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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-08 · Heft 2 (8.1.1884) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 2 (8.1.1884)
Date
1884-01-08
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 eine dem „Rußky Jewrey" aus Grodno zugegangene Correspondenz ein lehrreiches und höchst interessantes Bild. Ein Jude Namens Posnjak, ehemaliger Soldat im russischen Dienste, ließ sich nach erhaltener Beurlaubung im Rayon des Grodnoschen Kreises nieder und lebte daselbst geraume Zeit in seinem Kruge ohne jegliche Abenteuer. An einem Tage brannte jedoch sein Krug bis auf den Grund nieder der gemeine Pöbel angesichts solcher humanen Anordnungen von den Juden und deren rechtlicher Stellung haben kann. H. B. Türkei. Konstantinopel, 23. Decbr. Die jüdische Schule und Synagoge in Galata ist heute einer Feuersbrunst zum Opfer und P., seiner ganzen Habe beraubt, blieb mit seiner zahl-l gefallen. Die Flammen, die zuerst im Erdgeschoß des Gereichen Familie auf der Straße stehen. In diesem äußerst bäudes gesehen wurden, griffen mit solcher Schnelligkeit um kritischen Zustande nahm sich indessen des vom Schicksale! sich, daß den meisten Kindern der gewöhnliche Ausgang ver- Betroffenen sein ebenfalls im selben Kreise domicilirender I sperrt wurde. Biele sprangen aus den Fensten der oberen Schwiegervater an und gab demselben, wenn auch nur intej Stockwerke herab auf Decken, die auf der Straße ausgebreite* rimistisch, ein Asyl bei sich. Allein ein gewisser Punkt der! gehalten wurden, wobei manche mehr oder weniger erhebliche „denkwürdigen" temporären Maßregeln vom 3. Mai 1882 Verletzungen davontrugen. Die Kinder, welche nicht den verbietet bekanntlich den Juden überall auf dem Lande^ Muth hatten, hinabzuspringen, wurden hinabgeworfen und wenn auch im Rayon der zu ihrem permanenten Sitz an-! in den Decken aufgefangen. Bis jetzt sind 1v verkohlte gewiesenen Gouvernements, sich niederzulassen, und wiewohl I Leichname gefunden worden, allein man fürchtet, daß mehr dies sich nur auf neue Ankömmlinge beziehen kann, wie dies ■ umgekommen sind, da im ganzen 30 Kinder vermißt werden, fast deutlich im ministeriellen Ukase ausgedrückt ist, wurde j Die Leiterin der Schule verlor über die Größe des Unglücks gegen genannten P. wegen Gesetzesüberschreitung ein Cri-^den Verstand und warf sich aus dem Fenster in die Straße minalprozeß angestrengt und das betreffende Friedensgericht! hinab, wo sie zerschmettert wurde. Die enge Straße verttaf eine Verfügung, wonach P. seinen eigenmächtig gewählten und dem Gesetze zuwiderlausenden Aufenthalt binnen einer angegebenen Frist freiwillig zu verlassen hat, wenn er nicht etwa im entgegengesetzten Falle von der Polizei hierzu gezwungen werden will. P. wandte sich zwar hindette ein thätiges Eingreifen der Feuerwehr. Bonn, 30. Dec. (Notizen.) Zum Director des Baruch- Auerbach'schen Waisenhauses in Berlin ist nach einer Mtttheilung des „Reichsboten" bei der Vorwahl Herr vr. Braun mit einer Appellation an eine höhere Instanz, wo zugleich! aus Breslau mit 21 von 23 Stimmen gewählt worden. — Aus ein gerichtliches Zeugniß beigefügt war, daß er bereits mehr Lemberg wird geschrieben: Am 14. December starb hier im als zwanzig Jahre auf dem Lande wohne, folglich das betreffende Gesetz auf ihn gar nicht anwendbar sein könne. Alter von 74 Jahren der hebräische Dichter Menachem Mendel Schorr aus Brody. Derselbe war eine Zeit lang Chef eines und außerdem als einstiger Soldat, der seinem Baterlande! hiesigen Bankhauses, gerieth aber bald in so mißliche Vertteu gedient, er ebenfalls einige Aufmerksamkeit verdiene.! hältniffe, daß er von der Unterstützung seiner Verwandten Die obenerwähnte obere Instanz, das sogenannte „Friedens-1 leben mußte. — Man schreibt uns aus Gr.Kanitzscha: Am richter Plenum", ließ jedoch diese Beschwerde unbeachtet und!26. d. M. verschied der einer. Oberrabbiner Hirsch B. Kassel bestättgte vollkommen das Urtheil des Friedensgerichts. im 83. Lebensjahre. Er hatte sich sowohl durch seinen edlen — „Neue Vögel, neue Lieder," das können mit Recht > Charakter und reinen Lebenswandel wie durch seine Gelehrgegenwärtig die Juden von Kamenez Podolsk sagen. Dort; samkeit und literarischen Verdienste auf dem Gebiete der jüist nämlich vor nicht langer Zeit ein neuer Gouverneur in-dischen Moral und Rechtswissenschaft weithin große Berehstallirt worden, und auf dessen Anordnung wurde kürzlich; rung erworben und sein Hinscheiden wird in weiten Kreisen eine „extraordinäre" Zählung der dott domicilirenden Juden! eine tiefgefühlte Theilnahme erwecken. — Man meldet aus unternommen. Diese „extraordinäre" Revision nimmt näm- Kairo, daß unsere beiden Glaubensgenossen Karcher, Präsilich auf eine uralte, bis jetzt ganz außer Acht gelassene Ber-; dent der französischen Wohlthätigkeitsgeseüschaft in Kairo, und ordnung Bezug, wonach keineswegs allen Juden gestattet ist, Nagglar, Archiv-Secretär des französischen General-Consulats, in den Ortschaften, welche blos 50 Werst von einer Grenze durch Medaillen erster Classe, der crstere durch die gold.ene, entfernt sind, sich aufhalten zu dürfen, und da Kamenezder zweite durch die silberne, wegen ihrer außergewöhnlichen Podolsk ein ebensolcher Ort ist, so begann, sobald man diese Dienstleistungen während der letzten Cholera-Epidemie aus Zählung gewahr wurde, sogleich eine chaotische Auswangezeichnet worden, derung en masse derjenigen Juden, welche nicht das Privilegium besitzen, die heilige Lust dieses Eldorados athmen zu dürfen. Man kann sich leicht denken, welch' einen Begriff,

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