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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-15 · Heft 3 (15.1.1884) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 3 (15.1.1884)
Date
1884-01-15
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 liegen stets in der Sage entlehnten Motiven, die außerhalb Erstaunen, daß nach einer so großartigen, alle früheren der Gefühlswelt und der Macht der ihnen unterliegenden! Epochen überragenden Entwickelung der Musik durch die lange Persönlichkeiten stehen. Ebenso versenkte sich Wagner immer-! Reihe unsterblicher Meister, auf deren höchster Höhe ein mehr in einen, noch dazu innerlich hohlen Mysticismus, der! Beethoven steht, eine Wagner'sche Musik, wie sie sich namentin seinem letzten Werke „Parsifal" eine Höhe erreichte, über welche Wagner selbst nicht mehr hinausgekonnt hätte. Wir haben so in Wagner als Dramatiker keinen Fortschritt, sondern vielmehr einen Rückschritt zu einer längst überlebten Vergangenheit, und Dömpke bezeichnet ihn mit Recht als „den letzten Romantiker, in seiner staunenerregenden Verspätung als solcher der Einzige einer Zeit, welche er gebieterisch zu ihrer Vergangenheit zurückzubekehren" versuchte. Einen gleichen Weg schlug Wagner in der Sprache seiner Dramen ein. Wir werden hier in eine Zeit versetzt, die sich ungefähr an die von Hoffmannswaldau, Lohenstein und Gottsched anschließt, so holprig, geschmacklos und sprachwidrig überladen und gekünstelt ist seine Ausdrucksweise, die in den meisten Fällen eher komisch als tragisch ist und die Gedankenarmuth durch Schwulst oder curiose Pickanterien zu decken vermeint. Dömpke sagt hierüber: „Nicht ohne tiefe Trauer über die heillich seit „Tristan und Jsoldis" kund gab, Eingang, Verbreitung und, wenn auch künstlich gemachte Bewunderung finden konnte! Wagner selbst bekennt, daß er „kein Musiker" sei und „in den berühmten Compositionen unserer jetzt gefeierten Meister gerade die Musik gar nicht gewahr werden" könne. Er war im Grunde eine „unmusikalische Natur" und darum kann uns die vollständige und zielbewußte Auflösung der musikalischen Form, die Wagner anstrebte und vollbrachte, nicht in Verwunderung setzen. Wagner hat seinen Mangel an wahrer musikalischer Begabung auch dadurch erwiesen, daß er auf dem Gebiete der puren Musik, wo diese als selbständige, freie Kunst an kein anderes Vermittelungsorgan gebunden ist, eine Leistung auch nicht einmal versucht hat. Er wählte sich deshalb das Feld, auf welchem das Wort und die Scenerie der Musik nachhelfen, und machte die Musik zur Magd des Wortes und der Scenerie. Daß diese lose Vergewaltigung, die unserer edlen Muttersprache hier letztere in einer großartigen Mannigfaltigkeit, in den raffinirangethan wird, können wir die Verzerrungen des Wortes,; testen Effekten für die Mehrzahl der Zuschauer den eigentdie Verrenkungen der Construktion, den geschmacklosen Schwulst § lichen Reiz der Wagner'schen Opern bildet, wird kein Unbedes Ausdruckes lesen, der in der Sprache z. B. des „Tristan" zu schrankenloser Willkürherrschaft gelangt ist." „Auch die letzte der Musen flieht, wo dieses von Sinn und Grazie verladene, kontradiktorische Wortgeklingel laut wird. Alles wirre Aufregung, stammelnde Exaltation, ohne einen Laut wahrer und warmer Leidenschaft, anspruchsvolle Gespreiztheit ohne rechte Kraft, forcirte Bilderjagd ohne plastisches Gestaltungsvermögen." So „verliert sich Wagner völlig an die Schrulle, den Ungeschmack, die ergrübelten Prinzipien einer zu falscher Originalität aufgeschminkten Afterpoesie." Dies ist der, welchen die Fanatiker unter seinen Anhängern „den deutschesten der lebenden Dichter" zu nennen wagen und zwar neben einem Paul Heyse, Scheffel, Geibel u. A.! Nein, wir müssen ihn um wenigstens anderthalb Jahrhunderte zurückversetzen, und zwar noch vor einen Gcllert und Gleim, als ein Friedrich der Große über die Geschmacklosigkeit und Rohheit der deutschen Sprache bald sich lustig machte, bald Trauer empfand. Wahrlich kein Fortschritt, sondern ein trauriger Rückschritt, und daß Wagner auf diesem Wege Begleiter, ja Bewunderer und Nachahmer fand, kann eben nur als das Symptom einer schweren Krankheit unserer Zeit angesehen werden. Es ist nun nicht unsere Sache, und fühlen wir uns auch nicht befähigt dazu, den Charakter der Wagner'schen Musik sachverständig zu zeichnen. Wir vergeben ihm sogar fangener ableugnen. In dieser Scenerie herrscht die Maschine vor; dasselbe ist mit der Sprache Wagner's der Fall, denn der Stabreim und die Alliteration sind nichts als Sprachmaschine, welche den Geist nur spielend bewegt, und zu einer solchen Maschine hat Wagner auch die Musik herabgewürdigt, die bei ihm in sogenannten Leitmotiven und einer melodielosen Begleitung des Wortes nur die Rolle einer Maschine spielt. Eine wahre Ironie ist cs deshalb, in Wagner den Mann des Fortschritts, den Schöpfer der Zukunftsdichtung und der Zukunftsmusik zu sehen, während er in allen Stücken zu einer längst verlebten Vergangenheit zurückführt , und namentlich die Musik zu einer Hilflosigkeit und Armuth verdammt, in der sie ihre Existenz nur von blendenden Dekorationskunststückcn und pikanten Wortvcrdrchungen zu erbetteln hat. Wo wäre da eine Fortentwickelung des Schönen, Edlen und Wahren aufzusinden? da, wo nur eine Verleugnung aller bisherigen Errungnisse sich breit macht, wo die höchste deutsch-nationale und humane Classicität in Dichtung und Musik verlaßen, verurtheilt und durch eine spitzfindig zusammengeschweißte Mache ersetzt wird! Mysticismus, Fatalismus, Gotteslästerung, Sittenverderbniß, Sprachverrohung, musikalische Formlosigkeit mit Tonverschwendung, das sind die Elemente, aus denen sich Wagners Schöpfungen zusammensetzen, in denen sich wohl hier und da ein glückdie Langeweile, die seine musikalischen Schöpfungen — mit! licher Moment findet, der aber schnell in den Ozean der Ausnahme der aus seiner früheren Periode stammenden —> Auflösung und Einförmigkeit niedersinkt. — — Und fragt uns persönlich bereitet hat. Uns beherrschte stets nur das, man nun, wie diese krankhafte Verirrung doch Boden und

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