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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-22 · Heft 4 (22.1.1884) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 4 (22.1.1884)
Date
1884-01-22
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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57 Pest, 1 3. Januar. Nachdem in der Sitzung des Ober-! gänzlich mißlungen ist, auch hier Eingang zu finden, beweist Hauses am 10. d. der Antrag, den Gesetzentwurf über die Ehe zwischen Christen und Juden nochmals einem Ausschüsse zu überweisen, durch die Gegner des Gesetzes mit 135 Stimmen gegen 122 verworfen worden, fand am 12. die entscheidende Sitzung statt. Das Oberhaus verwarf mit 200 gegen 101 Stimmen abermals die Vorlage. So viel wie man hört, wird Tißa deshalb seine Entlassung nicht einreichcn, aber der Sturm im Lande ist groß. Das ist schon daraus crstchtlich, daß die Magyaren keinen Anstand nahmen, zu den österreichischen Magnaten ihre Zuflucht zu nehmen. Schweden. R. Stockholm, im Januar. (Privatmitth.) Eine Ovation in großem Maßstabe wurde unserm Synagogenvorsteher Herrn Rector Valentin am letzten Tage Chanuckah, seinem 70. Geburtstage, zu Theil. Schon der Morgengottesdienst, dem der greise Jubilar mit seinen Söhnen beiwohnte, gestaltete sich feierlicher als je; auf Veranlassung des Synagogenvorstehers, des Herrn S. Elkan, wurde zu Ehren des Tages die Synagoge festlich erleuchtet. Wie Wenigen ist es dem verehrten Jubilar gelungen, sich allgemeine Sympathieen zu erringen, und ebenso zahlreich und mannigfach waren auch die Zeichen der aufrichtigsten Theilnahme von nah und fern. Das Vorstandscollegium überbrachte die herzlichsten Glückwünsche, Herr Rabb. vr. Klein und die Cantoren widmeten dem Jubilar innige Worte des Dankes und der Anerkennung und Herr I. Jacobson, Organist und Chordirigent unserer Synagoge, hatte eigens für diese Festlichkeiten eine Cantate componirt, die im Hause des Jubilars vom Synagogenchore gesungen wurde. Unsere Zeitungen berichten: „Herr Rector A.E. Valentin feierte am letzten Tag des altenJahres seinen 7n. Geburtstag, und hatte das seltene Glück, mit ungeschwächter Kraft in seinem mühevollen Berufe als Lehrer, dem er sich seit 46 Jahren mit Erfolg und Anerkennung gewidmet hat, fortzuwirken. Seit 1835 unterrichtete der Jubilar in verschiedenen Lehranstalten und amtirte noch am Schartau'- schen Handelsinstitut. Von Sr. Majestät dem Könige von Schweden erhielt er den ehrenden Auftrag, den Kronprinzen und die Herzöge von Gotland und Westergötland in der deutschen Sprache zu unterrichten, und seit vielen Jahren bekleidete der Jubilar das Ehrenamt eines Vorstehers der isr. Gemeinde und des Rectors der Religionsschule. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß es dem noch rüstigen Manne vergönnt sein möge, noch lange seinem Berufe zu leben, in welchem er sich durch sein leutseliges und anspruchsloses Wesen allgemein beliebt gemacht hat." Wie es der leider überall herrschenden judenfeindlichen Strömung, trotz mannigfacher Anstrengungen von außen her, folgende Auszeichnung, über die wir mit besonderer Genugthuung referiren. Herr Di- Moritz Rubenfon wurde kurz nach der Emancipation der schwedischen Juden zum Sekretär der Stadtverordneten Stockholms ernannt, eine hochangesehene Stellung, die jedoch sehr große Ansprüche an ihren Mann stellt. Das Anfangsgehalt betrug 4800 Kronen, doch schon im Jahre 1874 wurde, wie cs ausdrücklich heißt: „in Anbetracht der ausgezeichneten Art und Weise, wie Herr vr. R. seinen schweren Amtspflichten gerecht wird," eine Erhöhung auf 6000 Kronen bewilligt. Vor Kurzem lag nun den Stadtverordneten der Antrag des Ausschußes vor, der wörtlich so lautet: „Da es für das Stadtverordneten-Collegium von größtem Gewichte sein muß, sich für längere Zeit die eminenten Leistungen des Herrn vr. R. zu sichern, möge demselben eine persönliche Gehaltserhöhung von 2000Kronen bewilligt werden." Der Antrag ging glänzend durch. — Zum ersten Male halten wir diesen Chanucka solennen Gottesdienst mit Predigt. Letztere fand ungetheilten Beifall, und es ist interessant zu hören, was ein christlicher Gelehrter, der in einer Wochenschrift die in den hies. Kirchen gehaltenen Predigten Revue passiren läßt, von dieser Predigt des Herrn vr. Klein sagt. Der Raum gestattet uns nur den Schluß jenes ausführlichen Referats hier wiederzugeben: „«Nun hat Israel in allen civilisirten Ländern Freiheit und Gleichstellung gewonnen. Aber Reactionsversuche tauchen überall auf. Durch Schmähungen gegen die Lehre und den Glauben Israels hat man versucht, mittelalterliche Zustände herauszubeschwören. Man schildert Israels Gott als den Rachegott und gegen die jüdische Lehre wagt man die boshaftesten Beschuldigungen. Da thut es Roth, daß wir auf unserer Wacht sind, daß wir unsere Mission kennen, unsre vieltausendjährige Geschichte nicht vergeffen, daß wir unsre heilige Lehre laut und offen vor aller Welt bekennen. Diese Lehre predigt einen Gott im Himmel, eine Menschenfamilie auf Erden, die Verbrüderung des ganzen Menschengeschlechts.» Der Bortrag des Herrn vr. Klein zeichnete sich bei dieser wie bei anderen Gelegenheiten durch gediegenen Inhalt und eine vollendete Darstellung aus. Seine Predigten bilden die beste Widerlegung des noch anzutreffenden Vorurtheils, daß das Judenthum eine engherzige, unverträgliche Lehre sei." Rußland. Petersburg, 11. Januar. Unter sieben neuen correspondirenden Mitgliedern, welche die Akademie der Wiffenschaften ernannt, befinden sich zwei Juden: Theodor Gompertz in Wien und Jules Oppert in Paris. — Die deutsche St. Petersburger Zeitung erfährt, die Plenarversammlung des Senats habe beschlossen, zuständigen Orts noch vor der 4

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