den Protestanten auf 28 Proz., bei den Israeliten auf 16 Proz. Dieser gewaltige Unterschied kann nur in der besseren Behandlung der Kinder begründet sein." Dr. Schwabe äußert sich: „Die Kindersterblichkeit in Berlin vom 1. bis 5. Jahre gerechnet, beträgt bei den Juden 17 Proz., bei den übrigen Confessionen 25 Proz." Diese bemerkenswerthe Lebensfähigkeit bei den Juden erklärt sich, außer wie bereits gemeldet, auch durch religiöse Vorschriften über die Reinlichkeit in den Wohnungen, Waschungen des Körpers, Reinigen der zum Gebrauche nöthigen Gefäße, sonstigen Gesundheitsgesetze des mosaischen Codex. Die meisten Stcrbcfälle waren im Juni (116), die wenigsten im Dezember (50). Wer von dem Tode bis zum Eintritt der Pubertät verschont bleibt, wird früher oder später in den Hafen der Ehe einlaufen. Erst das Band zärtlicher Anhänglichkeit und inniger Hingebung verknüpft die Herzen der Menschen und insbesondere der Ehegatten, die Liebe im Ehestand faßt im tiefen Grund des Herzens Wurzel und bcthätigt sich in Werken freudiger Aufopferung. Diese Betrachtung führt uns auf die 3. Eheschließungen. Ehen wurden hier im Vorjahre geschlossen 337 und zwar von Protestanten 244 oder 72',., Proz., von Katholiken 55 oder 16' 2 Proz., von Israeliten 38 oder 11 Proz. Das numerische Berhältniß giebt bei den Protestanten ein Minus von 2'/., Pro;., bei den Katholiken ein Plus von VJ-, Proz., bei den Israeliten ein Plus von 1 Proz. Tie Erscheinung, daß Juden an den Eheschließungen mit dem aus sie treffenden Prozentsatz oder darüber bctheiligt sind, zeigt sich durchschnittlich nicht, im Vorjahre waren es nur 7 Proz. Im Jahre 1881 wurden in Preußen geschloffen: Rein evangelische Ehen 130,874, rein katholische 60,894, rein jüdische 2276, Misch-Ehen 209,586, in Summa 403,630 Ehen. Wiederverehlichungen finden bei Juden nicht in dem Maße statt.

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