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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-29 · Heft 5 (29.1.1884) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 5 (29.1.1884)
Date
1884-01-29
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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69 daß sie nirgends die sociale Gleichstellung erlangten. Wenn > die Ursache dieser Erscheinung auch zum Theil in der Exclusivität der Juden liegt, ist der Hauptgrund doch in den Fehlern, Versäumnissen und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft.! Die Juden waren stets ein verfolgtes Volk; am meisten hat confisciren); und wenn dieser Bolksstamm nach den bestehenden Gesetzen eine besondere Kaste bildet, dann mag in ihm eine Gefahr für die Gesellschaft liegen." „In dem Augenblicke aber, wo dieser Bolksstamm aushört, gesetzlich gleichsam unter der Last eines Fluches stehend, die christliche Gesellschaft sie dazu gemacht; sie hat ihnen alle davon ausgeschlossen zu sein, sich mit den übrigen Bürgern anständigen Mittel der Existenz benommen (Zustimmung) und' des Landes zu verschmelzen, — in dem Augenblicke ist diese nun lamentiren wir, daß dieses Volk aus der tausendjährigen; Gefahr zum größten Theil geschwunden (Lebhafte Zustim- Gehässigkeit sich nicht mit einem Schlage losmachen kann. j mung) und die Nämlichen, die gefährlich hätten werden kön- (Sehr wahr!)" >nen, werden viel nützlichere Bürger der Gesellschaft und des „Es geht uns mit den Juden, wie einst einer Bäuerin' Staates sein. (Beifall; Wiederspruch.)" mit ihrer Tochter, von der Franz Deäk einmal erzählte, daß§ Den Ausgang dieser Debatte haben wir gesehen. Das sie sich zu ihrer Nachbarin beklagte: „Dieses Kind liebt mich j Abgeordnetenhaus war weise genug, leidenschaftlicher Aufnicht und ick prügle es doch genug!" (Heiterkeit.)" Wallung keinen Raum zu gewähren und die Anzeige des Obergespan Graf Gyirky bemerkt hinsichtlich der vor- Votums des Oberhauses erst nach der Budgetberathung auf gelegten Dankadressen: jbie Tagesordnung zu setzen. „Wenn das Abgeordnetenhaus je einen Gesetzentwurf! annehme, welcher die Abschaffung der Stolagebühr . . . (Großer Lärm rechts. Oho! Oho! Eiall!) oder die Consiskation der Kirchengüter . . . (Riesiger Lärm rechts. Elall! Präsident läutet) zum Zwecke der Bezahlung der Staats-' schuld enthielte, so könnte man noch unvergleichlich mehr Vertrauens-Avreffen für das Abgeordnetenhaus zusammenbringen, als jetzt für das Oberhaus. Redner ist aber überzeugt, daß dieses in einem solchen Falle sich nicht von der General Llapka über die Iudenfrage in Ungarn. Die Niederlage, welche das Gesetz über die Ehe zwischen Christen und Juden im ungarischen Oberhause wiederum erlitten hat, veranlaßte General Klapka an einen alten Freund, der zur Abstimmung eigens aus Wien nach Pest gekommen war, ein offenes Schreiben zu richten. In diesem seltsamen Zahl jener Adressen, sondern nur von seinem Gewiffen leiten1 Schreiben spricht er sich auch über die Judenfrage aus. ließe bei Annahme oder Ablehnung der erwähnten Gesetzentwürfe. (Zustimmung.)" Was soll mit diesem eitlen Widerstande, fragt der alte Freiheitskämpfer den österreichisch-ungarischen Magnaten, welcher „Bis jetzt sind diese Adreffen ziemlich unschuldiger Natur; Zweck kann damit erreicht werden? Etwa das Judenthum mögen sie es auch bleiben, damit nicht die Leidenschaften, die in seiner Fortentwickelung eindämmen, seine Energie und jetzt schon einigermaßen beruhigt sind, neuerdings losbrcchen. Spannkraft schwächen? Lächerliches Bestreben, wie dies die (Zustimmung.)" — Die inhaltreichste Rede hielt wieder der folgenden Zahlen am besten beweisen. 80jährige Baron Bay (Protestant), der das Oberhaus ver- Zur Zeit der ersten Volkszählung unter Josef II. in warnte, um seiner selbst willen, den Conflikt nicht weiter zu Ungarn betrug die jüdische Bevölkerung kaum 25,000 Seelen; treiben, da es der Strömung der Zeit doch nicht zu widerj — zu Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts stieg diese stehen vermöchte und darüber selbst mit hinweggeschwemmt Zahl bereits auf 50,000; — zu Ende der zwanziger Jahre werden würde; ferner daß das Haus mit der Verwerfung auf 100,000; — im Jahre 1847 nach den statistischen Andern Antisemitismus neuen Stoff für seine Agitation geben gaben von Fvnies war sie auf 270,000 angewachsen; — würde, einer Agitation, mit welcher der Socialismus Hand 1870 zählte man über 500,000 Juden in Ungarn — und in Hand gehe. Dieser bedrohe auch Ungarn, wie genügende heute beträgt deren Zahl nahe an 700,000. Thatsachen lehren, mit großen Gefahren, und es wäre des- Nach diesem so konstatirten Gesetze der stetigen Zunahme halb staatsklug, einen beträchtlichen intellegenten und bcläßt sich leicht die Berechnung aufstellen, welche Höhe die sitzenden Theil der Bevölkerung aufs engste mit den Inter effen des Staates zu verschmelzen, nicht aber denselben von sich zu stoßen." — Aehnlichcs drückte auch der Ministerpräsident Tißa in seiner kurzen Schlußrede aus. Er sagte: „Wenn es im Lande einen ganz correcterweise mit allen Rechten ausgestatteten Bolksstamm giebt, welcher Intelligenz Zahl unserer jüdischen Mitbürger in 50 Jahren erreichen wird. Der Zeitraum, in welchem sich die jüdische Bevölkerung in Ungarn verdoppelt, liegt zwischen 25 und 30 Jahren. Im Jahre 1010, wenn diese Progression unverändert dieselbe bleibt, wird somit die israelitische Bevölkerung Ungarns 1,500,000, und noch vor Ablauf der ersten Hälfte des künf- und Besitz hat, die man ihm nicht confisciren kann (die Intigen Jahrhunderts über 3,000,000 betragen. Diese rapide telligenz kann man ihm nicht, den Besitz will ihm Niemand Zunahme einerseits, die höchst spärliche Zunahme der christ-

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