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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-15 · Heft 3 (15.1.1884) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 3 (15.1.1884)
Date
1884-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 "Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Em mipatteiifches Orgm für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig S Mart. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippson in Bonn. Gzepeditiorr: «Leipzig, Woßptcrh 18. In redaetionellen Angelegenhe wende man stch an vr.L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 48. Jahrgang. Leipzig, den 15. Januar 1884. JVo. 8. Inhalt. Leitende Artikel: Der Wagnerianismus und der Antisemitismus. — Die Lage in Ungarn. — Einige Miscellen. Bon Rabbiner vr. Wiener. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Leipzig, Stettin, Hamburg. Fürth, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Gr.-Kanizsa. — Frankreich: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Weg zum Sinai und die Amalekiterschlachr. £cixc'txDe d-il't-ßcf. Bonn, 9. Januar. Der Wagneriamsmus und der Antisemitismus. Erstaune nicht, geehrter Leser, in der Ueberschrift diese beiden, scheinbar einander so fremdartigen Erscheinungen verbunden zu sehen. Die eine spielt sich auf dem Gebiete der Dichtkunst und der Musik ab, während die andere aus socialen und konfessionellen Motiven entspringt und hier ihre verderblichen Wirkungen ausübt. Es ist aber unsere Absicht, die Analogien beider nachzuweisen, ja ihre Identität in der psychologischen Wurzel, aus der sie ersprosien sind. Wir bemerken im Voraus, daß die Leser dieses Blattes wohl wissen, wie wir nicht erst das Hinscheiden Richard Wagner's abwarteten, um unsere Antipathie nicht bloß gegen sein Gebühren, sondern auch gegen seine Leistungen auszusprechen. Und wenn dies auch den Grenzen dieses Blattes gemäß nur gelegentlich geschah, so traten wir doch immer unverhohlen und mit offenem Bisir gegen seine ganze Richtung auf. Wir meinen, Wagnerianismus und Antisemitismus sind gegenwärtig zwei Krankheiten an dem Körper des deutsch-nationalen Organismus, nur mit dem Unterschiede, daß der letztere befähigt war, auch nach anderen Ländern sich zu verpflanzen, wie Rußland und Ungarn, während der Wagnerianismus trotz aller Reklame nur wenig die Grenzen des deutschen Vaterlandes zu überschreiten vermochte. Die beiden Krankheiten sind aus akuten zu chronischen geworden. Aber ein sonst normaler Organismus ist doch im Stande, auch chronische Krankheiten zu überwinden, und namentlich ein mächtiger Bolkskörper schüttelt nach einiger Zeit die abgestorbenen Gebilde solcher Krankheiten von sich ab. Aber gerade pathologische Erscheinungen, wenn sie neben einander auftreten, müssen einen gemeinsamen Ursprungsheerd haben, auf welchem sie durch einen analogen Proceß entstehen, aufwachsen und nun nach verschiedenen Seiten an die Oberfläche dringen. Dem flüchtigen Blick zeigen sie sich in ihrer Besonderheit als diametral verschieden, aber dem tieferen Forscher entgeht es nicht, daß sie ganz nahe mit einander verwandt sind und dieselben psychologischen Eigenschaften besitzen. Hiernach wollen wir uns jetzt umsehen, indem wir uns, was Wagner betrifft, auf eine Reihe von Artikeln von G. Dömpke in den jüngsten Nummern der „Gegenwart": „Das Libretto im Kunstwerk der Zukunft", stützen. Richard Wagner stellt sich der Kritik in dreifacher Gestalt vor: in seiner Dramatik, in seiner Sprache und in seiner Musik. Auf dem dramatischen Gebiete hat Wagner allen Forderungen und Bedingungen der dramatischen Wahrheit, der menschlichen Natur und des höheren sittlichen Geistes widersprochen. Er ist zurückgekehrt zu dem längst ürerlebten Fatalismus eines Zacharias Werner, Müllner und Grillparzers in dessen erster Periode. Die Verschuldung, der Kampf, der Sieg oder die Niederlage seiner Helden und Heldinnen enspringen nicht aus eigener Leidenschaft und That, sondern aus zufälligen und wunderbaren Ereignissen, die über sie kamen und derer sie sich nicht erwehren können. Die Schürzung des dramatischen Knotens und dessen Lösung 3 4 1

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