Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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53 der jüdischen Sittlichkeit. Wir können dieS um so freier und ' deren bessere Dotirung schon vor langen Jahren geradezu unbefangener hervorheben, als Lasker, seiner Religion getreu, als eine Ehrenpflicht des Staates. Und ebenso war es LaSker, doch in seinem öffentlichen Leben nur in höchst seltenen Ausder, als nach dem letzten Kriege zuerst von Gehaltserhöhungen nahmen für das Judenthum eintrat, wo cs angegriffen war, für die Beamten die Rede war, für die von Camphausen und selbst Baker jenes todtgeborenen Kindes, des Austrittsgänzlich vergessenen Gymnasiallehrer eintrat. Noch heute gesetzes aus der jüdischen Gemeinde, war. So mögen denn klingen uns die warmen Worte im Ohr, mit denen er an seine irdischen Reste ihre Ruhestätte finden, sei es jenseits,; das Tankgefühl appellirte, welches weitaus die Mehrzahl der fei es diesseits des Oceans! Ueberall wird sein Name hoch-! Abgeordneten diesem Berufsstande schulde. Und cS war wiegeehrt bleiben und oft wird er noch vermißt werden im derum LaSker, der den Gedanken, den Beamten Wohnungs- Schooße der deutschen gesetzgeberischen Faktoren, paßt gänzlich daS Horazische: Vir integer vitue. Um das Urtheil der Zeitgenossen über Lasker zu kennzeichnen , sehen wir uns bei seinen erbittertesten politischen Auf ihn gelder, analog dem Servis der Ofsiciere, zu gewähren, in j der parlamentarischen Arena anregte. Bon eminenter Bedeutung war der von Lasker am Februar 1373 anläßlich der Berathung des Eisenbahn- Feinden um. Wir wählen hierzu die hochconservative; etats eröffnete Kampf gegen das Gründerthum. Laskers „Schlesische Zeitung", die ost genug eine heftige Polemik Verdienst wird nur dadurch gemindert, daß er von diesem gegen Lasker geführt hatte. Sie sagt in einem Nachrufe:! Kampfe ablicß, als er erkannte, daß allzu viele seiner Partei- „Nicht ohne tiese Bewegung haben tvir die Kunde von und seiner Glaubensgenossen eompromittirt werden würden, dem plötzlichen Tode Lasters vernommen. In den meisten^??) wenn, seinem Versprechen gemäß, „die Leuchte in den Fragen, welche seit einem Jahrzehnt unser inneres politisches; letzten Winkel hineingetragen" würde. Immerhin bleibt die Leben bewegten, nrußten wir in ihm unseren Gegner erkennen, Thatsache bestehen, daß seine vielberufene große Rede das ihm galt manches unserer streitbaren Worte; nie aber haben sittliche Bctvußtsein der Nation mächtig geweckt und wescntwir den reinen Gruudzug seines Wesens verkannt, nie seinem; lich dazu beigetragen hat, daß das schamlose Treiben des eifrigen und vielfach erfolgreichen Wirken für die national-1 Gründer- und Jobberthums alsbald ein Ende mit Schrecken politische Einigung Deutschlands die wärmste Anerkennung fand. Sein kühner Offensivstoß hat seine persönliche Jntevcrsagt.! grität in das hellste Licht gestellt; auch seine erbittertsten War Lasker auch mehr zur Kritik als zu schöpferischen! Gegner haben derselben vollste Anerkennung gezollt." Leistungen beanlagt und geneigt, so weist feine parlamen- Als ein gewichtiges Zeugniß für Lasker fügen wir tarische Thätigkeit doch auch belangreiche positive Resultate > schließlich noch Folgendes hinzu: auf. Ihm vor allem ist cs zu danken, daß wir zur beut-} Das „Souneb. Tgbl." schreibt: „Setten ist's, daß ein schen Rechtseinheit gelangt sind. Ter im Frühjahr von Itz73'-Wahlkreis zu seinem Abgeordneten so fest und treu durch Angebrachte Antrag, nach welchem die ursprüngliche Fassung! allen Wechsel der Zeit und politischer Meinungen steht, wie des Reichsgrundgesetzes dahin erweitert wurde, daß fortan der 2. Meininger Wahlkreis zu Lasker gestanden hat. Nicht das gcsammte bürgerliche Recht, das Strafrecht und das ge-! gering waren die Bemühungen der conservativcn wie der richtliche Verfahren zur legislatorischen Competenz des Reiches i gehören sollten, verdankt vornehmlich ihm seinen Ursprung und seinen Erfolg. Die Universität Leipzig ehrte ihn in Folge dessen durch Verleihung der Würde eines Doctors der soeialistischcn Gegner, ihm den Wahlkreis zu entreißen; aber so nachdrücklich eingelreten, für ähnliche Bedürfnisse innerhalb des Judenthums gethan habe? Die Antwort lautet: DaS Gegentheil; I er hat wiederholt von der Revnerbühne auS erklärt, die Juden ver- . . , ..j.!zichteten auf jeden Anspruch an SiaatSunterstützung. Wir richteten Rechte. Ein nicht zu unterschätzendes Verdienst hat sich Lasker > damals wiederholt öffentlich die Anfrage an ihn: wer ihm zu solcher auch dadurch erworben, daß er in Sachen des Culturkampfes! im Namen seiner Glaubensgenossen das Mandat ge . ,/ ,■ ’ > geben? Daß die mlnichen Institute einer ^taalslubventron nicht oder das erste Wort des Friedens sprach, welches von liberaler sehr schwer entbehren können, erficht man an den Seminaren zn Seite in unseren Parlamenten laut geworden ist. Es ge- Munsterund znHannover Ein SiaarSzuschuß für die Besserdotnimg ' T" a 1 der judnchen Lehrer und Cantorcn in kleinen Gemelnden wäre cm schah dies zu einer Zeit, in der das Centrum nach links hm - dringendes Bedürfniß. Daß mir, die wir als Steuerzahler für die „och vollständig isolirt stand und °» Wahlbündnisse Mischm! MMdaLZ »SÄÄmS«? ihm und dem Fortschritt noch gar nicht gedacht wurde. Lasker bei sich von dem Gedanken leiten ließ, das Judenthum in feiner war auch unter leinen Barteiaenonen der Erste vielleicht der Unabhängigkeit zu erhalten, so hat er eben die wirkliche Sachlage .oar auai unter leinen ^aricigeuopen ocr ^tsir, uuuiugi u; flnr uicI)t flelflnnt< Tie jüdischen Gemeinden stehen in Preußen in Einzige, der sich für eine Verbesserung der Lage der evanvollster Abhängigkeit von den Staatsbehörden: ihre Etats werden jährlich von der Regierung bis in die kleinsten Details geprüft, gegelischcn Geistlichen lebhaft engagirt hat;') er bezcichncte 11 Um so eher, das müssen wir an dieser Stelle bemerken, wird man sich darnach umschen. was Lasker, der also für die katholische und die evangelische Geistlichkeit und deren Gehaltserhöhungen nehmigt oder monirt; nicht der geringste jüdische Dorfcantvr darf eingestellt werden, ohne die Bestätigung der Regierung; die jüdischen Lehranstalten unterstehen derselben Anfsicht wie die christlichen. — ES war diese Bemerkung nothwendig, um die Stellung Lasters nach dieser Richtung hin zu charaklcrisiren. Red. d. A. Id. I.