Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1884)
- Date
- 1884-01-22
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 wieder. Wir bemerken gern, daß er im Schooße der jüdischeu Gemeinde einer kleinen Posen'schen Stadt, Jarocyn, geboren und erzogen ist und bis zum dreizehnten Lebensjahre vorzugsweise biblisch-rabbinischen Unterricht erhielt, so daß er in jenem Alter schon so frühzeitig des Ausdrucks in der hebräischen Sprache sehr mächtig war und als er seine Vaterstadt verlassen hatte, mit seinem Vater hebräisch correspondirte. Seine Erziehung als Knabe war also eine echt jüdische, und aus dieser Wurzel entsproß der Mann, der ganz und gar dem öffentlichen Leben, der parlamentarischen Wirksamkeit sich hingab und, man kann es sagen, sich opferte. Die Organe aller Parteien haben ihm Nachrufe gewidmet, die selbstverständlich nach der Stellung, welche Lasker zu jeder dieser Parteien eingenommen hatte, sich mannichfaltig schattirten. Aber in Einem stimmen sie alle überein, in der Anerkennung seines streng sittlichen Charakters, seiner Selbstlosigkeit, seiner patriotischen Begeisterung, seines unermüdlichen - Fleißes, feiner unbeschränkten Hingabe an die Arbeiten, die; ihm auf dem parlamentarischen Gebiete zufielcn. Fern von Eduard §asker.! allem Strebcrthnm, von allem bloßen Ehrgeiz und jeder hab- Jndem wir diesem ausgezeichneten Manne, einem der gierigen Regung, sah er in der strengsten Unbestechlichkeit edelsten Sprößlinge unserer Religion und unseres Stammes, und lautersten Unbescholtenheit die nothwendigste Bedingung dert durch den Pseudomessias Barkochba sich abspielte, dem sogar der erleuchtete Akiba die Anerkennung als Messias gewidmet hatte, war von den schrecklichsten Folgen für das Volk begleitet. Dennoch ließ das letztere von diesem Glauben nicht ab, und erst die letzten Jahrhunderte, Zeiten der Ruhe und Sicherheit, wenn auch der Beschränkung und Bedrückung, schwächten ihn im Geiste des Volkes ab. An seine Stelle trat mit der Klärung und neuen Durcharbeitung des Lehrinhalts des Judenthums in unserer Zeit nun wieder die prophetische Lehre von der messianischen Zeit, d. h. von der fortschreitenden Entwickelung des Menschengeschlechtes zu den Idealen der religiösen und sittlichen Vervollkommnung, zur Gotteserkenntniß, zum Rechte und zur Liebe. Sie, ob in der alten Allgemeinheit oder in der engeren Vorstellung eines persönlichen Messias gefaßt, ist seit der vorjesajanischcn Zeit ein Fundament und ein integrirender Thcil der jüdischen Lehre. '') (Fortsetzung folgt.) auch in diesen Blättern ein ehrendes Andenken zu widmen haben, ist uns unsere Aufgabe leicht gemacht. Wir haben hier nicht eine Schilderung seiner eigentlichen Lebensthätigkeit, der Verdienste, die er sich in seiner 111 jährigen parlajeder öffentlichen Wirksamkeit. Zu einer Zeit, bemerkt z. B. die „Nationalzeitung", wo es nur eines Winkes seinerseits bedurft hätte, um in die glänzendste äußere Lage versetzt zu werden, wies er jedweden Antrag mit Entrüstung zurück und mentarischen Wirksamkeit im preußischen Abgeordnetenhause, > beharrte in seiner einfachen Lebensweise. Dabei war er von im Norddeutschen und im Deutschen Reichstage erworben der einnehmendsten Liebenswürdigkeit, beseelt von wahrhafter hat und der Eigenschaften zu geben, die ihn als Gesetzgeber ' Menschenfreundlichkeit, bescheiden in seinem Auftreten, außer und Politiker auszeichneten. Er gehört hierin der Geschichte! wenn er auf dem Kampfplatz erschien und es das Erringen der neueren Entwickelung Preußens und Deutschlands an, oder Vertheidigen derjenigen Güter galt, welche er für das und er hat genug geleistet, um seinen Namen ehrenvoll in! allgemeine Wohl für unentbehrlich hielt. Paul Lindau bedie Tafeln dieser Geschichte einzugraben. Was uns an dem! richtet in der „Köln. Z." über die Reise auf der Nordpaci- Betrauerten an dieser Stelle vorzugsweise interessirt, das ist > ffque-Bahn, auf welcher Lasker als Mitgast seine deutschen sein Charakter, der eigenthümliche sittliche Grundzug, welcher,; Landsleute begleitete, also aus den letzten Wochen seines wir können es ohne Selbstüberhebung und Anmaßung aus-! Lebens. Er schildert ihn von einer wahrhaften „Engelsgüte", sprechen, gerade in den jüdischen Parlamentariern der neue-1 von einer rührenden Liebenswürdigkeit, von einer Bescheidenren Zeit so wohlthuend hervortritt. Ja, gerade in dieser heit, welche diejenigen fast beschämte, die sich mit ihm untcr- Beziehung schließt sich auch Lasker in eminenter Weise seinen; hielten. Und dabei habe er auf dieser Reise bei Gelegenheit Vorgängern, einem Gabriel Riesser, Moritz Veit, Raphael (eine Rede gehalten, die an seine vorzüglichsten oratorischen Jakob Kosch, Johann Jacoby, Jsaac Adolphe Cr'-micux^ Leistungen erinnerte, ja sie vielleicht alle übertraf. Ties ist Michel Goudcheaux, Adolph Fischhof, Gvdefroi u. A. au. Die \ es, was wir an dieser Stelle hervorheben wollen. Bei Jureine sittliche Größe dieser Männer spiegelt sich auch in Lasker 5) Man sieht hieraus, wie sehr aus Unwissenheit oder bösem Willen oder aus beiden heraus viele christliche orthodoxe Theologen, aber auch radikale dem modernen Judenlhum die völlige Auflösung der messianischen Idee als Lehre einer messianischen Zeit vorwerfen. Tie Herren mögen sich doch Jes. 2, 2 — 4. und Micha 4, 1—4. arischen, um das Alter und die Grundlage der Lehre von der messiairischen Zeit gewahr zu werden. Kommt doch selbst der Ausdruck mrc für „Messias" irr der ganzen h. Schrift nicht vor. (S. Religionsl. a. a £. S. 135.) den, welche irgend in eine öffentliche Stellung cintretcn, und durch ihre Leistungen allgemeine Interessen fördern, ist es uns vorzugsweise gelegen, ihren Charakter zu beobachten und sicher gestellt zu sehen, von welchen reinen, sittlichen und patriotischen Gesinnungen sie sich leiten lassen, und wie sie die Lauterkeit ihrer Absichten, ihrer Triebfedern und ihrer Handlungsweise bethätigen. Und hierin erscheint uns Lasker abermals als ein würdiges Vorbild, als ein eminenter Vertreter