Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
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sei von Aegypten her im Anzuge und geberde sich nicht wie Gej fangene, welche zur Arbeit in die Bergwerke geführt würden, l sondern stolz und trotzig, und es führe große Beute an Gold, z Silber und Edelsteinen mit sich, die Berge rings von dem! Rufe: „Zu den Waffen!" wiedergehallt sind. Aus den Thälern,! die sich an dem Südhange des Serbül hinanziehen, aus dem! Flachlande der nordwärts gelegenen Hochebene et-Tih strömten die Stammesgenossen der Oase zu und verbanden sich im Rücken der Juden mit den Bewohnern derselben, welche ihnen, den Feind umgehend, entgegengezvgen waren, um diese Perle ihres Berglandes zu schützen. | Bevor die Fremden das Ackerland und die Gärten be rührten, stürzte „Amalek'' sich auf dieselben, und zwar, in! echt beduinischer Kampfweise, zuerst auf die Nachhut des! Feindes. Und die Amalekiter waren ein keineswegs veracht-' licher Gegner, ja, sie haben während eines großen Theils der biblischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt und sind für die religiöse Betrachtnng der Geschichte Israels gleichsam der böse Genius des Volkes geworden. Woher sie gekommen sind, ist schwer zu sagen. In der Geschichte anderer Völker findet sich nur fabelhafte Künde über dieselben. Alte Ueberlieferungen, welche sich bei mehreren arabischen Schriftstellern des Mittelalters erhalten haben, bringen sie mit den Hyksos in Verbindung, und eine von diesen Sagen erzählt von einem gewissen Scheddad (der Name! bedeutet einen gewaltigen Mann), daß er einen Einfall in Unterägypten gemacht, das Land erobert und auf seinem. Siegeszuge bis an die Straße von Gibraltar gelangt sei.i Er und seine Nachkommen, die Begründer des amalekitischcn1 Königshauses, sollen sich mehr als zweihundert Jahre in; Unterägypten gehalten haben, wo sie die Stadt Avaries zu ihrer königlichen Residenz machten. Wer diese Art von Ueberlieferungen fennt, weiß, wie unzuverlässig sie sind, und die erwähnte trägt den Stempel der will-! kürlichsten Umbildung alter Traditionen an der Stirn. Man darf höchstens aus ihr entnehmen, daß es einmal ein altes, mächtiges, amalekitisches Königshaus gegeben hat, welches — doch wohl kaum in Verbindung mit den Hyksos — gelegent-1 lich feindselige Einfälle in das Delta unternahm. Auch aus den Worten Bileams (Mof. IV, 24, 20) — er nennt sie „die ersten unter den Heiden" — geht mit Sicherheit hervor, daß die "Amalekiter mehr waren als eine Handvoll Beduinen. Wenn in der Hyksoszeit ihr Land sammt seinen Minen den Pharaonen verloren gegangen ist, so haben es die Befreier Aegyptens, unter denen Thutmes III. und seine unternehmende Schwester ausdrücklich genannt werden, doch bald von Neuem unterworfen. Sind die Menti der hieroglyphischen Inschriften, in deren Gebiet die oben erwähnten Bergwerke lagen, die Amalekiter, so haben sie den ägyptischen Waffen oft weichen müssen; aber völlig zu vernichten waren sie nicht, denn den Fliehenden bot das Innere ihrer Berge manch sicheres Asyl. Besondere Bedeutung behielten sie dadurch, daß sie zwei große Handelsstraßen beherrschten, und zwar erstens diejenige, welche von Phönizien und den kanaanitifchen Ländern nach Aegypten, und zweitens eine andere, die über Petra an den elanitischcn Arm des Rothen Meeres und von dort aus nach Asien, Arabien und Ostafrika führte. In der Bibel werden die Amalekiter schon bei Gelegenheit des Krieges erwähnt, welchen Kedor Laomor und die vier Könige, welche mit ihm waren, führte, nachdem sich der König von Sodom und feine Verbündeten gegen ihn empört hatten; Kedor Lavmvr, heißt es, habe auch das „ganze Land der Amalekiter" geschlagen (Mof. I, 14, 7). Saul führte einen Vernichtungskrieg gegen sie (Sam. I, 15), aber noch David unternahm verschiedene Züge gegen dieses das Südland Judas; verheerende Volk (Sam. I, 27 u. 30). Dadurch scheinen die Amalekiter sehr geschwächt worden zu sein; denn Mos. 1,30,12 ■ wird "Amalek ein Enkel Esau's genannt, wohl nur um anzudeuten , daß die schwächeren Amalekiter sich an die stärkeren; Edomiter angeschlosfen haben. Mit diesem Volke mögen die letzten Theile der Amalekiter in enge Verbindung getreten und so mag ihr eigener Name verloren gegangen sein. Die Bewohner der Oase Firun sind vielleicht erst in nachchristlicher Zeit wieder Amalekiter genannt worden. Die Schilderung der Schlacht, welche die im Rücken und in der Flanke angefallenen Israeliten gegen dieses wilde Wüstenvolk auszufechten hatten, ist von erhabener Schönheit. Moses betet. Aaron und Hur stützen seine Arme, denn wenn er die Hand hoch hielt, siegte Israel, und ließ er sie sinken, mußte es weichen. Welches Bild! Und wie unsagbar großartig ist die Landschaft, in welche wir es hineinvcrsetzen müssen'. Sobald man He^i el-Ehattatin passirt hat, windet sich das Thal immer häufiger und kühner; ja, man hat etlva 10 Kilometer zu gehen, um deren 6 in gerader Linie zurückzulegen. Der Weg führt an dem hübschen Palmenhain el- HeSwe hin, und überall sucht man nach der Stelle, an der die Amalekiterschlacht geschlagen worden sein könnte. Je weiter wir nach Südostcn kommen, desto großartiger erschei- ’ nen die Umrisse des Serbul, welcher sich rechts von uns er- , hebt. Es sind schon seine Nordabfälle mit ihren mächtigen i Granitaußenwerken, die hier den südlichen Rand des Thales bilden, das wir durchwandern, aber so nah uns der Berg! auch zu sein scheint, liegt er doch noch ziemlich weit zurück,! und diesem Umstand danken wir es, daß wir seine sich präch ' tig aufthürmende Masse, die an ihrem Gipfel einen fünf Kilometer langen fünfzackigen Grat bildet, ganz überblicken können. Schauen wir nach rechts und aufwärts, so erkennen wir die Gliederung der nackten Felsenflächcn des nördlichen Abfalles dieses Gebirgsriesen ganz deutlich. Zwei tiefe Thal-