Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1884)
- Date
- 1884-01-08
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
- Tunis 1× ep/1048155
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18 diese Auswanderung nicht ungern sehen, wenn auch mancher ökonomische Schaden daraus entspringt. So viel erkennt man aus dieser kurzen Nebersicht schon, daß sich ein allgemeines Gesetz aus den vorhandenen Thatsachen nicht folgern läßt. Man kann zwar im Allgemeinen behaupten, daß in diesen Wanderzügen die Juden sich an das Fortschreiten und die Ausdehnung der Civilisation anschlossen. Oft aber stellt sich auch das Gegentheil hiervon ein, und wir müffen nach momentanen geschichtlichen Gründen forschen, welche zu der Richtung dieser Wanderungen zwangen. Gerade deshalb würde eine genauere Erforschung dieser Ursachen höchst interesiante Resultate ergeben und den mannichfaltigsten Einblick in geschichtliche Verhältnisse darbieten. Im großen Ganzen macht sich darin eine bedeutsame Umwälzung bemerkbar, daß gerade diejenigen Länder, in welchen die Juden ursprünglich und im weiteren Verlaufe in Masse ansässig waren, jetzt nur noch spärlich von ihnen bewohnt werden. Finden sich in Palästina selbst gegenwärtig kaum 20,000 Juden, so sind auch in den vorder - und innerasiatischen Ländern nur noch spärliche Reste der früheren großen Co- und über die wir in der ersten Nummer des vorigen Jahrganges ausführlich berichteten. Andererseits drangen die Abkömmlinge der aus Spanien Geflüchteten, welche in Konstantinopel, Salonichi, Bosnien ihren Sitz haben, in die Donaufürstenthümer ein, so daß sie z. B. in Bucharest eine ansehnliche Gemeinde bilden und sich auch da bis zur Neuzeit die spaniolische Sprache bewahrten. So haben wir denn vor uns S1'* Millionen Juden in dem jetzigen russischen Reiche, über 600,000 in Galizien und der Bukowina, 250,000 in Rumänien und eine beträchtliche Anzahl in den slavischen Theilen Ungarns. Es ist dies also ein Wanderzug von Westen nach Osten gewesen, und zwar ein so starker, daß wohl zwei Drittel der ganzen jüdischen Bolksmasse unter den slavischen Nationen heimisch sind. Dieser Zug von Westen nach Osten macht sich aber noch heute und zwar auf ganz natürlichem Wege bemerklich. Nehmen wir unsere Glaubensgenossen in den polnischen Theilen der Provinz Posen. Oberschlesiens und in Galizien aus, die selbstverständlich nach Westen gravitiren, so war die Auswanderung der Juden nach Westen selbst aus den ehemaligen polnischen Provinzen lonien vorhanden. Größere Gemeinden finden wir nur noch! des jetzigen russischen Reiches zu aller Zeit verhältnißmäßig in Smyrna und Bagdad, wenn wir auch kleineren Gruppen j eine sehr geringe. Beweis dafür liefert unter Anderem aus selbst unter den Kurden, in Arabien, in Persien, Indien und vielleicht sogar noch einigen kleinen selbstvergessenen Trümmern im chinesischen Reiche begegnen. Ebenso hat sich nur in Kairo eine größere Gruppe erhalten; in Nordafrika stoßen wir nur in Tunis, Algerien und Marokko auf nennens alter Zeit, daß der polnische Ritus den aschkenafischen (deutschen) nur in einigen östlichen Ortschaften zu verdrängen vermochte. Erst die jüngsten Verfolgungen haben einige russisch-jüdische Colonien in Paris und in Nordamerika hervorgerufen. Sonst geht der allgemeine Zug der rusfischpolniwerthe jüdische Bewohner und in den Falaschas Reste einer! fchen Juden nach Osten. Die westeuropäischen Verhältnisse, früheren engeren Angehörigkeit zum Judenthume. So wichen die Juden auch vor dem Anstürme auf Griechenland, vor der grausamen Behandlung in Spanien, vor der Verfolgung in Unteritalien, und selbst in Rom, Mittel- und Oberitalien I Juden lange Zeiten hat sich die zu den Römerzeiten großartige Ansiedelung zu; Reiches zurück und in einer geringfügigen Zahl herabgemindert. Traf sie doch Sitten, Sprachen stehen jenen zu ftemd gegenüber, als daß sie sich angezogen fühlen und ihre Wohlfahrt daselbst zu finden glauben dürsten. Die russische Gesetzgebung hielt die hindurch vom Innern des russischen den ehemaligen polnischen Gebieten fest. Gerade diese ungeheuerliche Anhäufung machte es ihnen dasselbe Loos in Frankreich und Großbritannien, wo erst zum Bedürfniß, sobald unter Alexander II. ihnen eine bedie neuere Zeit eine Vermehrung der jüdischen Bevölkerung wieder herbeiführte. Am wenigsten geschichtlich aufgeklärt und festgestellt find die ursächlichen Momente der massenhaften Einwanderung der Juden in die slavischen Länder und die Donaufürstenthümcr. Daß sic von Westen über Deutschland geschah und dingte Einwanderung gestattet wurde, in das Innere einzuwandern, und so ungern sich auch der polnische Jude von seiner alten Heimath trennt, so ist doch die Zahl derer stark genug, die sich nach Osten wandten, in Petersburg, Kiew, > Odessa, Moskau und vielen anderen Städten sich anfiedelten i und trotz aller Schwierigkeiten immer weiter ausbreiteten. zwar von solchen, die lange Zeit vorher in Deutschland an; Würde, was man schon so lange erhofft, endlich die Freisässig gewesen, dafür giebt die Sprache derselben, ihr deutscher Jargon, ein unwiderlegbares Zeugniß, denn noch heute werden die Reisenden in Staunen versetzt, wenn sie im äußersten Osten, bis in Ostfibirien und dem Amurgebiet. zügigkeit durch das ganze russische Reich auch den Juden gesetzlich gestattet werden, so würde die Auswanderung aus den westlichen Provinzen eine überaus starke werden, um so mehr, als sie in vielen Theilen des Reiches bereits ange- Deutschredende antreffen, nämlich russische Juden. Allerdings fiedelte Gemeinden finden, mit allen deren herkömmlichen giebt es auch einige kleinere Gruppen von Juden anderer Abstammung, wie die kaukasischen Juden, welche ein Gemisch von Altpersischem, Hebräischem und Tartarischen sprechen Einrichtungen. Zum Beweise hierfür dient der Umstand, ldaß schon jetzt selbst in Sibirien eine ziemliche und stets I anwachsende jüdische Bevölkerung sich vorfindet, und zwar