Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-15 · Heft 3 (15.1.1884) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 3 (15.1.1884)
Date
1884-01-15
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227505--41418-3309888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

35 Raum finden, ja fanatische Bewunderer gewinnen konnte, soj — wie sollte dies nicht auch in der Musik gelingen? Es daß es selbst einen Augenblick schien, daß sie die allgemeine gelang in seiner Art, und dieselbe krankhafte Neigung, die Meinung beherrschen und sich die ganze Nation nnterthänig! dein ganzen Schwindel ihren Ursprung gab, mußte auch beim machen werde? So kommen wir auf die phychologische' Publikum sich Raum schaffen, bei welchem dieselbe Sucht Wurzel des ganzen Nebels. Unsre Zeit ist eine schnelllebige, i vorherrschend war, noch dazu, wenn die moderne Kunst der vielbewegte. Der große Aufschwung in Wissenschaft, Techi Reclame die nöthigen Mittel dazu darbot. Die Erschlaffung nik, Industrie, Commerz. Finanz, die Fülle neuer Entdeckdes wahren schöpferischen Geistes, die stets auf eine klassische ungen und Erfindungen haben ganz neue Basen für das geistige und materielle Leben geschaffen. Die alten, viel betretenen Wege mußten verlassen, zahllose neue Institutionen und Institute geschaffen werden; überall wurden die Geister an Neues, bisher Ungeahntes gewöhnt, und der Sinn der Menschen richtete sich dahin, das, was bisher gegolten, umzugestalten , erforderlicher Weise umzuwälzen. Daraus entwickelte sich die krankhafte Sucht nach Neuem, Unerhörtem, Glänzendem, Verblendendem, und mit dieser Sucht selbstver- Periode und auf ein noch immer glänzendes Epigonenthum eintritt, machte ein solches Experiment um so leichter gelingen, als eine große Zahl mittelmäßiger Geister sich schnell an das Neue, mit starker Entschiedenheit, Arroganz und Selbstüberschätzung Auftretende klammert, um als Jünger des neuen Propheten sich eine Stellung zu erwerben und die Aufmerksamkeit auch aus sich zu ziehen. Man braucht nur die Geschichte des Wagnerianismus genauer zu betrachten, um die obigen Bemerkungen als thatsächlich richtig zu erkennen. stündlich auch das Gefallen an solchem, das Haschen nach i Noch einmal, die krankhafte Sucht, das Bestehende umzuihm, die allgemeine Aufmerksamkeit aus dergleichen, und nicht! stürzen und zu verleugnen, Wissenschaft und Kunst umzubloß die urtheilslose Menge, sondern auch nicht wenige Sach-! wälzen und neue Anschauungen und Erzeugnisse hervorzuverständige, solche, von denen man eine sorgfältigere Prü-! rufen, welche die Menge zu verblenden vermögen, die kranksung voraussetzen sollte, gaben sich den hieraus entsprungenen! hafte Sucht nach neuen, pikanten, durch die Masse des auf- Erscheinungen befangen hin. Unter diesen Einflüssen drängte > gewendeten Materials über den wahren Gedankeninhalt und sich, auch die Frage aus und verkörperte sich in Wagner:!die harmonische Form, über Wahrheit und natürliches Getollte nicht auch die Musik einer solchen Umgestaltung, einer setz hinwegläuschenden Erscheinungen, diese und allein diese derartigen Umwälzung fähig sein und durch ganz veränderte - bildete den Ursprungsheerd für die Zukunftsmusik, für das Weisen und Formen eine neue Phase, eine Phase für die! Zukunstsdrama, für die ganze Zukunftskunst und für die zeit- Zukunft gefunden werden können, und wie müßte sie die Herrweilige Theilnahme des Publikums, ja für den Furor, der schüft über die Geister gewinnen, wenn sie verwirklicht wersich für sie in zahlreichen Personen entflammte.— den könnte? Es galt hier, alle alten Meister und ihre! Wagner selbst hat uns den Uebergang zum Antisemi- Schöpfungen in den Schatten zu stellen und die alte Musik tismus leicht gemacht, denn bekanntlich gehört er durch sehr durch eine neue zu ersetzen. Es ist Dies eine Erscheinung, gehässige Aufsätze zu den Vätern desselben, und spätere Ardie sich zu allen Zeiten bei den Epigonen in allen Wissentikel in den „Bayreuther Blättern" bezeugten, daß er seine schäften und Küusteil wiederholt. Man braucht nur z. B. An- und Absichten in dieser Richtung nicht geändert hatte die Geschichte der Medizin zu durchmustern, um zahllose und nicht als geändert angesehen wissen wollte. Allerdings Beispiele solcher, eine Zeit lang viel bewunderter, dann wielassen sich gerade bei ihm die Motive klar erkennen, die ihn der ausgcgcbcner Versuche zu erkennen, welche die Hcilkunst zu einem ohne Veranlassung unternommenen Feldzuge gegen auf einer neuen Basis ausbaucn und durch die sonderbarsten die Juden bewogen. Auf seinem Wege, zu der ersehnten Mittel die aus Jahrhunderte alte Erfahrung gestützte ver- Herrschaft über die Bühne und zur Anerkennung als Schöpfer drängen sollten. Nachdem die alten Meister mit Mozart und einer Zukunftsmusik zu gelangen, fand er zwei große Componi- Bcethovcn vom Schauplatze abgetreten waren, hatte eine stcn, die damals Eoncertsaal und Bühne vorzugsweise inueglänzende Reihe von Componistcn mit großem Erfolge die hatten, Felix Mendelssohn, den Sohn eines getauften Juden, Wege verfolgt, welche jene angebahnt und ins Weite und und Giacomo Meyerbeer, einen Juden. Diese mußten aus dem Erhabene geführt hatten. Jetzt galt cs, das ganze System Wege geräumt werden, und um dies am nachdrücklichsten zu als veraltet und einseitig umzustürzen und ein neues künstbewerkstelligen, mußten sie als Juden verächtlich gemacht, lich zusammengefügtcs, aber scheinbar einfaches an die Stelle ihnen als Juden jeder wahre Kunstgenius, jede Kunstbezu setzen. War dies selbst in der Philosophie durch den gabung abgesprochen werden. Ob ihm, als er in Paris Pessimismus, allerdings nur für einige Zeit, aber auch mit weilte. Meyerbeer große Verpflichtungen auferlegt hatte, mochte augenblicklich großem Erfolge im sog. gebildeten Publikum Wagner kein Bedenken erregen. Auch war er wohl schon in gelungen, war eine Periode der „Gründungen" ausgekommeli früheren Jahren mit einem oder dem anderen Juden in Con- und hatte den größten Theil der Besitzenden mit fortgerissen! flikt gerathen. Genug, er rückte der gesammten Judenheit 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.