Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1884)
- Date
- 1884-01-15
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
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46 daß selbst die ultramontanern „Deutschen Volksblätter", diesem > wurde als einer der edelsten Männer verehrt, da er mit einer Veteran den Freiheitskriegen anerkennende Worte widmen, echt jüdischen Religiosität die humanste Toleranz, die strengste Man schreibt hierzu aus Viersen: „Der verstorbene ehrwürdige , Biederkeit und ein wohlthätiges Streben ohne Unterschied der Greis war der Senior der hiesigen jüdischen Gemeinde und! Konfession verband." — Aeuilteton. Der Weg zum Sinai und die Ämalekiterschlacht. (Aus: Palästina in Bild und Wort von Ebers und Gut he.) Nimmt man die Karten der englischen Landesaufnahme und die hierzu von den tüchtigen Leitern derselben verfaßten Kommentare zur Hand, so ist es kaum zweifelhaft, daß man sich hier im Wadi Firün wieder auf der Spur der auswandernden Juden befindet. Wir haben dieselben bis Dophka begleitet. Der nächste Lagerplatz, welchen die Bibel erwähnt (Mos. IV. 33, 12. 13) heißt Alus, und dieser muß zwischen Wüdi Marüva (Dophka) und Raphidim, „wo es kein Wasier zu trinken gab für das Volk", gesucht werden; Raphidim aber ist doch wohl kaum etwas Anderes, als der der Oase gleichen Namens benachbarte Theil des Wüdi Firün. Die namentlich von englischen Bibelforschern ausgesprochene und vertheidigte Ansicht, daß Moses die Seinen vom Lager am Schilfmeere aus durch die Wüste el-Marcha geführt und die Minen von Wüdi Marüva umgangen habe, müsien wir als grundlos zurückweisen. Wir erinnern an das bei Gelegenheit der Mafkatgruben Gesagte und bemerken dazu, daß es auf der ganzen Halbinsel keinen traurigeren und glühenderen Wüstenstrich giebt, als die dem Ufer des Rothen Meeres von Rus Abu Senime bis zur Mündung des Wüdi Fir^n folgende Einöde. Schon wegen der Felsvorsprünge, welche sich vor dem Ende des an letzter Stelle genannten Wüdi nach der See hin vorschieben, kann hier nie eine wcgsame Straße bestanden, und eine unwegsame wird Moses schwerlich für das Volk gewählt haben. Jeder Reisende, welcher diese Gegend zu erforschen versucht hat, wird Palmer beipflichten, wenn er ihn dieselbe also beschreiben hört: „Wie vertraut wir auch mit der Wüste geworden waren, so hatten wir uns doch einer so völligen und erdrückenden Oede nicht versehen. Regungslos, in der Ruhe des Todes, lag vor uns das blaue Wasier, ganz dem Bilde entsprechend, wie es „dem Seefahrer des Alterthums" in seinen düstersten Visionen vorgeschwebt haben mag. Im Osten dehnte sich, so weit das Auge reichte, eine flache Sandwüste aus, deren Eintönigkeit durch keine Spur von Grün, kein lebendes Wesen unterbrochen wurde — im Westen das noch unfruchtbarere Meer, beide hart nebeneinander. Es war, als hätte die Natur diesen Ort so gelasien, um dem Menschen das uralte Wort greifbar deutlich vor Augen zu führen: „Verflucht ist der Erdboden um Deinetwillen". Wohl hat eine milde, immer wieder neues Leben hervorrufende Hand den schrecklichen Schicksalsspruch freundlich gemildert; hier aber nimmt man keine Regung derselben wahr, und es ist nicht ganz leicht, mit Worten auszudrücken, was solch ein Marsch besagen will. — Hände und Gesicht sind mit Blasen bedeckt, es giebt keine Spur auch nur des leisesten Schattens, und jeder Versuch, hier, wo es keinerlei Schutz giebt, Halt zu machen, hieße sich einen Sonnenstich zuziehen'." So geht es fort bis zur Mündung des Wüdi Firän Diese ist in gerader Linie etwa 54 Kilometer von der gewaltigen Berggruppe des Serbnl entfernt, der seinerseits wieder 13 bis 14 Kilometer hinter die Kalksteinbcrge zurücktritt, welche die Wüstenebene el-Kna, die sich nach T^r hin allmählich senkt, wie mit einer Barriere abschließen. Durch den Wüdi Fir-m, und nur durch diesen können die Juden gezogen sein, und wir setzen unsere Wanderung durch denselben fort, bis wir zu einem Palmenhaine gelangen, welcher el-Heswe genannt wird. Schon bevor wir denselben erreichen, begegnet uns grüner Pflanzenwuchs, haben einige niedrige und verkrüppelte Tamarisken ein wenig Abwechselung in die Eintönigkeit der Wüste gebracht; hier aber gewinnt die Landschaft auf einmal unbeschreiblichen Reiz. Die Färbungen des Gesteines in den steilen Thalhängen sind prächtig, und die ganz unerwarteten Wendungen des Thales führen dem Wanderer immer neue, überraschende Bilder vor. Aber ganz besondere Größe und Bedeutung gewinnen die Gemälde, welche hier dem Auge begegnen, durch den majestätischen Serbnl, welcher, je weiter man kommt, desto erhabener und herrlicher über die niedrigeren Borberge anfragt, zwischen denen das Thal hinführt. Kurz, ehe man in den bebauten und fruchtbaren Theil des Wudi Firun gelangt, stößt man auf den seltsam geformten Felsen Höci el-Chastatim. Rings um denselben her liegen Haufen von kleinen Kieseln, und es knüpft sich an diesen Block die folgende seltsame Legende: Als die Kinder Israel nahe daran gewesen waren, vor Durst und Hitze zu verschmachten, und dann aus dem wunderbaren Quell getrunken, welchen Gott aus diesem Felsen für sie erweckt hatte, ruhten sie hier ein Weilchen aus und vergnügten sich damit, Kieselsteine auf die benachbarten Felsstücke zu werfen. Daher, heißt es, sei dies Sitte geworden, — und die Araber treiben thatsächlich heute noch dasielbe Spiel. Sie sind des Glaubens, sich den Herrn Moses günstig zu stimmen, indem