Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227501-3227506--41443-3309914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59 Oberrath Millstätter, der in Karlsruhe geboren ist und nun schon eine 4.3jährige Thätigkeit als Lehrer, Rabbiner und Mitglied der Badischen obersten israelitischen Religionsbehörde seiner Baterstadt und seinem engeren Baterlande gewidmet hat, feierte am 23. December v. I. seinen 70. Gebnrtstag. Trotzdem der Jubilar in seiner Bescheidenheit jede öffentliche Feier gern vermieden hätte, so ließen es sich seine Freunde doch nicht nehmen, diesen Tag festlich zu begehen. Am vorhergehenden Sabbath hielt Herr Rabbiner Dr. Schwarz in der Synagoge die Festrede und sprach für den Gefeierten ein inniges Gebet. Abgesehen von zahlreichen Privatkundgebungen der Thcilnahme von Nah und Fern überbrachten am Jubeltage Deputationen die Glückwünsche und Geschenke der Gemeinden, der Rabbiner und Lehrer Badens. Mögen dem seiner amtlichen und gesellschaftlichen Stellung wegen hochangesehenen und als Mensch vielverehrten Jubilar noch viele Jahre frischen Schaffens und ungetrübten Glückes befchieden sein. — Man schreibt aus Wien: Se. Majestät hat mit a. h. Entschließung vom 2h. Deebr. v. I. dem Schriftsteller Dr. Leopold Kompert in Wien in Anerkennung seiner literarischen Thätigkeit und seines gemeinnützigen Wirkens den Titel eines Regierungsrathes taxfrei allergnädigst zu verleihen geruht. — Man schreibt uns aus Wien: Unter denjenigen Zeitungen, welche nach dem an sämmtliche österreichische Postanstalten ergangenen Circulare in Oesterreich vom 1. Jan d. I. gerichtlich verboten sind oder denen das Postdebit entzogen wurde, befindet sich auch die ,L’ allianee israelite universelle“!?! Aus Cassel wird uns mitgetheilt: Zum Provinzialrabbiner für die Provinz Hanau wurde Hr. Dr. Koref, Rabbiner in Rawicz. gewählt und von der Regierung bestätigt. — Aus Pest wird uns geschrieben: Für die Brandbeschädigten in Haßkiöi sind beim „P. Lloyd" bis jetzt c. 5300 Gulden eingegangen. Die Spender sind größtenthcils Juden. — Giacometto Lumbroso, ein geborener Tunesier, ist zum Geschichtsprofessor in Palermo ernannt worden. — In Durban (Südafrika) hat sich eine jüdische; Gemeinde constituirt. Iseuille 1 on. Der Weg zum Sinai und die Ämalekiterschtacht. (Aus: Palästina in Bild und Wort von Ebers und Gut he.) tFoilscjznii.; und Schluß.) Der Lagerplatz bei Raphidim hat eine doppelte Bedeutung, denn erstens soll bei demselben der wunderthätige Ouell aus dem Felsen gesprungen sein, zweitens aber haben Israeliten in seiner Nähe zum erstenmal eine Schlacht geschlagen. Im zweiten Buch Mose 17,8 heißt cs von derselben: „Dann kam Amalek und kämpfte mit Israel bei Raphidim. Amalck sind die Amaletcker, und ein Stamm dieses Namens hat noch in später Zeit die Oase Firan bewohnt. Nichts ist natürlicher, als daß dieses kriegerische Volk seine fruchtbare Heimstätte nicht ohne Gegenwehr den fremden Eindringlingen überließ; aber cs scheint Mose und den Seinen nicht aus der Oase selbst entgegengetrctcn zu sein, sondern es versucht zu haben, sie im Rücken anzugreifen. Ties geht aus dem Abschuitt im 2h. Kapitel des fünften Buches Mose hervor, wo cs heißt, die Amalekiter hätten die Israeliten auf dem Marsche j überfallen und ihre Nachhut geschlagen. Diese Notiz hat Manche zu der Bermuthung geführt, die Schlacht sei hinter der Oase geliefert worden. Aber wie wäre es denkbar, daß die streitbaren Bewohner derselben ihre Felder, Gärten, Palmenhaine und Häuser ohne Schwertstreich preisgegeben und sich dann erst auf den Feind gestürzt hätten? Wer diese Gegend und die Kampfreihe der Beduiuen kennt, bedarf solcher unglaublichen Auskunft mit Nichten. Allerdings haben die Amalekiter gewiß, wie die Afghanen in dein den englischen Soldaten so verhängnißvoüen Khyberpasse, die Israeliten umschwärmt und der jüdischen Nachhut, die natürlich (Moses V, 2h, 18 wird dies hervorgehoben) aus dem schwächsten Theile des großen, von den Strapazen des Marsches schon stark mitgenommenen Heeres bestand, unermüdlich zugesetzt; aber sie sind nicht aus der Oase gekommen. Diese ist heute noch das Paradies der Beduinen, j Was die Oase des Amon für die libysche Wüste im Westen des Nils, das ist Firan für die Sinaigegend, und diese Fruchtinsel in der der Einöde ist auch zauberhaft schön, denn der Fluß, welcher sie durchströmt, versiegt nie, da er theils von den Wassern des Serbal, theils von denen genährt wird, die sich an den nördlichen und östlichen Hängen der Dschebel Musagruppe sammeln und ihren Abfluß durch den Wadi esch-Schach in den Wadi Firan nehmen. Tamarisken, Palmen und Nebkbäume (Zizyphus), schlankes, flüsterndes Rohr am Rande des rauschenden Baches, Bogelgesang, lautes, frohes Leben und Gedeihen umgiebt uns hier, und wie wir dies doppelt dankbar nach dem langen Aufenthalte in der Wüste empfinden, so hat es schon die Beduinen vor Tausenden von Jahren entzückt. Heutigen Tages erhebt sich hier mitten unter cingezäuntcn Gärten, Pflanzungen und festen Häusern ein Heiligengrab zur Erbauung der Beduinen, und im Alter, thume ist diese Oase gewiß der Centralpunkt für das gemeinsame Stammesleben der Amelckiter gewesen, hat hier wahr- ^^«1^ auch ein Heiligthum ihrer Götter gestanden. Sol-! chen Besitz giebt kein kräftiges Bolk ohne Gegenwehr auf, und man darf sicher annehmen, daß, sobald Kundschafter die Nachricht gebracht hatten, ein Heer von seltsamen Fremdlingen