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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 ist ein gewisser Dr. Tod, der sich nun in der „B. Ztg." genannt und seine Behauptungen noch weiter begründet und durch Citate nachgewiesen hat. — In Nr. 30 des vor. I. haben Sie in einem Leitartikel die Bildung eines „Akademischen Vereins sür jüdische Geschichte und Literatur zu Berlin" besprochen. Derselbe hat jetzt seinen ersten Semester-Bericht ausgegeben. Er konnte die obrigkeitliche Bestätigung seines Statuts nur unter der Beschränkung erhalten, daß die Mitder Reihe war, den vr. Rosenthal übergangen. Nur die gedachte Fakultät wählte ihn. Die Bestätigung wäre ihm unter der Regierung unsres erlauchten Königs Ludwig II. — Gott erhalte ihn! — durch den liberalen Minister v. Luz ganz gewiß zu Theil geworden. Das weiß man in Bayern! Ist doch vor kurzer Zeit ein allerh. Erlaß an alle Präsidien und die Konsistorien ergangen, sich aller Betheiligung an dem antisemitischen Treiben zu enthalten, sonst hätte gar mancher glieder des Vereins lediglich aus immatrikulirten Studenten Geistlicher, besonders unter den protestantischen, ein Lüftchen bestehen, also andere Beitragende oder Ehrenmitglieder nicht hierzu verspürt und durch Unterschriftbevorwortungen rc. geangenommen werden dürsen. Der Verein zählt jetzt 17 Mitj fördert. Gottlob, unser liebes Bayern ist gegen uns Juden glieder und bei seinen Vereinsabenden 70 Gäste. Das ist! bei weitem das nicht mehr, was es früher, besonders unter allerdings ein wenig erbauliches Zeugniß von der Theilnahmdem Minister v. Abel unseligen Andenkens, war und es ist losigkeit der hiesigen Studirenden für wissenschaftliche Erkenntz eine Gnadenwaltung Gottes, daß der heillose Antisemitismus niß des Judenthums! Doch ließ sich der Verein hierdurch nicht zu jener Zeit ausbrach, sonst wäre es uns schlecht ernicht abschrecken, seine Bestrebungen mit allem Eifer fortzu-! gangen. Wir genießen in allen Stücken gleiches Recht; wir führen. In neun Versammlungen während des Sommerzählen bereits eine schöne Anzahl k. Beamten, k. Handelssemesters wurden Vorträge über jüdisch-historische und wissenlehrer u. dergl.; die Einjährig-Freiwilligen und andere Solschaftliche Themata gehalten, und eine lebhafte Diskussion daran geschloffen. Auch Herr vr. D. Cassel hielt einen Vortrag: „Die Bedeutung des Studiums der jüdischen Geschichte für die Gegenwart". Möge der Verein an Ausdehnung durch Zahl und Kräfte gewinnen, wie er es verdient! Münster, 19. Dez. (Berichtigung.) Es ist wohl durch ein Mißverständniß geschehen, daß in den beiden Korrespondenzen, in welchen über den Neubau eines Seminargebäudes berichtet worden, gesagt ist, daß die königl. Regierung die Weiterzahlung des Zuschuffes von dem Neubau abhängig mache, während die Sacke so liegt, daß sie, bez. das königl. Provinzialschul-Kollegium, dem wir unterstehen, schon seit Jahren drängt, die jetzigen durchaus unzureichenden Räumlichkeiten zu verbessern und daß wir Gefahr laufen, wenn wir uns gegen die Forderung ablehnend verhalten, den Zuschuß zu verlieren. Die positive Erklärung aber, daß derselbe uns entzogen werden müsse, wenn kein Wandel geschaffen wird, ist nicht erfolgt. Das Curatorium hat sich stets gesagt, daß mit einem Umbau der jetzigen Lokale eine durchgreifende und auf die Zukunft berechnete Verbesserung nicht erfolgen werde, und daten erfahren seitens ihrer Ofsiziere, wie in anderen Landen, keine Beleidigung ihres Glaubens wegen rc. Oesterreich-Ungarn. Pest, 12. Tez. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus verhandelte heute die Jmmunitäts - Angelegenheit der antisemitischen Abgeordneten Onody und Berhovay und erledigte dieselbe im Sinne des Aussckußantrages, der auf Auslieferung lautet. Gegen die Auslieferung Onody's sprach unter großer Heiterkeit Jstoczy, welcher unter anderem behauptete, es sei die Verfolgung der antisemitischen Abgeordneten in die Mode gekommen, worauf ihm Jvanka zurief: „Es wäre das wohl an der Zeit." Jstoczy schloß seine Rede mit den Worten: „Wohlan denn, man möge uns verfolgen: die Idee, welche Märtyrer hat, wird um so fruchtbarer wirken." Nach fünftägiger Verhandlung wurde den Szigetvarer Tumultanten das Urtheil verkündet. Der Haupträdelssührer, ein Barbier, wurde zu 3 Jahren Zuchthaus, ein anderer, ein Schuhmacher, zu 2 Jahren und ein dritter zu 9 Monaten Gesängniß und außerdem zum Verlust der bürgerlichen hat deshalb den Verkauf des jetzigen Befitzthums und einen! Rechte auf 6, 4 und 3 Jahre verurtheilt. Drei Schneidervollständigen Neubau aus einem anderen angekauften Grundstücke beschlossen. Nürnberg, 17. December. (Privatmitth.) In Nr. 19 d. Ztg. befindet sich die Nachricht: Die Universität Erlangen hätte den k. Pros, vr-, Rosenthal daselbst zum Rektor gewählt und der Minister v. Luz hätte die Bestätigung verweigert. i) Gerade das Gegentheil ist wahr. Die Universität Erlangen hatte, obschon die medicinische Fakultät an 1) Die Bemerkung war Berliner Blättern entnommen. Red. gehülfen erhielten wegen der während des Tumultes verübten Diebstähle Gefängnißstrafe von zwei Monaten. Alle Verurtheilten, mit Ausnahme des Barbiers und des Schuhmachers. wurden vorläufig der Haft entlassen. Pest, 23. Dec. Die königl. Tafel als Appellinstanz hat in sechstägiger Verhandlung den Tißa-Eßlarer Prozeß nach dem Gesammt - Material der Akten noch einmal verhandelt. Es wurden dabei alle die Rechtsverletzungen constatirt, die bei der Untersuchung begangen worden, die Wahl eines Bicenotars zum Untersuchungsrichter, die Mißhandlungen

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