Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1884)
- Date
- 1884-01-29
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
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76 i praktisch genug, um die Verwirklichung dieser Idee der ge-1 giebt es der Schwächen und Nachtheile genug, da nichts schichtlichen Zukunst zu überlaffen. Man kann ja nicht ver-1 Menschliches ohne solche besteht. Aber das frische, zielkennen, daß es für Nordamerika viel leichter war, die großen! bewußte Streben, das hier in allen Kreisen lebt, und wenn Prinzipien der Humanität und des Rechtes in die praktischen! sich ihm die nöthige Kraft vereint, auch zum Ziele kommt, Grundsätze des wirklichen Lebens zu verkehren, als es in da viele Hemmniffe wegfallen, die den Europäer einschränken, Europa der Fall ist und sein wird. Der nordamerikanische! ist die Bürgschaft für eine weitere gedeihliche Entwickelung, Staat hat sich auf einem jungfräulichen Boden aufgebaut;! welcher noch ein so großer Spielraum offen steht. Dennoch er brauchte deshalb nicht mit den vererbten mittelalterlichen i haben wir durchschnittlich nicht mehr als fünf Seelen auf Institutionen der europäischen Cultur zu kämpfen und auf-! einen ^Kilometer Flächenraum. — Was das nordamerikazuräumen. Seine Bevölkerung gewann er wachsend aus den verschiedensten Elementen der europäischen Nationen, die in ihrem Gemisch und bei ihren freiheitlichen Bedürfniffen von Nationalhaß und Nationaleifersucht nichts wissen durften. Auch hatte er endlich keine mächtigen Nachbarn, mit welchen er in dauernden Streit gerathen konnte. Aber abgesehen von diesen günstigen Umständen, hat doch die Nordamerikanische Union uns schon durch große Thatsachen bewiesen, daß ihr die Benische Judenthum betrifft, so hat es sich im Gegensatz zu Europa stets einer völlig freien Stellung erfreut, und ist niemals angegriffen oder beschränkt worden. Es hatte dies zur Folge, daß jene religiöse Geistesrichtung in ihm sich frei entwickeln und in eigenen Gemeinden mit ihrem Gottesdienste sich verkörpern konnte. Gerade hierdurch war jeder Parieikampf ausgeschlossen, da es Jedermann frei stand, sich einer orthodoxen oder reformatorischen Gemeinde anzuschließen. fähigung eiuwohnt, höheren und gesunderen Grundsätzen der Diese Zersplitterung wurde dadurch wieder ausgewogen, daß Politik und des sozialen Lebens Folge zu geben. Bor Allem bewährte sie sich in dem schweren Kampfe um die Beseitigung der Sklaverei, die zugleich den Bestand der Union als Bereinigung der Nord- und Südstaaten betraf. Hier hat sie das schwierige Problem gelöst, auch die Negerraffe als vollberechtigtes Glied in den Staats- und Bolksverband anfzunehmen. man zur Befriedigung der Wohlthätigkeitsbedürfniffe die Kräfte wieder vereinigen mußte, so daß in den Werken der Barmherzigkeit die individuelle religiöse Ansicht von keinem Gewicht war. Sehr bald erwachte dann auch der Trieb nach Selbständigkeit, und zwar um so mehr, als man lange Zeit hindurch und zum großen Theile noch jetzt darauf angewiesen Diese Lösung, wenn auch durch Waffengewalt vollbracht, war und ist, für das Lehramt in Synagoge und Schule, so ward mit einem Male vollendet. Eine gleiche Thatsache ist! wie für alle gottesdienstlichen Funktionen Personen von jendas politische System, das gewöhnlich das Monroe - Prinzip, seits des Ozeans zu gebrauchen. Dieser Selbständigkeitstrieb genannt wird, und nach dem jede Einmischung des Auslandes! äußerte sich sogar darin, daß man einen „amerikanischen in amerikanische Angelegenheiten zurückgewiesen, aber auch jede Einmischung der Union in die inneren Kämpfe der Minhag» zu schaffen versuchte. Jetzt führte er zur Herstellung einer ,Union amerikanischer Gemeinden", die ihre erste Thäandern amerikanischen Staaten, sowie in die außeri tigkeit in der Herstellung eines Rabbinerseminars „Union amerikanischen Fragen, vermieden wird. Hiermit der Weg-: Hebrew College^ suchte, aus welcher bereits einige geprüfte fall aller sogenannten Colonialpolitik. Hat doch die Union I Rabbiner hervorgegangen. Man sieht hieraus, daß auch das alle Verlockungen, z. B. betreffs Canadas und Cubas zurück-! amerikanische Judenthum auf dem Wege einer gesunden Entgewiesen. Sie hat die russischen Colonien in Nord west als! Wickelung ist. zu ihrem Territorium gehörig, angekauft, und den Theil von -— . - - - - Texas an sich genommen, der naturgemäß ihr zuviel. Durch j Bonn, 20. Januar. (Notizen.) Am 16. d. wurde diese weise Politik hat sie zugleich einer großen Militärmacht! das orthodox-israelitische Seminar in Cöln eingeweiht; Chozu Lande und zu Wasser, sobald jener Bürgerkrieg beendet! räle der Schüler, Reden des Dr. Plato und der Comitvwar, entbehren können und es ist deshalb eine fernere wich-! Mitglieder bildeten die Feier. — In Essen feierte die Getige Thalsache, daß sie im Stande war, die während des j meinde das 25 jährige Jubiläum der Vorsteherin des jüdi- Bürgerkriegs ungeheuerlich angeschwollene Staatsschuld in! scheu Frauenvereins, der Frau Hermann. Der Gemeindeverhältnißmäßig kurzer Zeit abzutragen, resp. zu einer ge-' Vorstand ehrte das verdienstvolle Wirken dieser Dame durch ringen Last herabzumindern. Dies wollte ich hier hervor-! ein prächtiges Geschenk und in der Predigt wurde ihrer heben, um die Gründe anzudeuten, aus welchen wohl Lasker! edlen Wirksamkeit gedacht. — Am 14. d. verschied zu Berlin seine Meinung gezogen, da er sie in Rahmen von Privat-!der einer. Rabbiner vr. Chronik nach längeren Leiden, briefen auseinander zu setzen keine Gelegenheit hatte. Bon Der Verstorbene war in früherer Zeit zuerst nach Amsterden anderweitigen Eigenschaften des gesellschaftlichen Lebens, des Verkehrs, der Industrie und selbst der Wissenschaft im dam gegangen, um daselbst eine Reformgemeinde zu bilden, mußte jedoch vor den Anstrengungen der Orthodoxen und hiesigen Lande will ich nicht weiter reden. Selbstverständlich' dem Jndefserentismus der Aufgeklärten das Feld räumen. L