Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-08 · Heft 2 (8.1.1884) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 2 (8.1.1884)
Date
1884-01-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227501-3227504--41399-3309868
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Allgemeine Zeitung -es Äudenthums. Ein mpartensches Organ für alles jüdische Jntereffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnei ment in Deutschland (Postzeitungsliste j Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postl ämtern, außerdem durch den Buch- | Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwiy Philippson in Bonn. In redaktionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L.PHUippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. Kzepediliorr: Leipzig, Wotzpkcrh 18. 48. Jahrgang Leipzig, den 8. Januar 1884. Ko. 2. lobalt. Leitende Artikel: Die Zerstreuung der Juden nach Osten. — Petersburger Briefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. V. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Tuckum. — Türkei: Konstantinopel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die bosnischen Juden. Bon Ad. Strauß. — Vermischtes: Eine etymologische Fabel. Seifende Bonn, 2. Januar. Die Zerstreuung -er Äuden nach Osten. Es würde einen eben so lehrreichen wie anziehenden Gegenstand einer gründlichen Untersuchung abgeben, die Geschichte der Zerstreuung des jüdischen Stammes geographisch und historisch zu verfolgen, geographisch in der Bestimmung seiner Wohnsitze und Ansiedelungen, die sich im Laufe der Zeiten so vielfach veränderten, historisch in der Erörterung der geschichtlichen Ursachen, die seine Wanderungen bewirkten. Denn wenn man in der biblischen Erzählung vom Thurm zu Babel vorbildlich die beiden Triebe der Menschen ersieht, welche sie sich über die Oberfläche der Erde zerstreuen und dann immer wieder zu Gemeinsamkeiten sich vereinigen lassen, so erkennt man in der Geschichte der jüdischen Zerstreuung die konsequenteste Verwirklichung jener, da diese Nation sich immer weiter ausgebreitet hat in ihrer Zersplitterung, aller Orten jedoch, wo sich eine kleine Zahl zusammen gefunden, selbstständige Gemeinden bildete, die sich durch Jahrhunderte hindurch mit kräftigem Pulsschlag aus eigenen Mitteln und mit unveränderter Tendenz erhielten. Der Geschichtschreiber dieser eigenthümlichen und in ihrer Dauerhaftigkeit großartigen Erscheinung würde tief in das Alterthum zurückgehen müssen. Treffen wir doch diesen Stamm in seinen ersten, geringzähligen Ahnen auf der Wanderung nach Westen und wieder zurück nach Osten. Lehren uns doch unzweifelhaft alte Stücke der Propheten, daß nicht blos die nächsten Nachbarn, son dern auch die von Osten und Westen gekommenen Eroberer von ihren siegreichen Kriegszügen zahlreiche Gefangene nach Affyrien wie nach Aegypten aus Palästina hinwegführten. Mit dem Falle Samariens (720 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung) wurde die größte Masse von zehn Stämmen nach den assyrischen Landschaften versetzt, und ebenso Juda und Benjamin durch Nebuchadnezar nach den babylonischen Ge filden. Eine neue Epoche begann mit der macedonischen Herrschaft in der letzten Hälfte des vierten Jahrhunderts vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, nämlich die der Colonisation in den von den ägyptischen und syrischen Herrschern neu begründeten Städten. Hieran schließt sich die römische!Zcit, in welcher die Auswanderung der Juden nach den | europäischen Gebieten eine große Ausdehnung gewann. Tie arabische Periode zeigt uns eine Anhäufung von Juden in ganz Nordafrika und Spanien, und hierauf folgen die Wanderzüge in die slavischen Länder und über den Oeean in die neue Welt. So tritt uns die Erscheinung entgegen, daß gegenwärtig mehr als die Hälfte aller Juden in slavi- > scheu Ländern wohnt, daß aber seit einem Jahrhundert der!Zug ihrer Pilgerschaft nach Amerika und Australien geht,!denn selbst in diesem fünften Erdtheile bestehen jetzt schon l sehr zahlreiche Gemeinden in Sidney, Melbourne re. Wie j uns aus Rußland mitgethcilt wird, haben wir in dem eben beginnenden Jahre wieder eine verhältnismäßig starke Aus- | Wanderung nach Amerika zu erwarten, und zwar von jungen, kräftigen Männern, die noch ohne Familie sind. Wie die j Dinge einmal in Rußland stehen, muß die Regierung selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.