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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-15 · Heft 3 (15.1.1884) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 3 (15.1.1884)
Date
1884-01-15
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 können. Aber diese christlichen Bauten fielen demselben Schick-! sale anheim, dem der Zerstörung durch die Mohamedaner, die, wie in spanischen Städten die Christen prachtvolle Synagogen in christliche Kirchen verwandelten, nicht wenige Kirchen zu Moscheen umbauten, wahrend sie die christlichen Traditionen theils annahmen, theils mit anderen, aus dem Koran geflofienen oder mit orientalischer Phantasie erfundenen, vermehrten. In den letzten Jahrzehenten haben Amerikaner, Engländer, Franzosen und Deutsche große Anstrengungen gemacht, um die genaue Kenntniß Palästinas zu erweitern und durch Ausgrabungen unsere Vorstellungen von der Lage und Beschaffenheit der einstigen jüdischen Bauwerke und Oertlichkeiten zu berichtigen. Wie viel aber auch geschehen, liegt es doch in der Natur der Sache, daß man nur über wenige Punkte zur vollen Sicherheit gelangen kann. Unser Text hat gewiffenhaft die Resultate aller dieser Forschungen benutzt. Aber die Grundvesten des Landes konnten weder Römer noch Araber, Seldschucken und Türken vernichten oder verdrängen; die Höhen, auf welchen Jerusalem gebaut war, die Bergketten des Libanon, die Riesen des Sinai, den Lauf des Jordan, die Thäler und Ebenen und die weithin sich streckende Wüste vermochten Menschenhände nicht zu verändern. Deshalb ist uns die genaue geographische und topographische Schilderung, nebst der Anschauung, die uns die vorzüglichen Illustrationen verschaffen, so überaus intereffant und lehrreich. Durch dieselbe, wie sie abwechselnd die Berge hinansteigt, an der Küste des Meeres hinunter wandert, durch die Wadis und die Ebenen zieht, werden wir aller Orten gefesselt und das Wort der heil. Schrift erhält für uns neues Leben und neues Berständniß. Die letzten Lieferungen des Werkes bilden gewissermaßen die Krone desselben. Hier lernen wir die großartige und in ihrer Gesammtheit vielleicht einzige sinaitische Halb insel mit ihren riesigen und mannigfaltigen Bergformationen, mit ihren Schluchten, Einöden und kleinen Oasen genau kennen, und der Weg, den die alten Israeliten durch die Wüste zum Sinai gezogen, wo sie die Amalekiterschlacht geschlagen, vom Gipfel des Berges die Worte des Gesetzes vernommen und doch wieder mit dem goldenen Kalbe sich verschuldet hatten, sehen wir vor.uns gezeichnet. Diesen Weg hat Ebers selbst vor Jahren durchwandert und in seinem „Von Gosen zum Sinai" beschrieben. Auch im vorliegenden Werke wird die so oft ventilirte Frage nach demjenigen Berge, welcher der Schauplatz der Gesetzgebung gewesen, also nach dem Sinai der Schrift, ausführlich behandelt. Die Namen Sinai und Horeb find gänzlich verschwunden. Hauptsächlich dreht sich nun die Frage darum, ob der Djebel Serbal oder der Djebel Musa als der Sinai anzusehen sei? Die mönchische Tradition haftet an dem letzteren. Wie wenig Beweiskraft jedoch dies hat, zeigt Ebers, indem er aus vorjustinianifchen Schriftstücken nachweist, daß dieselbe mönchische Tradition vor Justinian den Serbal als Sinai betrachtete und nur die Ketzerei, welche unter den Mönchen des Serbal eingerissen, den streng orthodoxen Justinian bewogen, den Mönchen des Djebel Musa ein Kloster zu erbauen und die Tradition auf diesen zu übertragen. Die Oertlichkeiten, wie sie die heil. Schrift berührt, sprechen für den Serbal. Hier allein sind Räumlichkeiten, wo das Volk am Fuße des Berges Platz nehmen und den Gipfel des Berges erblicken konnte; hier vermochte es in der Oase des Wadi Etran mit seinem immer fließenden Bache bis zum zweiten Jahre zu lagern, und hier ist das Thal Raphidim in der Nähe, so daß das Volk von dort bis zum Fuße des Sinai in einem Tagesmarsche ziehen konnte. Jedenfalls bietet der Serbal den majestätischesten Anblick unter den Höhen des Sinaigebirges von allen Seiten her dar. — Ist somit das vorliegende Werk ein neues Zeugniß von der hohen Stufe der typographischen illustrirenden Kunst in Deutschland, so müssen es alle Freunde des heil. Landes als eine höchst willkommene Gabe begrüßen. — Pest, 1. Januar. Unter der Redaction der Herren vr. Wilhelm Bacher und vr. Joseph Banoczi, (Professoren des hiefigenLandes-Rabbiner-Seminars) erscheint mitEnde d.M. unter dem Titel „Magyar Zsido Szemle" (Ungarisch-Jüdische Revue) eine Monatsschrift in ungarischer Sprache. Die Revue hat sich einerseits die Pflege und Verbreitung der jüdischen Wissenschaft in gemeinverständlicher Weise, andererseits die Hebung und Heilung der Zustände in der ungarischen Judenheit sowie die Abwehr gegen Angriffe von Außen zur Aufgabe gestellt. Dem zeitgemäßen Unternehmen, das tüchtigen jungen Kräften anvertraut ist, wünschen wir den besten Erfolg. — Von Dr. Adolf Ehrlich in Riga sind unter dem Titel »Vaterland und Landesvater" (St. Petersburg, Düntz 1883) drei schwungreiche glühend patriotische Reden erschienen, welche aus Anlaß des Todes des Kaisers Alexander II. und der Krönung des regierenden Kaisers in der Gemeindeschule, bezw. in der Synagoge zu Riga gehalten wurden. Kg. %>c\X\AAx<fyyvvcLcfy xa<J^Cca/v. Deutschland. | und der Arbeiterpartei statt, da der liberale Candidat beim Berlin, 30. December. (Privatmitth.) Im 24. Com-| ersten Wahlgang in der Minorität geblieben war. Die Bürmunal-Wahlbezirk fand eine Stichwahl zwischen der Bürger-; gerpartei (conservativ-antisemitisch) unterlag: sie hatte 861

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