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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-29 · Heft 5 (29.1.1884) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 5 (29.1.1884)
Date
1884-01-29
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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(0 Brüssels, zu verabreden, ihnen eine Parzelle des dortigen Friedhofs zu Gebote zu stellen, wo sie jede Grabstätte als eine perpetuirliche zu erkaufen haben. Dies wurde den radicalen Blättern denuncirt und diese schlugen nun Lärm. Im „Echo du Parlement" vom 14. Jan. befindet sich nun ein energisches Schreiben, unterzeichnet L. K. (Kahn, Vorsteher des bekannten Handelsinstituts), in welchem dieser das Recht der Israeliten, einen eigenen Friedhof auf ihre Kosten zu unterhalten, vom Standpunkt der durch die Verfafiung zugeficherten Glaubensfreiheit vertheidigt und die religiösen Motive auseinandersetzt, aus welchen das Judenthum einen besonderen Friedhof beansprucht. Diese sind zu bekannt, als daß wir an dieser Stelle noch einmal darauf einzugehen hätten. Er beruft sich auf die Thatsache, daß aus dem Bestände des jüdischen Friedhofes niemals irgend ein Conflict entsprungen sei und entspringen könne; daß durch denselben das Recht Niemandes angetastet wird, also ein staatliches Jnteresie gegen ihn durchaus nicht vorliege. Für jeden Unbesangenen wird die Auseinandersetzung des Herrn Kahn völlig überzeugend sein, noch dazu, da hiermit nicht einmal gegen die Juden ein Zwang auferlegt wird, und es auch einem solchen freisteht, wenn er will, sich auf dem Communal-Friedhofe begraben zu lassen, wie dies bei dem Senator Bischoffsheim der Fall war. Die Redaction des „Echo du Parlement" gehört aber nicht zu den Unbefangenen und sie greift, um vielmehr den Schutz der Glaubensfreiheit für sich zu beanspruchen, zu der unwahren Behauptung: die Juden wollten auf den Gräbern um ein jüdisches Grab herum kein Kreuz dulden — während doch gerade die Juden die Gestattung eines besonderen Friedhofes verlangen, um Niemandem in seinen religiösen Ansichten und deren Emblemen zu stören, sich selbst aber in den ihrigen auch nicht. Die Forderung des Herrn Kahn, daß ein Gesetz über die ganze Angelegenheit erlassen werde, ist jener Redaction ungelegen und sie meint, da doch in anderen belgischen Städten jüdische Friedhöfe bestehen, also die Willensmeinung anderer Bürgermeistereien den Juden günstig sei, wäre ein Gesetz unnöthig. Wir glauben, daß, wenn eine Sache nur durch solche Sophistereien vertheidigt werden kann, sie vor dem Forum des Rechts und der Freiheit auf sehr schwachen Füssen steht. Die Redaction des „E. d. P." geht noch weiter, indem sie den Bürgermeister von Uccle wegen jener Verabredung mit einem Strafprozeß bedroht, da er durch dieses Zugeständniß Anderen Schaden zufüge!!! So verstehen die belgischen Radicalen nicht blos die Glaubenssondern auch die Berwaltungssreihcit! Rußland. Petersburg, 15. Januar. (Privatmitth.) In der Lage unserer hiesigen Glaubensgenossen ist noch keine Veränderung eingetreten, nur daß die Verfolgungen von Seiten der hiesigen Polizei etwas nachgelassen haben und Juden aus den Ostsee-Provinzen werden ohne weiteres angeschrieben, ebenso auch diejenigen Juden, die einen Handwerkerschein aus ihrer Gemeinde der Polizei zustellen und werden sie nicht mehr, wie in der letzten Zeit, der hiesigen Zunftverwaltung unterworfen, bei welcher sie principiell durchfielen. Am 21. December hat unsere bekannte Philanthropin Frau vr. Soloweitzik zum Besten der armen Schüler der jüdischen Schule einen Concert-Ball arrangirt, an welchen die namhaftesten Artisten der Residenz sich betheiligt haben, und der einen Reinertrag der für unsere Verhältnisse höchst respectablen Summe von ca. 2400 Rubel ergab. Der Concert-Ball fiel, dank der Fürsorge des Hrn. und der Frau Dir. Soloweitzik, in jeder Beziehung glänzend aus; obgleich unsere Plutokratie — mit Ausnahme des Herrn Baron H. Günzburg und Familie, der wie gewöhnlich an jedem wohlthätigen Unternehmen als der erste immer dabei ist — es unter ihrer Würde hielt, den Ball mit ihrer Anwesenheit zu beehren (?). Diese können ja von ihrem devoten Scherwentzeln vor den „Jndigenen" nicht lassen! — Unter der Anzahl 891 Studentinnen der Bestusjew'schen Kurse sind 129 Jüdinnen! In der vorigen Woche wurde hier eine Commission eingesetzt, die Sammlungen zum Besten einer in Palästina zu gründenden Colonie zur Verewigung des Andenkens an unseren großen Bruder Moses Montefiore zur Aufgabe hat. Koretz, 7. Jan. (Privatmitth.) Was die Affaire des hiesigen Friedensrichters anbelangt, der so tyrannisch mit einem armen hiesigen Juden umgesprungen, so ist derselbe halbverrückte Wütherich auf ausdrücklichen Befehl des Justizministers feiner Stelle entsetzt, und soll die Sache nach Neujahr beim Kreisgericht zur Verhandlung kommen. Das Resultat werde ich Ihnen melden. Amerika. NewrPork, 10. Januar. (Privatmitth.) Der Kabel hat schnell aus den deutschen Zeitungen die von diesen mitgetheilten Bruchstücke aus Lasker's Briefen an Forckenbeck und Bamberger zu uns herübergebracht, welche die Meinungen Lasker's über die in naher Zukunft der nvrdamerikanischen Union zufallende politische, soziale und intellektuelle Führung aussprechen. Sie haben in unserer Republik vielen Anklang gefunden; aber man setzt voraus, daß sie in Europa vielfach mißfallen, und den Antisemiten wieder Gelegenheit geben werden, von dem Cosmopolitismus der Juden zu sprechen. Jndeß ist gerade bei Laster, der sein Leben der deutsch-nationalen Idee gewidmet hat, die richtige Mischung von cosmopolitischer und nationaler Geistesrichtung in einem gesunden Maße vorauszusetzen. Jedenfalls ist der Nordamerikaner 5*

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