Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
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einmal Thierblut zu genießen erlaubt sei, woraus Redner den richtigen Schluß abstrahirte, daß das eigentliche ursprüngliche Christenthum (im Wesentlichen) noch nach jüdischem Ritus lebte."—Allein dieser Schluß ist kein richtiger. Die Apostelg. K. 15 erzählt, daß, als in den Provinzen die Streitsrage sich erhoben, ob Heiden, die Christen werden wollten, sich dem mosaischen Gesetze unterziehen müßten, diese Frage vor bic1 Apoflelältesten in Jerusalem gebracht wurde. Aus den Rath des Jalobus wurde nun beschlossen, den Heiden, die sich zu 311) und der Spenden bedarf. Dieselbe nahm in diesem Sommer 76 unbemittelte Kranke auf, und gab ihnen Alles, was zu ihrer Verpflegung und Kur nöthig war. Mögen deshalb menschenfreundliche Herzen auch dieser, so Bielen Heilung spendenden Anstalt gedenken, die mit vergrößerten Mitteln ihre Wirksamkeit noch vergrößern könnte! O estcrreich-Ungarn. Pest, 0. Januar. (Privatmitth.) Wenn schon oft Gott bekehren wollten, keine Unruhe zu machen, ihnen weiter ausgesprochen wurde, daß die Behandlung der Juden in keine Beschwerung aufzulegen, als nur diese nöthigcn Stücke, einem Lande einen Gradmesser für die Cultur des Volkes daß sie sich enthalten sollten vom Götzendienst, von Hurerei, abgiebt, so bewährt sich dies wiederum in Ungarn. Das Gevom Erstickten und vom Blut. Dieser Beschluß wurde den setz über die Ehen zwischen Christen und Juden, das die letz- Heiden in einem an sie gerichteten Schreiben mitgetheilt und von ihnen gut ausgenommen. — Daraus geht hervor, daß die Apostel-Aeltesten re. das Berbot, Blut oder Ersticktes, d. h. Thiere, denen beim Schlachten das Blut nicht entnommen war, zu genießen, nicht als ein bloß mosaisches, nur die teren nur des Princips wegen interessirt, bauscht sich zu einer Staatsaktion auf, von vielleicht außerordentlicher Tragweite. Morgen wird die Entscheidung im Oberhause bei der abermaligen Verhandlung über dieses Gesetz fallen. So viel ist sicher, auf Veranlassung dieses Gesetzes haben sich die Ele- Judenverbindendes, sondern als ein allgemeines Gesetz für! mente zu einer conservativ-katholischen Partei zusammengedie ganze Menschheit angesehen haben, da es ja nach 1. Mos.' sunden und erstarkt, welche dem ungarischen Staate viel zu 9, 4 schon länger als ein Jahrtausend vor der mosaischen! schaffen machen wird, lieber 60 Gesuche um Anerkennung Gesetzgebung an die Noachiden gerichtet worden war. — Aus I der Berechtigung auf einen Sitz im Oberhause sind eingelaufen der Behauptung Tertullian's, den Christen sei der Genuß des! und anerkannt worden. Darunter 15 österreichische Magnaten, Thierblutes nicht erlaubt, läßt sich demnach durchaus der! welche das ungarische Jndigenat besitzen. Der ganze Heer- Schluß nicht abstrahiren, das eigentliche ursprüngliche Christen-! bann der conservativen Magnaten wird aufgeboten. ObTißa thum habe (im Wesentlichen) nach jüdischem Ritus gelebt; i dafür gesorgt hat oder sorgen konnte, daß auch liberal Gedenn wie wir gesehen haben, wurde ja dieses Verbot gar^sinnte unter diesen 60 neuen Oberhausmitgliedern sind, wissen nicht zu den jüdischen Ritualien gezählt. Die mosaische Ge-!wir nicht. Ist die Schlacht geschlagen, so frägt es sich, welsetzgebung hat das Berbot des Blutgenuffes oft und nachchen Einfluß sie auf das Volk haben werde, ob die Magnaten drücklich verschärft, indem sie auf seine Uebertretung die Strafe durch ihren Einfluß und die Benutzung der im Volke weitder Ausrottung aus dem Volke (als göttliche Strafe) setzte. > verbreiteten antisemitischen Stimmung die bevorstehenden M. Mannheimer.! Wahlen zum Vortheil der conservativen Partei leiten werden, Colberg, im Januar. (Privatmitth.) Wenn eine das ist die weitere Frage. Dann würde die liberale Regie- Anstalt durch den Eifer, mit welchem ihr Vorstand dieselbe i rung gestürzt und für Ungarn ein innerer Kampf entstehen. bei noch wenigen Mitteln begründete und aufrichtete, und 1 durch ihre segensreiche Wirksamkeit die Unterstützung durch I die Oeffentlichkeit verdient, so ist es das jüdische Äurhospital! zu Colberg, diesem See-, Sool- und Moor-Bade. Nach dem I der nach allen Seiten hin mit großen Gefahren droht. Pest, 10. Januar. In der heutigen Sitzung des Oberhauses hatten sich die Mitglieder sehr zahlreich eingefunden; die Galerien waren dicht besetzt. Nach Erledigung des Berifür 1883 soeben erschienenen Jahresbericht hat das Hospitals sicationsberichts, wonach die Mitgliederzahl des Hauses sich in finanzieller Beziehung ein sehr gutes Jahr gehabt. Aus! um sechszig vermehrt hat, gelangte die vom Abgcordnetendem Lotterie-Unternehmen zu seinen Gunsten wurden vor-! hause aufrecht erhaltene Vorlage über die Eheschließung zwischen läufig 10 000 Mk. dem Grundvermögen zugeführt. Außer-! Christen und Juden zur Berathung. Es fand eine längere dem erhielt es beträchtliche einmalige Spenden, und die ordentj Debatte darüber statt, ob die Vorlage einem aus drei Mitlichen Einnahmen beliefen sich auf 7443 Mk., wovon 5273! gliedern bestehenden Ausschüsse zur Vorberathung überwiesen Mk. verausgabt und 2000 Mk. dem Grundvermögen zuge-! oder ob dieselbe sofort im Hause berathcn werden solle, führt wurden. Außer dem hypothekenfrei gemachten Grundj Schließlich wurde der Antrag des Grafen Ferdinand Zichy, stück von 43 854Mk. und einem Jnventarium von 7328 Mk. über die Vorlage ohne vorherige Ausschußberathung zu veran Werth, besitzt die Anstalt gegenwärtig ein Grundvermögen von 11600 Mk. Man ersieht hieraus, daß die Anstalt zu handeln, mit 135 gegen 122 Stimmen angenommen und der 12. d. M. zur Berathung festgesetzt. Der Antrag des Grasen ihrer Existenz noch immer der Beiträge der Mitglieder (jetzt j Zichy wurde von den Gegnern der Vorlage unterstützt.