Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 48 (1884)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Die Repräsentanten-Bersammlung war von 20 Mitglieselbst freie Männer genug, um uns selbst ein Urtheil bilden dern besucht, nur Herr Commerzienrath Friedländer fehlte, und man mußte sich sagen, daß etwas Außerordentliches aus der Tagesordnung stehen müsse, da selbst Herr Dr. Straßmann anwesend, der seit 6 Jahren, seitdem er Repräsentant ist, sich heut zum dritten mal in diesen Räumen hat blicken lassen. Referent in dieser für die jüdische Gemeinde wichtigen Angelegenheit war Herr Professor Di-. Lazarus. Er sprach gegen den Antrag des Vorstandes. In gleichem Sinne sprachen noch Herr Justizrath Makower, Dr. Straßmann und Ludwig Löwe. Vom Borstandstisch vertheidigten Herr Geheimrath Herz und Direktor Hermann die Vorlage. Ersterer erwiderte Hrn. Löwe darauf, daß man ein Ehepaar, das civiliter getraut, doch nrch dem Tode nicht trennen könne, daß für solche der Communalfriedhof da sei. Für den Antrag des Vorstandes traten mit Wärme Hr. Louis Bamberger, Geheimrath Dr. Oestreich, Louis Liebermann und A. Ruß ein und erwiderte Herr Liebermann Hrn. j Justizrath Makower darauf, daß wir Juden, als Minorität, tolerant sein müßten damit, daß er anführte, als vor einiger Zeit ein Kind dem Herrn Professor Pringsheim gestorben und dieser, ein Jude, es durchaus auf einem christlichen! Friedhofe beerdigen lassen wollte, es von keiner christlichen Gemeinde angenommen wurde. j Der Vorstand berief sich, nachdem derselbe provocirt wurde, auf ein Gutachten des hiesigen Rabbinats vom Jahre 1874 (Dr. Geiger, Dr. Aub, Dr. Ungerleider), das sich gegen das Beerdigen von Christen aussprach. Herr Friedheim beantragte, man möge das jetzige Rabbinat um ein Gutachten ersuchen. Herr Justizrath Makower sprach dagegen und meinte, man solle die Herren Rabbiner doch nicht in eine schiese Lage bringen wir seien doch zu können. Der Antrag Friedheim wurde abgelehnt. Herr Heilmann stellte den Antrag, man möge für den speziellen Fall, der gegenwärtig vorläge, die Grabstelle bewilligen und später von Fall zu Fall entscheiden. Herr Geheimrath Herz machte Hrn. Heilmann auf die Haltlosigkeit seines Antrags aufmerksam und selbstverständlich fiel dieser Antrag; wäre dieser acceptirt worden, dann war ein Präjudiz :für immer schon jetzt geschaffen. Es kam zur namentlichen Abstimmung über den Antrag und es stimmten gegen das Beerdigen christl. Männer i folgende Herren: Louis Bamberger, Joseph Fränkel, Louis Friedberg,! Moritz Heilmann, David Hirschfeld, M. S. Jacob, Hermann 1 2aixb§&ergei, Louis Liebermann, Geheimrath Dr. Oestreich, A. Ruß. Gegen den Antrag des Vorstandes, also für das Beerdigen christl. Männer auf dem jüdischen Friedhofe: Julius Bleichröder, Behr Friedheim, Professor Lazarus, Justizrath Lewin, Ludwig Löwe, Justizrath Makower, Moritz Manheimer, Sanitätsrath Dr. Marcuß, Ferd. Reichenheim, Dr. Straßmann. Ob die Abstimmung der letzteren Herren mit dem, was in der Borversammlung zur Wahl versprochen worden, übereinstimmt, überlaffen wir dem Urtheil Anderer. Wäre Herr Commerzienrath Friedländer anwesend gewesen, aus deffen bisherigen Abstimmungen man berechtigt war anzunehmen, daß derselbe gegen das Beerdigen gestimmt, so wäre diese Frage für längere Zeit aus der Welt gewesen; so aber droht das Gespenst bald wieder zu kommen, denn da bei der Abstimmung 10 gegen 10 Stimmen, eine Majorität nicht erzielt, so ist es so, als wenn ein Antrag überhaupt nicht eingebracht gewesen. Ieuilleton. Die Aeberschwemmung Sonn's und Deutz's vor hundert Zähren. Es war ein furchtbares Berhängniß, das die Waffersnoth in den beiden letzten Monaten des Jahres 1882 über das schöne Rheinland gebracht hat; noch weit furchtbarer aber war die Ueberschwemmung, von welcher vor jetzt gerade hundert Jahren die Gegend des Niederrheins von Bonn über Köln und Deutz bis Düsseldorf heimgesucht wurde. Es war die größte und verderblichste seit vielen Jahrhunderten und besonders verhängnißvoll für die Juden in Bonn und Deutz, welche ihren Wohnsitz in der unmittelbaren Nähe des Rheins hatten. Die Wasserfluth des Frühjahres 1784 und ihre Verheerungen , die Leiden der so hart betroffenen Juden und deren Rettung schilderten nach Art der Relationen jener Zeit als Augenzeugen zwei Juden: der alte, des Augenlichts fast beraubte Secretär und „Beglaubigte" der jüdischen Gemeinden des Kölner Kreises unter den mächtigen Eindrücken der Schreckenstage in einem besonderen Schriftchen, und ein „Schreiben" in Deutz in einer gereimten Elegie, welche erst vor wenigen Jahren mit dem „Memorbuche" der Deutzer Gemeinde veröffentlicht wurde. Der Verfasser des heute schon,seltenen Schriftchens, das den Titel „Erzählung der Fluthenklage" sührt und, am Neumondstage des Nissan 5544, den 23. März 1784, beendigt, in demselben Jahre in Amstert*