Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1884)
- Date
- 1884-01-15
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
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43 bisch und Hebräisch noch andere Sprachen gelehrt und zwar für Protestanten und Katholiken obligatorischer Religionsunterje nach der Lage der Verhältnisse. In Marokko z. B. wird richt besteht, dieser auch für Juden vollkommen gerechtfertigt unseres Wissens das Spanische bevorzugt, in Bagdad wegen ist. Die Behauptung der Antisemiten, daß das Berliner der Nähe Indiens das Englische, in Kleinasien mehrfach das; Tageblatt, weil der Besitzer desselben zufällig ein Jude ist, Italienische und wenn wir nicht irren in einer Anzahl von' die Interessen des „Judenthums" vertrete, erhält dadurch eine Schulen auch das Deutsche. Wenn nun freilich, was ich; seltsame Beleuchtung. übrigens nicht behaupten will, das Französische vor anderen! Was aber das Sonderbare ist — die conservativen Sprachen bevorzugt wird, so darf man sich darüber doch Blätter, z. B. das „Deutsche Tageblatt", findet dem gegennicht wundern bei dem Umstande, daß die Franzosen in Nordafrika so bedeutende Besitzungen haben und auch nach Syrien fortwährend streben. Wird doch auch in den deutschen Schulen das Französische nach der Muttersprache vor den über die Verordnung der Regierung in Ostpreußen für billig, vielleicht nur aus dem Bestreben, dem Berliner Tageblatt zu widersprechen und nebenbei einige orthodoxe Juden für die kommenden Reichstagswahlen conservativ zu stimmen. Das anderen modernen Sprachen bevorzugt, in vielen Instituten! „Deutsche Tageblatt" meint, unter solchen Umständen sei es ist sogar beinahe jedes deutsche Wort verpönt. Was würde■ nicht zu verwundern, daß es unter den orthodoxen Juden das „Deutsche Tageblatt" dazu sagen, wenn wir dem preußischen viele — Antisemiten gebe. Wir wollen auf letztere Behaup- Untcrrichtsminister deswegen vorwerfen wollten, er lasse die^tung einmal etwas näher eingehen. Bekanntlich stützen sich deutsche Jugend französisiren? Und glauben die Antisemiten, ja die Antisemiten gerne darauf, und Herr Stöcker selbst bedie doch bei jeder Gelegenheit dem Juden gern Materialishauptet von Juden schon Zuftimmungsschreiben erhalten zu mus und Geiz vorwerfen, die deutschen Juden senden des-j haben, und wir schenken ihm hierin— ausnahmsweise — Glauwegen ihre Beiträge an die Alliance israelite, damit die ben. Tenn leider giebt cs, dies läßt sich nicht leugnen, unter sranz. Sprache in Nordasrica und Vorderasien an Einfluß! den orthodoxen Juden allerdings Antisemiten. Aber was für gewinne? Uebrigens, schadet dies dem deutschen Reiche etwas, Juden sind das? Wir möchten sie in 2 Classen eintheilen. wenn die türkischen Juden Französisch lernen?? Aber es - Tie einen davon stellen sich eben nur orthodox, sind in Wirkist eben so, fast jeder neue Borwurf von antisemitischer Seite. lichkeit aber nur Heuchler und schimpfen aus ihre Glaubenssteht in Widerspruch mit früheren Vorwürfen. Haben ja erst; genossen, um sich selbst in ein möglichst günstiges Licht zu kürzlich bei der Abstimmung, ob geheime oder öffentliche : setzen. In einer größeren Stadt schrieb ein sich für ortho- Wahlen, die conservativen Abgeordneten ihre Presse auf eine dox ausgebender Jude längere Zeit für ein dortiges Hetz- Weise desavouirt, wie wir es uns nicht besser hätten wünschen j 610^01 judenfeindliche Artikel, worin er die Schwindeleien können. Haben die Juden die Macht, die ihnen zugeschrie-! der jüdischen Geschäftsleute rügte, bis er einstmals plötzlich ben wird, beherrscht das jüdische Capital so sehr das deutmit Hinterlassung eines bedeutenden Desicits aus der Stadt sche Volk, so muß sich das doch am ersten bei den Wahlen verschwunden war. zeigen; sind die Wahlen öffentlich, so können die Juden doch! Aber es giebt auch, glaube ich, wirkliche Orthodoxe, die sehr leicht die Wähler einschücbtern, es ist also geheime Wahl! sich im Stillen über die Judenhetzen freuen, eben Fanatiker, vorzuziehen — aber die Conservativen stimmten sür öffentj weil sie aus den Judenhetzen Kräftigung des religiösen jüdiliche Wahl, gaben damit also zu, daß die Juden thatsächlich! scheu Sinnes erhoffen. Was wollen aber die Antisemiten keinen Einfluß aus die Wähler haben. — Wir erwarten natürlich vom „Deutschen Tageblatt" nicht, das; es sein Unrecht eingestehe: dazu ist cs viel zu viel in seinen Judenhaß verrannt. damit beweisen, wenn sie sich aus diese Leute berufen? Es gab — leider — Viele in jeder Confession, die eine stille Genugthuung nach dem Brande des Wiener Ringtheaters nicht verbergen konnten, aus demselben Grunde, weil sie hofften. L. Leipzig, 3. Januar. (Privatmitth.) Das „Berliner > daß dieses Unglück die menschlichen Herzen zur Buße und Tageblatt" veröffentlichte kürzlich eine Zuschrift aus Ost- Reue führen würde. Es läßt sich in der That auch nicht Preußen des Inhalts, daß die Regierung jetzt darauf sehe, leugnen, daß Unglückssälle für den menschlichen Charakter daß die jüdischen Schüler nicht ohne Religionsunterricht ausoft viel vortheilhafter sind, als Glücksfälle. Sollen wir jedoch wachsen. Das genannte Blatt findet dies sür „recht bedauer darum erstere wünschen? Offen wird dies wohl Niemand, lich", da der Religionsunterricht Sache eines jeden Einzelnen selbst nicht der größte Fanatiker behaupten wollen; aber im sei, das freie Menschenthum höher anzuschlagen sei, als die Geheimen denkt eben doch mancher so, wenn auch unwillkürpositiven Satzungen einer Religion p. p. Wir finden diese lich. Als Unglück müßten wir es aber und wohl alle Juden Auslastungen für recht unvernünftig. Mag das „Berliner ansehen, wenn die Antisemiten ihre Pläne durchsetzten. — Tageblatt" über Religionsunterricht Ansichten haben, welche Wenn also die Antisemiten sich aus ihre vermeintlichen jüdies will, so sollte es doch wenigstens einsehen, daß, solange schen Freunde berufen, so sind sie sehr im Jrrthume; die