Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1884)
- Date
- 1884-01-15
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Kommission wird in allen Wahlbezirken die Ageordneten-11868) und einzeln einige polemische Schriften und mehrere Kandidaten nominiren. 6. Die Wander-Kommission wirdJ Gutachten. überall eine Broschüre vertheilen, in welchen die Greuelthaten der Juden aufgezählt find. Das Manuskript zu dieser Broschüre liegt fertig; die Broschüre wird in Leipzig gedruckt werden, „weil" — wie der Präsident der Fünfkirchner Konferenz bemerkte — „die väterliche Hand der Regierung sich darauf legen könnte." Schließlich wurden alle jene Gemeinden in den Komitaten Tolna, Somogy und Baranya bezeichnet, in welchen die Wander-Kommission erscheinen und die Broschüren vertheilen wird. Gr. Kanizsa, 31. Dezember (Privatmitth.) Oberrabbiner Hirsch B. Fasse! ist am 26. d. M. im Alter von 83 Jahren von hinnen geschieden. Mit Fasiel ist einer der bedeutendsten ungarischen Rabbiner zu Grabe getragen. In Boskowitz (Mähren) geboren, war er mehrere Jahre Schüler R. Moses Sophers. Kaum hatte er, mit dem Rabbiner-Diplom geschmückt, die Jeschiwa verlasien, so ging er die Ehe ein und betrieb ein Geschäft, in dem er sein Vermögen, die nicht unbedeutende Mitgift seiner Frau, in kurzer Zeit verlor. Um seine Familie zu ernähren, entschloß er sich, seine tüchtigen talmudischen Kenntnisie zu verwerthen, und wurde Rabbiner. Im Jahre 1836 übernahm er das durch die Berufung Schwab's nach Pest erledigte Rabbinat in Proßnitz, nächst Nikolsburg die bedeutendste Gemeinde Mährens. Die im Februar 1845 auf ihn gefallene Wahl als zweiter Rabbiner in Breslau nahm er nicht an und seine Bemühungen um das mährische Landrabbinat blieben ebenso erfolglos wie die um das Landrabbinat in Casiel. Dafür folgte er als Nachfolger Leopold Löw's dem ehrenvollen Rufe der Gemeinde Groß-Kanisza, in der er bis zu seiner im vorigen Jahre erfolgten Pensionirung erfolgreich gewirkt hat. Fasiel, ein wisienschaftlich gebildeter Talmudist, bewegte An seinem Leichenbegänznisie betheiligten sich alle Kreise der Bevölkerung. Deputationen, welche aus verschiedenen Gegenden des Landes gekommen waren, und eine unübersehbare Menschenmenge gaben dem Dahingeschiedenen das letzte Geleit. Frankreich. Paris, 30. Dezember. Der Senat hat den von der Deputirtenkammer votirten Abstrich für die Subventionen der Seminaristen nicht gutgeheißen und die für diesen Zweck im Regierungsentwurf des Budgets ausgeworfene Summe wieder hergestellt. Die Deputirtenkammer ist diesem Beschlusie des Senates beigetreten, und so ist für das Jahr 1884 auch dem jüdischen Seminar zu Paris der bisherige Zuschuß gesichert. Bonn, 6. Januar (Notizen.) Man schreibt uns: In Altona starb Herr Adolf Kaufmann in seinem 60ften Lebensjahre. Derselbe war lange Stadtverordneter und bis an sein seliges Ende Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Um die Gemeinde machte der Verblichene sich hauptsächlich als Präses der Baucommission verdient, und erfreute sich besonders wegen seiner unermüdlichen Wirksamkeit für die Gemeinde der Sympathie aller Parteien. — Am 31. Dezember verschied zu Ratibor der Rabbiner vr. Julius Heckscher im 50. Lebensjahre nach langen schweren Leiden. Derselbe hatte früher in Köthen amtirt und war seit 16 Jahren an der Gemeinde zu Ratibor thätig, deren Liebe und Hochachtung er sich durch treue Pflichterfüllung uud Biederkeit des Charakters im hohen Grade erworben hatte. — Herr Philipp Goldschmidt, gebürtig zu Oldenburg, seit 1846 in Manchester wohnhaft, wurde zum Lord-Mayor dieser Stadt ersich sowohl in religiöser als literarischer Beziehung in der! wählt. — Herr Maurice Levy wurde zum Mitgliede des Sphäre des Talmud. Seit 1839 der reformatorischen Rich-! Institut de France in der Section der Mechanik der Akademie tung angehörend, suchte er, wie er selbst einmal äußerte,! der Wisienschaften erwählt. — Man schreibt aus Viersen vom Talmud aus zu reformiren und die von ihm eingeführten j vom 31. Dezember. Heute wurde unter sehr großer Bethei- Reformen talmudisch zu begründen. Seine literarische Thätigligung der letzte Veteran am hiesigen Platze, Herr Simon keit widmete er hauptsächlich der Erforschung des talmu- Strauß, zu Grabe getragen. Bor dem Leichenwagen schritt dischen oder mosaisch rabbinischen Rechts, das er fast ganz-unter den Klängen eines militärischen Trauermarsches der bearbeitet hat. Seine, theils auf eigene Kosten, theils mit! Kriegerverein, und eine unabsehbare Menschenmenge folgte Unterstützung der Akademie der Wisienschaften in Wien gedruckten Werke: „Das mosaisch-rabbinische Civilrecht" (1852, 1854) „Das mosaisch-rabbinische Gerichts-Verfahren in civilrechtlichen Sachen" (185V) „Das mosaisch-rabbinische Strafgesetz und strafrechtliche Gerichts-Verfahren" (1870) sowie seine „mosaisch-rabbinische Tugend- und Rechtslehre" (1848, 2. Auflage 1862) sind von bleibendem Werthe. Außerdem den irdischen Ueberresten des Entschlafenen. Her Oberrabbiner Dr. Horowitz aus Crefeld hielt am Grabe eine ergreifende Rede, worin er besonders hrevorhob, daß das schöne Einvernehmen, in welchem der Verstorbene zu seinen Mitmenschen ohne Unterschied der Konfession gestanden, sich auf dem letzten Gange so recht deutlich dokumentire. Unter Trommelwirbel und der üblichen Ehrensalve wurde der Sarg in die Gruft erschienen von ihm Predigten in Sammlungen („Die zehn i gesenkt. Der Verstorbene war i« 91. Lebensjahr und starb Worte des Bundes" 1854, und „Neun Derusch - Borträge"! sanft und schmerzlos an Altersschwäche. „Zu bemerken ist.